Der bayerische Exot

Gruber trotzt den Neidern: Zwei DM-Titel für den Kitesurfer

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Handschlag unter Rivalen: Florian Gruber (l.) aus Garmisch-Partenkirchen nimmt beim Finale der Deutschen Meisterschaften in St. Peter-Ording die Glückwünsche des Zweitplatzierten Jannis Maus entgegen.

Er hat es wieder getan. Florian Gruber aus Garmisch-Partenkirchen hat bei den Deutschen Meisterschaften im Kitesurfen seine nächsten Titel gewonnen. Von seinem Sieg waren aber nicht alle begeistert.

Garmisch-Partenkirchen – Zugeben würde es natürlich niemand. Aber so ganz scheint es den Veranstaltern der Kitesurf-Events im Norden Deutschlands nicht zu passen, dass da immer wieder dieser blonde Wuschelkopf aus dem Süden die Trophäen abräumt. Auch beim Finale der Deutschen Meisterschaften in St. Peter-Ording konnte der Stadionsprecher seine Enttäuschung nicht verbergen, als er dem bayerischen Exoten Florian Gruber zum Sieg gratulierte – und für Lokalmatador Jannis Maus „leider, leider“ nur der zweite Platz blieb.

Gruber nimmt sich derlei Sticheleien nicht zu Herzen. „Da steh’ ich drüber“, sagt der 25-Jährige aus Garmisch-Partenkirchen. Er vergleicht seine Situation mit der des FC Bayern im Fußball. „Da nervt es auch viele Fans von anderen Vereinen, wenn immer dieselbe Mannschaft Erster wird.“ Wo Erfolg ist, sind eben auch Neider.

Titel im Racing und im Slalom

Dass es für seine deutsche Konkurrenz momentan kein Vorbeikommen gibt, hat Gruber an der Nordsee eindrucksvoll untermauert. Sowohl im Racing als auch im Slalom krönte sich der Werdenfelser zum Deutschen Meister. Schon die vorherigen drei Events der vierteiligen nationalen Serie hatte Gruber für sich entschieden. Souveräner geht’s nicht.

In St. Peter-Ording hätte er trotz seiner über die gesamte Saison gezeigten Dominanz noch seinen Platz an der Spitze verlieren können. Der Kitesurf-Verband vergibt beim finalen Wettbewerb der Deutschen Meisterschaften deutlich mehr Punkte als in den Rennen zuvor. So soll es bis zum Schluss spannend bleiben. Gruber hat dafür wenig Verständnis. „Ich finde es unfair“, stellt er klar. „Jede Platzierung sollte bei jedem Event gleich viel wert sein.“

Deutlicher Vorsprung

Letztlich konnte es ihm egal sein. Zu stark waren seine Leistungen während der fünf Tage an der Nordsee. Bei zwölf Starts war er achtmal der Schnellste, lediglich viermal musste er sich Jannis Maus geschlagen geben. Am Ende thronte der Garmisch-Partenkirchner mit gehörigem Vorsprung über dem Rest. Das freut Gruber. „Es war mir wichtig, zu zeigen, dass ich vorne dran bin.“

Insbesondere vor dem Hintergrund, dass mit Maus sein einzig ernsthafter Kontrahent in diesem Jahr alles dafür getan hatte, Grubers Herrschaft zu beenden. Der Oldenburger pausierte für zwei Semester mit seinem Studium, legte den kompletten Fokus auf den Sport. Wann immer möglich, stand Maus in den vergangenen Monaten auf dem Board. „Ich habe deutlich weniger trainiert als Jannis“, sagt Gruber. Auch beim Material hat sein Rivale aufgerüstet. In St. Peter-Ording startete er mit demselben Foil wie Gruber. „Umso schöner, dass ich ihn trotzdem geschlagen habe.“

Weiter geht‘s für Gruber in China

Zeit, seinen Erfolg zu genießen, hat der Sportler kaum. In knapp einer Woche fliegt er nach China. World-Series-Event in Weifang. Ein wichtiges Rennen. Vor allem für den Geldbeutel. 60 000 Euro schütten die Organisatoren aus. „Deutlich mehr als sonst“, betont Gruber. Wer etwas abbekommen will, muss liefern. Nur die besten zehn Kiter erhalten Preisgeld. Will der Garmisch-Partenkirchner sein Jahr mit einem finanziellen Plus beenden, braucht er ein ordentliches Resultat. „Da spürst du schon ein bisserl Druck.“

Zuversichtlich stimmt ihn sein bislang letzter Auftritt bei der World Series. In Gizzeria (Italien) ließ er als Vierter einen Großteil der internationalen Elite hinter sich. Diese Leistung gilt es in China zu bestätigen. „Das wäre überragend.“ Sein Ziel: „Ein Platz unter den Top-Fünf.“ Jedoch ist Gruber nicht unbedingt ein Fan von Wettkämpfen im asiatischen Kaiserreich. Zum einen erschwert der Meeresmüll die Abläufe im Rennen. Zum anderen machen ihm Klima und Ernährung zu schaffen. „Eine Leberkassemmel findest du eher selten“, sagt er und lacht. Gruber, der bayerische Exot.

Quelle: Merkur.de

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