Kinder sollen sich endlich wieder in Gruppen sportlich betätigen dürfen 

Vater bittet Söder: „Macht die Schulen auf - und den Amateursport“ 

Gabriel Galiano (49) vor einem leeren Trainingsplatz. Der Familienvater hat einen Brief an Ministerpräsident Markus Söder geschrieben, fordert schnellstmöglichst Schulöffnungen und dass die Kinder wieder im Freien Mannschaftssport treiben können
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Gabriel Galiano (49) vor einem leeren Trainingsplatz. Der Familienvater hat einen Brief an Ministerpräsident Markus Söder geschrieben, fordert schnellstmöglichst Schulöffnungen und dass die Kinder wieder im Freien Mannschaftssport treiben können.  

Denken die Verantwortlichen, die seit über einem Jahr die Corona-Politik bestimmen, überhaupt nicht an die Nöte der Kinder? Gabriel Galiano aus Unterhaching kommt es so vor. 

Unterhaching – Letzte Woche hat es ihm gereicht. Gabriel Galiano hat sich in der wenigen Zeit, in der er nicht arbeitet, seine Kinder betreut oder ehrenamtlich tätig ist, hingesetzt und einen langen Brief an den Ministerpräsidenten verfasst. Darin schüttet der 49-jährige Familienvater sein Herz aus, schildert die Sorgen, die er um seine, aber auch alle anderen Kinder hat, weil sie seit Monaten nicht mehr zur Schule gehen und keinen Mannschaftssport ausüben können. „Die Zeit, die die Kinder jetzt verlieren und schon verloren haben, kann man nie wieder zurückholen“, schreibt er.

Galiano:„Wir haben einfach nich mehr gekonnt“ 

Lange hat Galiano die Einschränkungen für sich und seine Familie still ertragen. „Wir haben uns an alle Bestimmungen, so gut es ging, gehalten“, sagt er. Obwohl viele Regelungen für den Bürger nicht nachvollziehbar seien. „Warum durften die Leute ohne große Einschränkungen in kleine Supermärkte, aber die riesigen Baumärkte mussten schließen? Bei uns im Landschaftspark feiern Jugendliche und junge Erwachsene nachts unbehelligt von der Polizei, aber gut kontroldarm man nicht im Biergarten zusammensitzen?“, fragt der Bäcker, der sich über Monate nach seinen Nachtschichten noch darum bemühte, dass seine beiden Buben im Alter von sieben und zehn Jahren im Homeschooling etwas lernen. Weil es irgendwann nicht mehr ging, arbeitet seine Frau jetzt von zuhause aus, und eines der Kinder geht in die Notbetreuung der Grundschule.

„Wir haben einfach nicht mehr gekonnt“, gibt er zu. Aus Gesprächen mit Freunden und Bekannten weiß er, dass es vielen Familien so geht. „Ich denke, dass ich mit dem, was ich in dem Brief geschrieben habe, vielen aus der Seele spreche“, sagt er.

Viele Kinder verlieren den wichtigen Kontakt zum Sport 

Dass Fass zum Überlaufen brachten die Ereignisse der letzten Wochen. „Nach den Osterferien wurden die Kinder zwei Mal pro Woche in der Schule getestet. Alle trugen Masken. Trotzdem müssen eine Woche später fast alle Kinder zurück in den Distanzunterricht. Das verstehe, wer will. Ich tue es nicht.“

Dass die Kinder seit über einem Jahr, von kurzen Unterbrechungen abgesehen, keinen Teamsport mehr ausüben dürfen, ist für den ehrenamtlichen Feuerwehrler und Jugendtrainer beim Fußballverein Fortuna Unterhaching ebenso unverständlich. Viele Kinder würden so den Kontakt zum Sport völlig verlieren, nur noch zuhause sitzen vor irgendwelchen Bildschirmen. „Dann kommt die Meldung, dass zur EM in München 14 500 Zuschauer ins Stadion dürfen. Wie sollen ich oder meine Frau das unseren Kindern erklären, wie soll ich das meiner Mannschaft erklären?“, fragt er.

Er sei selbst ein Fußballgegeisterter, der sich jedes EM- und WM-Spiel im Fernsehen ansieht. Aber „das auf Kosten unserer Freiheit und des Wohls der Kinder“ hier eine Ausnahme gemacht werden soll, sei unfassbar. „Macht der Virus denn einen Unterschied zwischen Leistungssport und nicht Nicht-Leistungssport?“

Mit emotionalem Brief an Söder will er an Zukunft der Kinder erinnern  

Zwar hat der Ministerpräsident diese Woche Lockerungen angekündigt, doch die bringen nicht viel, findet Galiano. Seiner Ansicht nach müssten alle schulpflichtigen Kinder schnellstmöglich zumindest wieder in den Wechselunterricht und gemeinsam im Freien Sport treiben dürfen. „Gerade die Kinder sollen sich bewegen und lernen – und das nicht nur zuhause. Sie sollen Kontakte knüpfen und lernen, Konflikte zu lösen, sich frei fühlen und bewegen können“, heißt es in seinem Brief, den er am Montag in den Briefkasten geworfen hat – adressiert an die Staatskanzlei. „Kinder sind das Gut dieser Erde und müssen sich schon genug ,anpassen‘“, schreibt er darin.

Was sich der Familienvater von seiner Aktion erwartet? „Nicht viel“, sagt er. An ein Antwortschreiben glaubt er eher nicht. „Meine Hoffnung wäre, dass der Brief zumindest gelesen wird und sich die Verantwortlichen Gedanken machen, dass es nur mit ständigen Schließungen nicht weitergehen kann und sie auch die Zukunft unserer Kinder im Blick haben.“

(STEFAN WEINZIERL)

Quelle: Merkur.de

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