Florian Darchinger über den Platz der Fortuna im Unterhachinger Fußball

Fortuna Unterhaching: „Müssen uns in keinster Weise verstecken“

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Wollen die Fortuna aus Unterhaching weiter voranbringen: Erster Vorsitzender Andreas Bezler (l.) und Zweiter Vorsitzender Florian Darchinger.  Jugendarbeit wird bei uns ganz groß geschrieben.

Kürzlich wählte der Fußball-Kreisklassist Fortuna Unterhaching einen neuen Vorstand. Nun leiten Andreas Bezler, Florian Darchinger und Jakob Wessel die Geschicke des Vereins.

UnterhachingIm Interview mit dieser Zeitung spricht der zweite Vorsitzende Darchinger über den Platz der Fortuna in der Gemeinde, die eigene Jugendarbeit und kleine Reibereien mit der SpVgg Unterhaching.

Auf der ordentlichen Mitgliederversammlung trat der vorherige Vorstand um Markus Holzeder nicht mehr an. Was waren die Gründe für den personellen Wechsel an der Vereinsspitze?

Der bisherige Vorstand wollte aus persönlichen Gründen nicht mehr antreten. Markus hat das jetzt seit zehn Jahren gemacht, Astrid (Bublak; die Red.) fünf Jahre und der Christian (Huster; die Red.) sogar über 20 Jahre. Mit ihnen haben wir schon längere Zeit Gespräche geführt. Wir sind jung, hungrig und haben viele Ideen. Dementsprechend lief der Übergang wie geplant und wir wurden ohne Gegenstimmen gewählt.

Die Saison 18/19 darf man aus Vereinssicht durchaus als erfolgreich bezeichnen. Die zweite Mannschaft hat ihr erstes Jahr in der B-Klasse mit einem sicheren 7. Platz im Mittelfeld abgeschlossen, die erste Mannschaft sogar bis zum letzten Spieltag um den Aufstieg in die Kreisliga mitgespielt. Besteht die Gefahr, dass die zuletzt erfolgreiche Phase durch den Umbau des Vorstands beeinflusst wird?

Überhaupt nicht. Ich sehe das sogar eher positiv. Unser bisheriger Ansatz war, dass die sportliche Führung und unsere Trainer völlig frei entscheiden können. So wird das auch in Zukunft sein. Im Gegenteil glaube ich, dass wir mit unserer Erfahrung, die wir im Herrenbereich sammeln konnten, einiges Positives beitragen können. Aber auch wenn wir drei jetzt aus dem Herrenbereich kommen, ist die Jugendarbeit natürlich unsere erste Priorität. Ohne die geht es nicht und ohne die wollen wir nicht. Das spiegelt auch die große Anzahl an Kindern wider. Unser Fokus liegt auf der Jugend. Die Herren sollen natürlich auch das Maximale rausholen.

Welche Agenda verfolgt der neue Vorstand? Gibt es hervorgehobene Projekte oder akute Baustellen?

Unser großes Ziel zu Beginn wird sein, dass wir die Aufgaben im Verein auf mehrere Schultern verteilen. Ich kann nur jeden einladen, der sich ehrenamtlich engagieren will, bei uns mitzumachen. Nachdem wir in den letzten Jahren vor allem damit beschäftigt waren Probleme zu lösen, möchten wir nun strategisch etwas Langfristiges aufbauen. Unsere Jugend soll weiter wachsen und wir wollen auch weiterhin wichtiger Bestandteil der Gemeinde sein. Unser Ziel ist es, dass es keinen Unterhachinger Bürger mehr gibt, der uns nicht kennt. Das ist momentan leider noch der Fall, obwohl wir schon jetzt ein durchaus mitgliederstarker Verein sind. Natürlich sind auch politische Themen immer wichtig. Wir haben mit der Spielvereinigung nun einmal einen großen Bruder in Unterhaching, mit dem wir zusammenarbeiten und -leben wollen und müssen. Da gibt es sicherlich Punkte, die wir im Zusammenwirken noch verbessern können.

Die Fortuna hat circa 550 Mitglieder, davon spielen 350 in den mittlerweile 16 Teams des Jugendbereichs…

… und von diesen Kindern kommen über 90 Prozent aus Unterhaching selbst. Das zeigt nochmal, wie unser Stellenwert im Ort ist.

Die Nachwuchsarbeit als Aushängeschild der Fortuna also?

Die Jugendarbeit wird bei uns ganz groß geschrieben. Daran wird sich auch unter dem neuen Vorstand nichts ändern. Das ist die Zukunft unseres Vereins und das, was uns von der Spielvereinigung mehr oder weniger unterscheidet: wir nehmen jedes Kind. Jeder der Fußball spielen will, ist bei uns herzlich willkommen. Wir weisen niemanden zurück und hoffen, dass wir möglichst viele Jugendspieler bei uns bis in den Herrenbereich begleiten können.

Die SpVgg hat die Losung ausgegeben: „Wir wollen Hachinger Kindern wieder eine Heimat geben“. Wie kommen solche Worte bei der Fortuna an?

Die Arbeit der letzten Jahre spricht für uns. In den letzten zweieinhalb Jahren ging nur eine Jugendmannschaft geschlossen von der Fortuna zur Spielvereinigung – mehr nicht. Insofern müssen wir uns, was die Jugendarbeit angeht, in keinster Weise verstecken.

Mit dem Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) steht bei der SpVgg vor allem der Leistungsaspekt im Fokus der Jugendarbeit. Die Fortuna arbeitet seit Anfang 2018 zur Jugendförderung mit der Münchner Fußball Schule zusammen. Wie sieht diese Kooperation aus und welche Vorzüge bietet diese euren Mitgliedern?

Die Kooperation besteht darin, dass jeden Montag Trainer der Münchner Fußball Schule ein Training bei uns anbieten. Wer zusätzlich zum normalen Mannschaftstraining weiterarbeiten und sich verbessern will, hat durch diese Zusammenarbeit die Möglichkeit dazu. Dafür kommen qualifizierte Trainer mit den entsprechenden Ausbildungen. Natürlich geht es bei uns in erster Linie um Spaß an Bewegung und am Fußball. Aber durch die externe Unterstützung der Fußballschule genauso wie durch unsere eigenen gut ausgebildeten Trainer, können wir jenen Kindern, die leistungsorientiert Fußball spielen möchten, bis zu einem gewissen Grad einen Platz in unserem Verein bieten. Was sich im Nachwuchsleistungszentrum der Spielvereinigung abspielt, hat mit uns keine Berührungspunkte. Uns geht es darum, mit der Hachinger Fußballschule der SpVgg, die auf den Breitensport abzielt, ein Agreement zu finden. Die Übereinkunft, keine Spieler bei uns abzuwerben, besteht zwar mündlich eigentlich schon, in Zukunft hoffen wir, dass es dann auch bei diesen Zusagen bleibt.

Im vergangenen Jahr beschloss die Spielvereinigung die Ausgliederung ihrer Profimannschaft und der Nachwuchsteams bis zur U16. Die Teams darunter bleiben im Stammverein angegliedert. Besteht die Gefahr, dass dadurch die Konkurrenz nochmal wächst?

Wir erhoffen uns dadurch, dass die ausgegliederten Teams dann auch im Sportpark spielen. Bisher gab es dort leider Überschneidungspunkt, weil diese Mannschaften ihre Heimspiele bei uns in der Grünau ausgetragen haben und wir in der Vergangenheit immer die Leidtragenden waren, wenn kurzfristig Spiele verschoben wurden. Aber auch hier gibt es Absprachen, dass auf allen von der Gemeinde verwalteten Plätzen die Fortuna beziehungsweise der Breitensport an erster Stelle kommt. Wir würden uns freuen, wenn das auch so kommt, damit unsere Jugendmannschaften und Herrenteams weitestgehend an einem Ort spielen können.

Was bräuchte es aus Sicht der Fortuna denn für eine Optimierung des Verhältnisses?

Eigentlich sind es nur zwei große Themen: Das eine ist die Platzbelegung – bei den Plätzen wie auch bei den Hallen. Das zweite Thema ist der Jugendbereich. Da bestehen wir schlicht darauf, dass die Zusagen eingehalten werden. Das bedeutet, dass keine Kinder und keine Trainer aktiv abgeworben werden. Wenn das so eingehalten wird, wie es besprochen ist, haben wir keine Probleme miteinander.

Wie positioniert sich die Gemeinde in dieser Gemengelage?

Soweit ich das beurteilen kann, war unser Verhältnis zu Bürgermeister Panzer und dem zuständigen Sportamt noch nie so gut wie heute. Wir spüren hier absolute Wertschätzung für das, was wir leisten. Wie die Stimmungslage im Gemeinderat ist, wage ich nicht zu beurteilen. Hier wird es wohl, wie in der Politik, unterschiedliche Fraktionen geben.

Wie überzeugt die Fortuna Jugendliche aus Unterhaching und Umgebung, sich für Blau-Weiß und nicht für Rot-Blau zu entscheiden?

Diese Nähe, die die Spielvereinigung zum Profifußball hat, können und wollen wir vielleicht auch gar nicht liefern. Wir sind ein bodenständiger Verein, in dem jeder jeden kennt. Wir hatten zuletzt die Saisonabschlussfeier – vormittags die Jugend, nachmittags die Herren. Das ist ein Miteinander, das in Zukunft noch mehr gefördert werden soll. Wir hatten zuletzt bei einem Herrenspiel unsere Bambini als Einlaufkinder und ich möchte auch dahinkommen, dass die Spieler aus dem Herrenbereich Trainerfunktionen in der Jugend übernehmen. Derzeit haben wir das schon in der B-Jugend. Wir haben kurze Wege, sind mitten im Ort und bei uns kann sich jeder so ausleben, wie er das möchte. Jedes Kind und jeder Erwachsene ist herzlich eingeladen mitzumachen oder einfach so vorbeizuschauen. Gerade in Zeiten, wo der Profifußball an der Übersättigungsgrenze steht, kann man sich gerne am Sonntag mal an die Seitenlinie stellen und in der Kreisklasse den wahren Fußball miterleben. Und dafür stehen wir: für Ehrlichkeit, Spaß und weniger Hochglanzprodukt.

Wie funktioniert denn die Einbindung der Fortuna in die Gemeinde auch hinsichtlich Sponsorings und Kooperationen mit lokalen Partnern?

Unser Slogan ist „Aus Haching, für Haching.“ Wir sind überall präsent, haben jedes Jahr auf dem Christkindlmarkt in Unterhaching zwei Stände, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Ganz groß möchte ich den Partnerschaftsumzug am 7. Juli herausstreichen, wo wir mit über 100 Kindern und Erwachsen die größte Gruppe gestellt haben. Das zeigt, dass wir ein Verein aus dem Ort und für den Ort sind. Wir haben eine super Beziehung zu den TSV-Handballern.

Zum Abschluss ein Blick in die Kristallkugel: Wo steht der Verein in einem Jahr?

Ich hoffe, dass wir mit unserer ersten Mannschaft in Angriff nehmen können, was wir dieses Jahr knapp verpasst haben: den erstmaligen Aufstieg in die Kreisliga – auch wenn es sehr, sehr schwer wird. Mit unserer zweiten Mannschaft bin ich super happy wie sie jetzt in der B-Klasse angekommen ist. Für den gesamten Verein und besonders für die Jugend hoffe ich, dass wir weiterhin so großes Interesse hervorrufen, die Mitglieder uns erhalten bleiben und wir weiter wachsen. Vor allem hoffe ich aber, dass der Spaß und die Freude am gemeinsamen Kicken erhalten bleiben.

Das Gespräch führte
Simon Hüsgen.

Quelle: Merkur.de

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