Freisinger Kreisklassisten äußern sich zum Saisonabbruch

Alex Karl: „Quotientenregel i-Tüpfelchen auf einer traurigen Saison“

Der TSV Au würde bei einem Saisonabbruch in die Kreisliga aufsteigen.
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Der TSV Au würde bei einem Saisonabbruch in die Kreisliga aufsteigen.

Die nicht enden wollende Saison 2019/20/21 steht vor einem Saisonabbruch. Die Quotientenregel ist bei den meisten Vereinen äußerst unbeliebt.

Landkreis Wie geht’s weiter mit der nicht enden wollenden Saison 2019/20? Dabei alle Interessen zu berücksichtigen, gleicht einer Quadratur des Kreises. So sehen es auch die Kreisklassen-Clubs, die aber größtenteils Verständnis für die Entscheidungen zeigen. Dem Ligapokal weint keiner eine Träne nach, der Wettbewerb war von Beginn an das ungeliebte Kind der Vereine. Teilweise zogen manche wie die SpVgg Mauern ihre Teams komplett zurück, manche ließen ihre B-Elf antreten. Jetzt ist der Wettbewerb quasi gecancelt. Teams, die eh schon ausgeschieden waren, stimmt das nicht traurig.

Manuel Haupt vom SV Vötting meint: „Unser Hauptaugenmerk lag da eh nicht drauf.“ Die souveränen Gruppensieger von Vatanspor Freising, für die der Pokal die wahrscheinlichste Möglichkeit für einen Aufstieg war, sind ebenfalls nicht schwer enttäuscht, Teammanager Tamer Bulkurcu sagt: „Die Liga hat Priorität. Ich weine dem Ligapokal keine Träne nach. Trotzdem war das Turnier für uns wertvoll. Wir haben die Erfahrung gesammelt, dass wir mit den Spitzenteams mithalten können. Das waren wichtige Erfahrungen.“ Auch der Auer Coach Christian Hobmeier wird zwar die Spiele des Pokals vermissen, versteht aber die Entscheidung des Verbands: „Mich wundert es fast, dass man so lange an Wettbewerb festgehalten hat.“

Hobmaier: „Wir sollten besser früher beenden“

An einer Maxime hält der BFV weiter eisern fest: Bis zum 30. Juni 2021 soll die Saison beendet sein. Um die Spielzeit bis dahin über die Bühne zu bringen, hat man sich eine neue Deadline gesetzt: „Wenn bis zum 3. Mai kein regulärer Trainingsbetrieb möglich ist, erfolgt der Abbruch der Saison.“ Die Clubs sind soweit recht glücklich, dass nun ein klarer Termin festgesetzt wurde.

Sebastian Liegert, Spielertrainer vom SV Hörgertshausen findet es gut, dass es nun eine klare Deadline gebe, an der man sich orientieren könne. Allerdings sieht der Coach ein anderes Problem: „Der Verband gesteht uns ja nach seinen Planungen nur drei Wochen Vorbereitung zu. Das ist nach einem Jahr ohne Training ein Wahnsinn. Wir bräuchten mehr Zeit. Deshalb sollten wir uns lieber an der neuen Saison orientieren und frühzeitig abbrechen, um 2021/22 pünktlich zu starten.“ Ähnlich sieht es auch Christian Hobmaier: „Ich habe das Gefühl, der Verband spielt auf Zeit. Ganz ehrlich: was soll sich denn in den paar Wochen groß ändern? Wir sollten besser früher beenden.“

SC Freising: Auch über den 30. Juni hinaus verlängern

Gegenteiliger Meinung ist Erik Hillenbrand, Abteilungsgleiter vom SC Freising, der für eine Fortsetzung der Saison plädiert: „Ich verstehe nicht, warum der BFV unbedingt am 30. Juni als Saisonschlusspunkt festhält. Sobald wir dürfen, sollten die Jungs wieder auf den Platz und dann spielen wir die Saison einfach zu Ende – egal, wie lange das dann dauert.“ Eine selbstlose Haltung vom SCF- Abteilungsleiter. Denn seine Mannschaft würde nach momentanen Stand am meisten von einem Abbruch profitieren. Der SC Freising steht momentan auf Abstiegsplatz 13 der Tabelle. Im Falle eines Abbruchs würde aber nicht die Anzahl der bisher geholten Punkte, sondern die sogenannte Quotientenregel über die Platzierung entscheiden. Diese teilt die bisher gesammelten Punkte durch die Anzahl der gespielten Spiele. Da der SC Freising noch eine Nachholpartie gegen den FC Neufahrn zu bestreiten hat, würden die Freisinger auf das rettende Ufer (Platz 10) springen – vorbei an der SpVgg Mauern, dem TSV Paunzhausen und SV Hörgertshausen, die aufgrund der einen Partie mehr auf dem Konto einen niedrigeren Quotienten erreichen. 

Andi Meier: „Ich finde das nicht gerecht“

Der SCF wäre gerettet – und zwar am grünen Tisch: „Das ist einfach krass. Die Quotientenregel käme uns total entgegen“, sagt Hillenbrand. „Aber wenn ich bei Mauern wäre, würde es mich aufregen“. Und tatsächlich ist Andi Meier, Coach der SpVgg, nicht zufrieden mit diesem Beschluss. Die Mauerner wären die Leidtragenden der Quotientenregel und müssten den Gang in die A-Klasse antreten „Ich finde das nicht gerecht. Schließlich könnten die Freisinger das Spiel ja auch verlieren. Es macht keinen Sinn, nicht darauf zu schauen, wie viele Spiele und welche Gegner man bisher hatte. Es sind noch sieben Partien zu spielen und die sollten wir zu Ende bringen oder man setzt Auf- und Abstieg generell aus. Auf jeden Fall sollte niemand wegen der Quotientenregel absteigen.“ Abteilungsleiter Alex Karl äußert zwar Verständnis für die Regelung, konstatiert aber: „Das wäre das traurige
i-Tüpfelchen auf einer traurigen Saison.“

Sebastian Liegert, dessen SVH auch auf einen Relegationsplatz rutschen würde, sieht das gelassener: „Es wird keine faire Lösung geben. Jede Option hat Vor- und Nachteile. Wenn wir in den sauren Apfel beißen müssen, dann ist das so.“

Saisonabbruch: Spitzenreiter Au wäre auch Meister

Im Aufstiegsrennen würde eine Quotientenregel zumindest nichts verändern – der Tabellenführer TSV Au stünde als Meister fest: „Darüber mach ich mir keine Gedanken. Wir wollen auf dem grünen Rasen und nicht am grünen Tisch Meister werden“, sagt Hobmeier. Auch er sieht die Nachteile einer Quotientenregel: „Vielleicht ist es fairer, die Hinrundentabelle zu benutzen. Auch wenn wir vielleicht darunter leiden würden.“ Damals war nämlich der SV Vötting an der Tabellenspitze gestanden. In den Kleinigkeiten sind sich die Verantwortlichen vielleicht nicht einig, doch eines ist allen klar: Die Situation ist kompliziert und eine gute Lösung für alle nahezu unmöglich – eine Quadratur des Kreises.

(Sebastian Bergsteiner)

Quelle: Merkur.de

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