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Ex-Talent der SpVgg Unterhaching bester U17-Spieler

Adeyemis Fritz-Walter-Medaille: Ehre oder Bürde? - „Ich wäre Weltmeister“

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Auf den Spuren großer Vorbilder: Karim Adeyemi (rechts), Preisträger der Fritz-Walter-Medaille 2019.

Manni Schwabl, der Präsident der SpVgg Unterhaching, hat, wenn es um Karim Adeyemi geht, einen riesigen Schatz an Geschichten und Anekdoten parat.

Wie er dem kleinen Karim damals eine Pizza versprochen hat, wenn er Haching beim Merkur CUP zum Titel schießt (was der dann auch tat), wie er ihn, wegen eines schulischen Durchhängers mit Trainings- und Spielverbot, dazu mit viel Lob für den Konkurrenten, zur Einsicht brachte, dass es nicht nur um Fußball gehen kann. Schwabl wusste genau, wie er den fußballverrückten Buben an der empfindlichsten Stelle trifft. Ungezählte Stunden hat er bei ernsten Gesprächen mit Karim selbst, dessen Eltern, Lehrern und Ausbildern verbracht, weil er eben auch wusste, welch unglaubliches fußballerisches Potenzial in dem „Schlawiner“ schlummert. Wenn man sich intensiv um ihn und seine persönliche Entwicklung kümmert.

Als Karim Adeyemi dann im letzten Winter für 3,6 Millionen Euro zu Red Bull Salzburg transferiert wurde, hatten sich für Schwabl all die Mühen gelohnt. Nicht wegen des vielen Geldes, das der Klub natürlich auch dringend brauchen konnte, vor allem aber, weil Schwabl sah, dass aus seinem einstigen Sorgenkind nicht nur ein grandioser Stürmer, sondern auch ein starker Typ geworden war, der weiß, dass Talent zwar viel, aber nicht alles bedeutet. Karim ist als Mensch gereift, ist zuverlässig, pflichtbewusst und trotz aller Lobeshymnen bodenständig geblieben. Nicht die schlechteste Voraussetzung auf dem noch immer äußerst steinigen Pfad Richtung Gipfel. Und auch ein Grund, dass man ihm nun die Fritz-Walter-Medaille verleiht, für den besten deutschen U17-Fußballer des Jahres.

Florian Müller: 2005 bester Spieler vor Manuel Müller

Schwabl wird Karim am 6. September begleiten, wenn ihm in Hamburg im Rahmen des Länderspiels gegen die Niederlande die Plakette überreicht wird. Und wird bestimmt nicht versäumen, ihm nochmals klarzumachen, dass diese Ehrung auch eine Verpflichtung ist, nun konsequent auf diesem Weg weiterzugehen. Denn die Fritz-Walter-Medaille ist zwar so etwas wie ein großes Versprechen, aber längst noch keine Garantie für eine wirklich gute Karriere, wie sie Lars Bender, Mario Götze, Emre Can, Leon Goretzka oder Timo Werner hingelegt haben, einige von Karims Vorgängern als Preisträger.

Da ist zum Beispiel die Geschichte des Florian Müller. 2005, als die Auszeichnung erstmals vergeben wurde, bekam der Berliner Gold für den besten U19-Spieler (Silber ging an Manuel Neuer). Was für eine Ehre, das große Glück aber hat ihm der Preis nicht gebracht. Damals, ja damals, stand ihm die Fußballwelt offen, er war „die absolute Granate, mit allem gesegnet, was man für den großen Fußball so braucht“, so sein Jugendtrainer bei Union Berlin. Nichts aber ist geworden aus den Träumen von der Nationalelf, nicht mal ein einziges Bundesligaspiel hat dieser Florian Müller bestritten.

Abitur zu wichtig für Florian Müller?

Was ist schiefgelaufen? Müllers Geschichte ist eine Geschichte des Scheiterns. Wobei das böse Wort Scheitern eigentlich nicht passt. Müller selbst sagte später: „Okay, mit der Bundesliga hat es nicht geklappt. Aber ich habe viel erlebt und Dinge geschafft, die andere niemals schaffen werden.“ Und er sagt etwas, was man von einem nicht erwartet, der vor den vielen Türen, die sich ihm öffneten, stehengeblieben ist: „Ich bin stolz auf das, was ich erreicht habe.“

Die Umstände hatten nicht gepasst, am Ende der Körper nicht mitgespielt. Mit 18 ist Müller zum FC Bayern gewechselt, die Anforderungen wurden höher, sportlich und schulisch. Das Abitur war ihm wichtig. Vielleicht zu wichtig. Wer nämlich auf diesem Niveau Trainingseinheiten versäumt, ist schnell hintendran, der Trainer setzt auf andere, die mehr trainieren (können). Müller saß viel auf der Bank, und das bei den Amateuren, machte sich Gedanken, vielleicht zu viele. Aus dem Überflieger war ein ziemlich gewöhnlicher Nachwuchsspieler geworden, den die Angst vor Fehlern plagte, den das Selbstbewusstsein mehr und mehr im Stich ließ. Der große Traum? Fast schon ausgeträumt.

Sergej Evljuskin: „Eigentlich wäre ich jetzt Weltmeister“

Über die Regionalliga in Magdeburg ging es in die zweite Liga zu Alemannia Aachen, der Neustart aber, der Sprung in die Bundesliga, blieb aus. Der Körper. 2009 der erste Kreuzbandriss, ein Jahr später der zweite. Viele Dinge, sagte er, gingen einem da durch den Kopf. Aber aufgeben? Kam nicht infrage, noch nicht. Doch immer wieder Schmerzen, immer wieder schwillt das Knie an. Knorpelschaden. Schließlich doch das bittere Ende einer so hoffnungsvoll begonnenen Karriere.

„Eigentlich wäre ich jetzt Weltmeister“ lautet der Titel der Biografie von Sergej Evljuskin. Auch der Sohn einer Aussiedlerfamilie aus Kirgisistan hat 2005 die Medaille in Gold bekommen, als bester deutscher U17-Spieler. In den U-Nationalteams war Evljuskin der Star, der Überflieger. Trotz Mitspielern wie Mesut Özil, Jerome Boateng und Benedikt Höwedes, die dann 2014 den WM-Titel holten. Vielleicht war Evljuskin einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. 2007 steht er mit 19 im Profikader des VfL Wolfsburg, mit Felix Magath aber kommen 27 neue Spieler, fürs Mittelfeld, Evljuskins Position, gestandene Profis wie Misimovic, Marcelinho oder Josue. Der Junge aus dem eigenen Nachwuchs spielt keine Rolle.

Löwe Alexander Eberlein Kapitän im Team mit Özil und Boateng

2010 folgt er seinem Förderer Peter Hyballa zu RW Essen, der Verein aber bekommt keine Lizenz, Evljuskin ist erst mal ohne Vertrag, tingelt über Rostock, Babelsberg und Goslar schließlich zu Hessen Kassel, wo er noch heute kickt. „Sergej war ungeheuer laufstark, ballsicher, hat gearbeitet für das Team, war unglaublich engagiert“, so der frühere DFB-Trainer Frank Engel. „An Grenzen“ sei er gestoßen, als mehr Körperlichkeit und Tempo ins Spiel gekommen sind. Keine optimale Voraussetzung, wenn man sich bei „Quälix“ Magath empfehlen muss. Vielleicht wäre es bei einem anderen Verein, einem anderen Trainer ganz anders gelaufen, der Fußball geht oft krumme Wege.

Evljuskin war nicht nur ein begnadeter Fußballer, er war auch früh eine Persönlichkeit. Engel hatte ihn zum Kapitän der deutschen U19 gemacht, als er dann aber für die EM 2007 in Österreich ausgefallen war, bekamen nicht Özil, Höwedes oder Boateng die Binde, sondern Alexander Eberlein. Engel lobte die Ausstrahlung des Abwehrspielers von 1860 München, Ernst Tanner, damals Nachwuchschef bei den Löwen, bescheinigte ihm „Fähigkeiten, die nur wenige besitzen“. Eberlein bekam 2006 die Fritz-Walter-Medaille in Silber bei der U18, hinter Evljuskin, der damals zum zweiten Mal in Folge mit Gold dekoriert worden war.

Alexander Eberlein: Aussortiert bei Wacker Burghausen

Eberlein? Nur eingefleischten Löwen-Fans dürfte dieser Name noch geläufig sein. Dabei könnte auch für ihn der Titel von Evljuskins Biografie passen. Doch 2014, als die einstigen Mitspieler in Brasilien den Gipfel ihrer Karriere besteigen, ist Eberlein am Tiefpunkt. Aussortiert beim Drittligisten Wacker Burghausen, abgeschoben in die zweite Mannschaft. Gerade in diesem Fall ist man versucht, den Mann als gescheitert zu bezeichnen. Bei den Löwen durfte er gerade neunmal in der 2. Liga ran, ist in die 3. Liga zu Sandhausen gewechselt, eineinhalb Jahre später nach Burghausen. Seit fünf Jahren ist er zurück in seiner fränkischen Heimat, hat drei Kinder und führt ein Leben als stellvertretender Filialleiter eines Supermarkts.

Gescheitert? Wer weiß denn, was ihn letztlich abgebracht hat vom geraden Weg in den Olymp des Fußballs? War er vielleicht im Innersten gar nicht bereit, diesen Weg zu gehen? Vielleicht ist Eberleins Lebensplanung eine andere gewesen, der Fußball nicht mehr Haupt-, sondern Nebensache. Trotzdem hat er es weiter gebracht als Millionen anderer, die von der Kariere nur träumten.

Mats Hummels nie Kandidat für Fritz-Walter-Medaille 

Gut, er war einfach zu nahe dran, die Auszeichnung mit der Fritz-Walter-Medaille schürt Hoffnungen. Ist aber eben keine Garantie. Der Fußball rollt nicht immer nur gerade, ein Mats Hummels zum Beispiel war nie ein Thema für die Nachwuchs-Medaillen, hat heute aber viele derer weit überholt, die mit der wertvollen Plakette ausgezeichnet wurden. Hummels war ein Spätentwickler, als er in der U15 spielte, „hat niemand geglaubt, dass Mats mit 19 Bundesliga-Stammspieler sein würde“, erinnert sich der damalige sportliche Nachwuchsleiter bei den Bayern, Björn Andersson.

Es geht rasend schnell, nach oben, aber noch schneller nach unten. Was wird mal aus Karim Adeyemi werden? Die Chancen auf eine schöne Karriere sind nicht schlecht, wenn er die Auszeichnung am 6. September mit Demut entgegennimmt, als Ansporn sieht, weiter konsequent auf dem Weg zu bleiben, auf den man ihn in Haching geführt hat. Und er wird selbst am besten wissen, dass ein nicht unbedeutender Anteil an der Medaille dem zusteht, der ihn mit Empathie, Hartnäckigkeit und, wenn nötig, kompromissloser Härte dorthin gebracht hat. Die Fritz-Walter-Medaille für Karim ist auch eine Auszeichnung für Manni Schwabl und den „Hachinger Weg“. Es muss nicht zwingend ein finanzstarker Bundesligist sein, der die Tür in die Fußballwelt öffnet. Durchgehen aber muss Karim nun selbst.

Quelle: Merkur.de

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