DAS SPORTGEFLÜSTER

Frühschoppen-Fußball in Walpertskirchen, Neikofner Premiere

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Im 15. Spiel der erste Sieg: die SpVgg Eichenkofen.

Das brachte uns diese Woche: viele Corona-Nervereien und das Ende einer langen Durststrecke.

Live-Fußball zum Weißwurscht-Frühstück– der SV Walpertskirchen macht’s möglich. Am Sonntag steigt das Spiel der WSV-Reserve gegen den SV Wörth 2 im C-Klassen-Ligapokal um 10.30 Uhr. Schuld ist natürlich Corona, denn um hygienetechnisch genügend Zeit zwischen den Partien der Reserve, der Ersten und den Frauen (deren Gegner haben eine 120-Kilometer-Anreise) einzuplanen, ging es eben nicht anders, wie WSV-Trainer Sepp Heilmeier erklärte.

10.30-Uhr-Spiele – da werden Erinnerungen wach an A-Jugend-Zeiten, als zum vereinbarten Treffpunkt bestenfalls vier Leute pünktlich waren. Der Rest hatte verschlafen, war beim Ministrieren oder im Party-Bermuda-Dreieck Hofstarring, Haindlfing, Hauskeller verschollen. Naja, das kann ja in Corona-Zeiten nicht passieren. Wenigstens etwas Gutes hat die Pandemie also. Vielleicht sollte man das Ganze tatsächlich mal etwas positiver sehen.

Die Ringer von Hallbergmoos zum Beispiel kämpfen jetzt in einer deutlich übersichtlicheren Oberliga. Weil sich Anger, Westendorf, Kelheim und Mietraching abgemeldet haben, besteht die Liga nur noch aus zwei Teams. Die Siegfried-Ringer werden also in einer Endlos-Schleife die Nürnberger Johannis-Kämpfer schultern. Immer die gleichen Zwei auf der Matte – Vertrautes kann ja auch ganz schön sein.

Bevor es hier zu schlüpfrig oder wirr wird: Nein, Corona ist auch für den Sport eine einzige Katastrophe. Für die Aktiven, deren Spiele nach wochenlanger Vorbereitung kurzerhand abgesagt werden müssen(Wartenberger Volleyballerinnen siehe S. 12, Erdinger Baseballer siehe r. oben). Und für die Ehrenamtlichen, die in ihren Alpträume von Schlangen aus Absperrbändern erwürgt werden oder sich von einem Stapel Zuschauerlisten zu Tode stürzen. „Viele sind schon längst über die Grenzen hinaus belastet“, sagte mir diese Woche ein Vereinsvorsitzender. Das war ein sanfter Hilferuf.

Lauter war schon der auch in Erding diskutierte Facebook-Post eines Trainers aus Ampfing, der davon ausgegangen war, dass nach den Coronafällen in einer örtlichen Schlachterei das Spiel abgesagt werde, zumal das Landratsamt alle Sportstätten im Dorf gesperrt hatte. Der Spielgruppenleiter tauschte aber nur das Heimrecht. „Aus gesundheitlicher Sicht kann ich nur sagen: Wir hocken morgen alle zusammen in der Kabine“, kündigte er an. „Wenn sich tatsächlich einer meiner Spieler bei dem aktuell akuten Ausbruch (in einem kleinen Ort, wie es Ampfing ist), infiziert haben sollte, und ich das mit nach Hause zu meiner Familie bringe, werde ich den BFV und in erster Linie den Spielgruppenleiter wegen Körperverletzung anzeigen“. Das Spiel auf Biegen und Brechen durchzuziehen, bezeichnete er als „eine bodenlose Frechheit, (...) aber was will man auch von einem Verband erwarten, der vor paar Wochen die Steuerfahndung im Hause hatte, es nicht auf die Reihe bekommt, einen DFB-Pokalteilnehmer zu stellen (...) Für euch habe ich als Jugendlicher in über 70 Spielen als BFV-Auswahlspieler meine Knochen hingehalten.“ Letztlich wurde die Partie nun doch abgesagt, weil sich herausstellte, dass die Väter von zwei Spielern in besagter Schlachterei arbeiten.

Schließen möchte ich allerdings mit einem wirklichen Happy End. Seit Juni 2019 trainiert Anderl Faltermaier zweimal wöchentlich die A-Junioren der SpVgg Eichenkofen. Seitdem haben sie nur auf die Mütze bekommen. Nach 14 Niederlagen in Folge gelang nun beim 2:1 gegen den TSV Dorfen 2 der allererste Sieg. Eineinhalb Jahre mussten die Jungs darauf warten, manche sogar noch länger, weils sie zuvor drei Jahre gar nicht gespielt hatten. Und jetzt dieser Sieg – besiegelt durch einen Spieler, der das erste Tor seiner Fußball-Laufbahn erzielt hat. Ist das nicht ein schönes Happy End? Eigentlich nicht, denn jetzt geht’s für die Neikofner erst richtig los.

 

Quelle: Merkur.de

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