Verein will Rücktritt schnell offiziell machen 

Neuigkeiten rund um den Vorstand: Der TSV Zorneding wartet noch

Das Tor ist bald für ihn zu: Der Noch-Vorsitzende hat den Abschied von seinem Posten angekündigt.
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Das Tor ist bald für ihn zu: Der Noch-Vorsitzende hat den Abschied von seinem Posten angekündigt.

Die Führungsriege distanziert sich deutlich vom 1. Vorsitzenden, der „zeitnah“ zurücktreten will. Den anderen Vorstandsmitgliedern bleibt nur das Warten übrig. 

Zorneding – Der scharf kritisierte Bohdan Kalwarowskyj, der 1. Vorsitzende des Turn- und Sportverein Zorneding, hat am Mittwoch seinen Rücktritt angekündigt. Am Donnerstagabend um 18.36 Uhr kam dazu die offizielle Erklärung der verbliebenen Vorstandschaft des TSV per Email.

In dem Schreiben distanzierten sich Erwin Rett (2. Vorsitzender), Renate Schonlau (1. Schatzmeisterin), Gerlinde Ziepl (2. Schatzmeisterin) und Francesca Oeckl (Jugendleitung) ausdrücklich von dem Vorgehen ihres 1. Vorsitzenden. Der Aufforderung zum Rücktritt kam dieser bedingt nach. Der Druck von inner- und außerhalb des 1400 Mitglieder starken und größten Vereins der Gemeinde war für den 59-Jährigen zu groß geworden.

Zeitpunkt für Abgang „noch offen, aber zeitnah“

Doch noch ist Kalwarowskyj offiziell der 1. Vorsitzende. Auf Nachfrage erklärte er am gestrigen Freitag: „Der Zeitpunkt ist noch offen“, dieser werde aber „zeitnah“ sein. „Ich werde früher als die nächste Jahreshauptversammlung zurücktreten. Das wäre auch zu lange und für alle Seiten unerträglich.“

Wie berichtet, hatte Kalwarowskyj auf ein Corona-Testangebot des Landratsamts für junge Sportler mit einer Drohkulisse gegen seine Vereinsmitglieder reagiert – dabei gegenüber der EZ einen Vergleich zu Kindesmissbrauch gezogen und Corona-Verschwörungstheorien geäußert. Die EZhatte am 7. Mai („Vorstand stellt Verein ins Abseits“) bereits über den Vorfall berichtet, ebenso danach die Süddeutsche und die tz. Letztere titelte am 11. Mai: „Verein mit Stellungnahme: Vorstand stellt TSV Zorneding bloß.“ Die restlichen Vorstandsmitglieder haben, so heißt es nun in dem Erklärungsschreiben, „mit Betroffenheit die Artikel zur Kenntnis genommen, die für viel Aufregung und Diskussion über die Gemeindegrenzen Zornedings hinaus gesorgt haben“.

Und weiter: In Paragraf 3 der Satzung regelt der TSV den Vereinszweck „und gebietet in Absatz e) die politische und konfessionelle Neutralität. Diese Verpflichtung ist wesentlicher Bestandteil eines unpolitischen, geordneten Vereinslebens.“ In mehreren internen E-Mails habe Kalwarowskyj in seiner Funktion als 1. Vorsitzender dem Interview mit der EZund dem Antrag an das Amtsgericht Ebersberg „den Eindruck erweckt, dass es sich um Meinung des TSV Zorneding handle und sich damit nicht an das Neutralitätsgebot gemäß der Satzung des TSV gehalten“, weisen die Vorstandsmitglieder um Vize Erwin Rett hin.

Vorstandschaft holt Meinungsbild von Beteiligten ein

„Dadurch ist das Bild des Vereins in der Öffentlichkeit, bei Mitgliedern, Sponsoren und Freunden des Vereins in ein negatives Licht gerückt. Unmittelbare Kündigungen von Mitgliedschaften, Kommentare in Social-Media, Anrufe und E-Mails an die Vorstandschaft sind ein Beleg dafür“, so Rett und Co.

Der Druck wurde größer, der Verein musste handeln. Denn, so wird in dem offiziellen Schreiben erklärt: „Wir weisen darauf hin, dass die Vorgehensweise und Einlassung des 1. Vorsitzenden (...) zur Einladung des Landratsamtes Ebersberg zur Corona-Test-Schulung für Vereine und zum Kinderschutzverfahren nicht mit dem Verein abgestimmt wurden.“ Kalwarowskyi habe in der Sitzung vom 20. April das Kinderschutzverfahren durch den TSV vorgeschlagen, „das aber vom Vereinsgremium ausdrücklich in der Sitzung abgelehnt wurde. Weder die Einreichung des Schriftsatzes an das Amtsgericht Ebersberg, noch die Argumentation zur Corona-Pandemie und den Umgang damit sind Überzeugung der Vorstandschaft“, betonen die im Brief gelisteten Vorstandsmitglieder, die sich in aller „Entschiedenheit sowohl inhaltlich als auch formell von den Äußerungen“ Kalwarowskyjs distanzieren.

Die Vorstandschaft hat sich zwischen 7. und 11. Mai zu der Situation mehrfach beraten. Man habe ein breites Meinungsbild eingeholt, daraufhin auf den Rücktritt hingewirkt und diesen schriftlich eingefordert. Daraufhin erklärte Kalwarowskyj am 12. Mai in einer Mail an die Vorstandsmitglieder und einer an Landrat und Bürgermeister, so heißt es in dem Erklärungss chreiben „dass er zurücktreten werde“.

Nachfolge soll zügig geregelt werden

Den genauen Zeitpunkt ließ der 59-Jährige allerdings noch offen. Er empfinde die „Gesamtsituation als sehr unangenehm“, teilte Kalwarowskyj der EZ mit. Er werde „zurücktreten, das ist richtig, aber nicht sofort“. Seinen für Freitag angedachten, offiziellen Abschied vom Posten schob er aus privaten Gründen bis auf Weiteres, aber „zeitnah“ auf.

Die Vorstandsmitglieder begrüßen in ihrem Brief die Entscheidung, „damit der Weg für eine neu zu besetzende Vorstandschaft frei gemacht wird und das Image des Vereins nicht weiter in Mitleidenschaft gezogen wird“.

Vor drei Jahren, im Mai 2018, war der Steuerberater an die TSV-Spitze gerückt, davor war er bereits zwölf Jahre Revisor gewesen. Als Nachfolger von Hilde Tiemann musste er mit seiner Vorstandschaft und dem Ausschuss die 100-Jahr-Feier zuerst intensiv vorbereiten, dann im Vorjahr absagen und auf heuer verschieben.

Der verbliebene TSV-Vorstand wird nun entsprechend der Satzung und gesetzlichen Regelungen die Amtsniederlegung bzw. Nachbesetzung des 1. Vorsitzenden vorantreiben. Ein Termin dafür soll in Kürze festgelegt werden – sobald Kalwarowskyj eben offiziell zurückgetreten ist. Doch noch heißt es Warten. Die Jubiläumsfeier des TSV wird auf alle Fälle „kein so großes Event mehr werden wie ursprünglich geplant“, verriet Erwin Rett. Vermutlich eine mit veränderter Vorstandschaft.

(OLAF HEID)

Quelle: Merkur.de

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