Interview

Marc Endres über Ex-Verein: „So schlimm wie jetzt war es wohl noch nie“

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Gut gestärkt fürs Heimspiel gegen seinen ehemaligen Verein, den Chemnitzer FC, ist Marc Endres, der die SpVgg Unterhaching am Montagabend als Kapitän anführen wird. 

Im Interview mit dem Münchner Merkur spricht Marc Endres, Vize-Kapitän der SpVgg Unterhaching, über den heutigen Gegner: seinen Ex-Klub Chemnitzer FC.

Unterhaching– Vier Jahre lang hat Marc Endres für den Chemnitzer FC gespielt, bevor er 2018 zur SpVgg Unterhaching wechselte. Am heutigen Montag (19 Uhr) trifft der 28-Jährige im Sportpark auf seinen einstigen Verein. Wir haben den Vize-Kapitän vorab zum Interview getroffen.

Sie waren seit Mai wegen eines Bruchs der Kniescheibe verletzt, sind erst seit wenigen Wochen wieder voll im Einsatz. Wie gut klappt es schon?

Ich stehe noch nicht bei 100 Prozent – um dahin zu kommen, brauche ich Spielpraxis.

Die SpVgg hat vor dieser Saison mit einigen Zu- und Abgängen einen gewissen Umbruch vollzogen. Wie gut hat sich die Mannschaft schon gefunden?

Sehr, sehr gut! Nico Mantl macht als Torhüter einen super Job und ist ein großer Rückhalt für uns. Den Weggang vom Bomber (Mittelstürmer Stefan Schimmer; d. Red.)haben wir gut kompensiert. Nicht nur mit den Stürmern Dominik Stroh-Engel, Felix Schröter, Florian Dietz und Stephan Hain, der jetzt wieder fit ist, haben wir genug gute Spieler, die vorne die Tore schießen können.

Trainer Claus Schromm variiert in dieser Saison mit unterschiedlichen Systemen, stellt manchmal sogar während des Spiels um. Wie kommt das Team mit diesen Neuerungen zurecht?

Zu 100 Prozent funktioniert es noch nicht, aber wir haben intern auch sehr hohe Ansprüche. Das Spiel mit der Dreierkette können wir noch verbessern. Dass wir es aber drauf haben, plötzlich auf Viererkette umzustellen, haben wir bereits bewiesen, wie zum Beispiel bei Viktoria Köln oder zuletzt bei FC Bayern II.

Haching steht aktuell auf Rang vier. Sind Sie mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden?

Punktetechnisch sieht es ganz gut aus. Wir waren nicht immer haushoch überlegen, es gab auch Spiele, in denen wir das Glück erzwungen haben.

Sie sind schon 28 – wäre es Richtung Karriereende nochmal der große Traum, mit Haching ein paar Jahre 2. Liga zu spielen?

Absolut, das wäre das Traumziel, und es ist legitim, das auszusprechen. Dieses Ziel habe ich nur ich – es wäre für uns alle eine geile Sache.

Wann ist ein Aufstieg realistisch?

Das ist unglaublich schwer zu sagen, die vergangene Saison hat das gezeigt, als wir nach einer tollen Hinrunde so brutal abgefallen sind. Oder Mannschaften wie Braunschweig – vergangene Saison im Abstiegskampf, diese Saison spielen die wahrscheinlich um den Aufstieg mit. Wehen-Wiesbaden hat nach einer schwachen Hinrunde hinten raus alles gewonnen und schaffte den Sprung in die 2. Liga. Eine Prognose in der 3. Liga ist nicht möglich. Wir müssen unser Ding machen und uns permanent entwickeln, um kurz- oder mittelfristig bereit zu sein für den Aufstieg.

Die SpVgg hatte ja zuletzt die Länderspielpause, davor aber auch schon die DFB-Pokal-Pause. Haching will unbedingt wieder im Pokal mitmischen – ist es ein Nachteil, dass man schon im Viertelfinale des bayerischen Toto-Pokals auf 1860 München trifft und damit einer der beiden Favoriten ausscheiden muss?

Schwer zu sagen. Sechzig wäre früher oder später eh gekommen. So ein Derby ist immer eine super Sache – ich habe keinen gesehen, der sich über die Auslosung geärgert hat. Ob wir die Löwen jetzt haben oder im Finale, spielt keine Rolle. Dieses Derby ist immer ein Highlight.

Haching ist ein bisschen der Gegenpol zu 1860 – dort dauernd Diskussionen zwischen Investor und Präsidium, hier himmlische Ruhe. Genießen Sie das?

Ich habe ja lange bei Chemnitz, unserem nächsten Gegner, gespielt. Da geht es manchmal drunter und drüber. Hier bei Haching ist es absolut entspannt, es herrscht ein super Klima, innerhalb des Vereins wird eine Sprache gesprochen. Diese Homogenität spüren wir Spieler natürlich – wir können uns ganz aufs Fußballspielen konzentrieren. Das ist bei den Löwen und auch in Chemnitz vielleicht nicht immer so der Fall.

Stichwort Chemnitz: Ihr früherer Verein produziert permanent Negativschlagzeilen. Insolvenz, Rechtsradikalismus in der Fanszene, Hass-Mails, jetzt haben Trainer David Bergner und Geschäftsführer Thomas Sobotzik den Verein verlassen. Was ist das für ein Gegner, mit dem Haching es im Sportpark zu tun bekommt?

Der Chemnitzer FC ist jedes Jahr ein Verein der Superlative und man fragt sich: Was kommt jetzt noch? So schlimm wie jetzt war es aber wohl noch nie. An der Mannschaft geht es natürlich nicht spurlos vorüber. Trotzdem haben es die Jungs immer gut hingebracht, für 90 Minuten eine gute Leistung zu zeigen. Angesichts der Situation ist das schon beachtlich.

Was ist Ihre Prognose für den Spielausgang?

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir – wenn wir unser Spiel auf den Platz bringen – gewinnen werden. Ohne arrogant klingen zu wollen: Wir haben die höhere Qualität. Man weiß aber nie, wie ein Spiel läuft – Chemnitz macht das geschickt, stellt sich hinten rein und kontert gut. Wenn man gegen die in Rückstand gerät, kann es auch mal eng werden. Aber wenn alles normal läuft und wir das zeigen, was wir können, werden wir dieses Spiel gewinnen.

Quelle: Merkur.de

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