Mit viel Brisanz aus der Winterpause

Fußball-Amateure: Siegen statt streiken

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Den VfR Garching wieder auf Kurs bringen, das ist die Aufgabe von Trainer Daniel Weber.

Noch bevor der Ball wieder zu rollen begann, schrieb die Regionalliga schon dicke Schlagzeilen. Ein Spielerstreik fand zwar doch nicht statt, aber schon der erste Spieltag nach der Winterpause brachte interessante Entwicklungen. Zumindest aber Unterhaching macht weiter, wie es aufgehört hat.

Viel hat nicht gefehlt und der Neustart der Regionalliga Bayern nach der Winterpause wäre von einem echten Knalleffekt begleitet worden. Streikende Fußballprofis gibt es derzeit in Argentinien, aber bei uns in der höchsten Amateurliga? Kurzfristig, so hört man aus Burghausen, sei ein Boykott des Auswärtsspiels in Schweinfurt durchaus Thema für die Spieler gewesen. Aus Solidarität zum Trainer, der zu einem sicher etwas ungewöhnlichen Zeitpunkt freigestellt worden war, kurz vor der Abfahrt des Busses zum ersten Pflichtspiel des neuen Jahres. Noch aber sind die Wacker-Akteure Profis und ihrem Arbeitgeber verpflichtet. Noch. An der Entscheidung des Vereins, im Sommer auf etwas gehobeneren Freizeitfußball umzustellen, war der Konflikt aufgebrochen und ist nun eskaliert, Uwe Wolf musste, nachdem er noch die gesamte Winter-Vorbereitung professionell durchgezogen hatte, gehen.

Jedenfalls gab die Regionalliga am Freitag mal wieder mächtig Diskussionsstoff, man könnte es fast Werbung nennen für den Neustart. Sportlich nämlich ist ja nicht mehr allzu viel an Spannung geboten. Dass Unterhaching Meister wird, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Kräftig untermauert haben diesen Fakt dann am Abend die Bayern-Amateure und damit wieder einmal bewiesen, wie wenig aussagekräftig die Resultate in der Vorbereitung sind. Von neun Testspielen war nur eines verloren gegangen, übrigens gegen Unterhaching. Trainer Heiko Vogel gab sich also bestens gestimmt und hoffnungsvoll, dann halt „best of the rest“ zu werden.

Hasenhüttl verdirbt Bayerns Derby-Generalprobe

Nun aber kommt Ingolstadt, ausgerechnet Patrick Hasenhüttl, Filius des Leipzig-Trainers und früheren Bayern-Amateurs, trifft und zeigt dem Papa, wie man Bayern ärgert. Der Gast nimmt gleich mal die ersten drei Punkte mit aus dem Stadion an der Grünwalder Straße. Nach ziemlich gesicherten Erkenntnissen aber soll der erst gegen Ende etwas engagiertere Auftritt der kleinen Bayern nichts mit einer Solidaritätsbekundung für den Coach zu tun haben, der im Sommer gehen muss. Bringt aber noch mehr Brisanz in das Derby am Sonntag (ab 13 Uhr, im Live-Ticker von Fussball Vorort und bei Sport 1), schließlich sinddie Sechziger gleich mal frech am Nachbarn vorbeigezogen, ein bisschen Balsam auf die ach so geschundene Löwenseele.

Von völliger Langeweile kann in der Regionalliga also keine Rede sein, auch wenn die SpVgg Unterhaching wirklich alles dafür tut. Wenn Trainer Claus Schromm nun klagt, die Umstellung vom Kunstrasen auf Naturrasen sei nicht ganz reibungslos verlaufen, ist das Jammern auf hohem Niveau. Selbstverständlich hat seine Mannschaft trotzdem beim FC Augsburg gewonnen, ein dünnes 1:0 ist zwar nicht unbedingt der Anspruch des enteilten Spitzenreiters, der Vorsprung aber ist trotzdem von unglaublichen 19 auf unfassbare 21 Zähler angewachsen. Da kann man dann natürlich recht gelassen zuschauen, wie sich die „Verfolger“, die man eigentlich längst nicht mehr so nennen darf, am Sonntag gegenseitig die Punkte nehmen.

Weber will nicht hinten reinrutschen

Wenigstens ist im Tabellenkeller ein bisschen mehr Spannung. Dass nun sogar Daniel Weber, der als Trainer des VfR Garching eigentlich eine ungewöhnlich entspannte Winterpause verbringen durfte, plötzlich wieder nach unten schaut, hat auch mit einem jungen Mann zu tun, der Weber eigentlich ja zum Vorbild hat, aber darauf am Samstag absolut keine Rücksicht nehmen wollte. Tobias Strobl, im Winter als Nachfolger des Aufstiegshelden Klaus Seidel aus Manching in die Regionalliga zu 1860 Rosenheim gekommen, durfte gleich einen nicht unbedingt erwarteten Premierensieg feiern. Aus einem „eigentlich typischen 0:0-Spiel“, das Weber gesehen hatte, machte Strobl mit seiner Mannschaft ein 2:0 und brachte Garchings Coach ein bisschen ins Grübeln: „Eine Mannschaft, die im gesicherten Mittelfeld steht, wird bestimmt noch hinten reinrutschen. Und das wollen ganz sicher nicht wir sein.“ Wer aber, frei nach Uli Hoeneß, auch mal auf den Trend schaut, muss feststellen, dass Webers Sorge trotz der noch immer zehn Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz so unbegründet nicht ist: Die letzten vier Punktspiele hat Garching verloren.

An einen Trainerwechsel wird man in Garching trotzdem nicht denken, Weber ist hier eine Institution, gerade wurde er für zehn Jahre im Verein geehrt. Die Floskel von den neuen Besen, die gut kehren, hat sich allerdings zum Start nach der Winterpause doch irgendwie bestätigt: Strobl setzte mit dem TSV 1860 Rosenheim dessen Aufwärtstrend nahtlos fort, Stefan Köck holte als neuer Mann auf dem Trainerstuhl mit Schalding-Heining immerhin einen wichtigen Punkt gegen Buchbach. Und eine Klasse tiefer, in der Bayernliga, feierte „Bobo“ Vujanovic sogar einen Traumeinstand mit dem SV Heimstetten. Der wegen Heiko Baumgärtners Rückzug zum Chef avancierte bisherige Co-Trainer brachte mit dem überraschenden Sieg beim bisher in dieser Saison noch ungeschlagenen Tabellenführer SV Pullach wieder einen Hauch von Aufstiegshoffnung zum einstigen Regionalligisten zurück. Mann des Spiels aber war wieder einmal Orhan Akkurt: Ausgerechnet der frühere Pullacher, dessen mögliche Rückkehr an die Gistlstraße immer wieder mal Gegenstand von Spekulationen ist, traf in letzter Minute für Heimstetten. Und für den überglücklichen Vujanovic.

Mit Siegen den Vorstand ärgern

Das sind die Geschichten, auf die Freunde des Amateurfußballs zuletzt so lange verzichten mussten. Endlich rollt nun der Ball auch in den Amateurligen wieder, selbst in Schweinfurt wurde gespielt. Sogar richtig engagiert, zumindest von den Spielern des SV Wacker Burghausen, so, als ob sie für ihren geschassten Trainer siegen wollten. Der Auslöser für den ungewöhnlichen Rauswurf von Uwe Wolf, der schon fast an die legendäre Entlassung von Toni Schumacher während der Halbzeitpause bei Fortuna Köln erinnert, soll gewesen sein, dass dieser einer Modifizierung seines Vertrags partout nicht zustimmen wollte. Der nämlich soll, wie aus Burghausen verlautet, eine Option auf Verlängerung beinhalten, wenn die Mannschaft am Ende mindestens Platz sechs in der Regionalliga erreicht. Nun ist man, auch ohne Wolf, auf dem besten Weg dorthin. Und das könnte die Verantwortlichen des Vereins in die Verlegenheit bringen, sich künftig möglichst Misserfolg wünschen zu müssen, um Geld zu sparen, das man ohnehin nicht hat.

Für die Spieler, die mit dem Rauswurf ihres Mentors alles andere als einverstanden gewesen sein sollen, eine Perspektive nicht ohne einen gewissen Reiz. Mit Siegen den Vorstand ärgern, auf jeden Fall charmanter als ein Streik.

FUSSBALL-AMATEURE

Die Amateurfußballseite erscheint jeden Mittwoch. Autor ist Reinhard Hübner, erreichbar unter komsport@t-online.de

Quelle: fussball-vorort.de

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