Brucker Kroatien-Fans

EM-Auftakt vor der Glotze statt im Stadion: Die Tickets waren schon gebucht - dann kam Corona

Das rot-weiße Schachbrett-Nationaltrikot ist immer dabei, wenn sich Tado Kopic (vorne l.) und Schulfreund Ante Bosnjak (vorne r.) mit ihren Croatia-FFB-Teamkollegen auf dem Bolzplatz zum gepflegten Kick treffen.
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Das rot-weiße Schachbrett-Nationaltrikot ist immer dabei, wenn sich Tado Kopic (vorne l.) und Schulfreund Ante Bosnjak (vorne r.) mit ihren Croatia-FFB-Teamkollegen auf dem Bolzplatz zum gepflegten Kick treffen.

Fünf Brucker Kroatien-Fans hatte schon Tickets für das Auftaktspiel ihrer Mannschaft bei der EM gebucht. Doch wegen Corona wurde nichts aus der Reise nach London.

Fürstenfeldbruck – Eigentlich wäre Tado Kopic mit seinen drei Söhnen am Sonntag unter den knapp 2000 kroatischen Fans in London gewesen und hätte seine National-Elf im Wembley-Stadion angefeuert. Doch der lang ersehnte EM-Traum platzte kurzfristig ebenso wie der Traum seiner Idole, den favorisierten englischen Hausherren einen Denkzettel zu verpassen. Die 0:1-Auftaktniederlage vor insgesamt 22 500 Stadionbesuchern musste der 57-Jährige daheim am Fernseher verfolgen, weil die strengen Corona-Auflagen eine quarantäne-freie An- und Abreise verhindert haben.

Schon vor einem Jahr hatten die Söhne Kristijan, Luka und der beim SC Fürstenfeldbruck aktive Matej die vier Wembley-Tickets auf dem EM-Portal der UEFA gebucht und waren selbst überrascht, dass sie völlig unproblematisch und schnell den Zuschlag erhalten hatten. 59 Euro je Karte hatten sie gleich überwiesen und unmittelbar darauf die virtuellen Online-Tickets am PC bestaunt. Bis zuletzt hatte das Quartett gehofft, das Fußball-Abenteuer antreten zu können. Flüge und Hotels waren auch schon gebucht. Aber immer mit der Sorge im Hinterstübchen, dass Corona doch noch einen Strich durch die Rechnung machen könnte.

Extra fünf Tage Urlaub genommen

Und so kam es auch. Der seit 31 Jahren als gute Krankenpfleger-Seele auf der urologischen Station des Brucker Krankenhauses beschäftigte Papa Tado hatte sich optimistisch fünf Tage Urlaub genommen. Und dabei auch in Kauf genommen, dass sein fast ebenso lange auf der gleichen Station tätiger Kumpel Ante Bosnjak etwas neidisch auf den EM-Reiseplan seines Landsmann geblickt hat. Gemeinsam mit seinem Kumpel aus Kinderzeiten pflegt auch der ein Jahr ältere Ante die Fußball-Leidenschaft.

Er war viele Jahre mit einstigen Landkreis-Größen in der Alten Liga des SC Fürstenfeldbruck aktiv und fiebert mit Kroatiens Nationalmannschaft. Vor 31 Jahren hatte sich Tado Kopic auf ein Krankenpfleger-Inserat aus Deutschland beworben und war zunächst in Düsseldorf gelandet. Doch schon nach zwölf Monaten zog es ihn nach Fürstenfeldbruck. Dort gefiel es ihm auf Anhieb so gut, dass er seinen Schulfreund Ante in die Kreisklinik nachholte. Seitdem leben beide mit ihren Ehefrauen in der Kreisstadt, haben ihre Kinder hier großgezogen und wollen nicht mehr weg. Obwohl sich Tado einen Ruhestand in der südlichen Heimat durchaus vorstellen könnte. Bis dahin ist aber noch etwas Zeit.

Freunde treffen in der Kreisliga aufeinander

Und so treffen sich die beiden Schulfreunde mit weiteren bis zu 15 Landsleuten jeden Samstag zum gepflegten Fünf-gegen-Fünf-Kick auf dem Maisacher Bolzplatz beim Freibad. Im Winter haben sie sich in der Sporthalle an der Pestalozzi-Schule fix eingetragen. Antes Sohn Marko ist mittlerweile für den SV Mammendorf in der Kreisliga am Ball und wird deshalb bei den Punktspielen dem beim SCF aktiven Tado-Sprössling Matej gegenüberstehen.

Ein etwas gehobeneres Niveau als die Kreisliga hatte der EM-Auftakt der kroatischen Kicker-Elite gegen England. Für die Daheimgebliebenen blieb nach dem gemeinsamen Public Viewing die ernüchternde Erkenntnis, dass 1. die EM kein Zuckerschlecken wird; 2. die nächsten Gegner aus Tschechien und Schottland trotzdem zu schlagen sind; und 3.: der London-Trip zwar ein Abenteuer gewesen wäre, aber keinen freudetrunkenen Rückflug gebracht hätte.

2000 Euro für Flug und Übernachtung gespart

Für den im sensiblen Klinik-Bereich beschäftigten Tado Kopic ergibt sich aber auch die nüchterne Rechnung, dass er sich nicht nur insgesamt zehn Tage Quarantäne, sondern auch 2000 Euro für Hotel- und Flugkosten gespart hat. Als fußballbegeisterter Vater hätte er die Kosten für seine mitreisenden drei Söhne übernommen. Die wären allerdings –anders als ihre Nationalmannschaft, die nach jedem Spiel zurück nach Kroatien fliegt – noch zu weiteren Auftritten ihres Teams in England geblieben.

Die auf dem offiziellen UEFA-Portal stornierten Online-Tickets fanden nach nur wenigen Sekunden dankende Blitz-Abnehmer. So ganz abgeschrieben hat Tado die amtierenden Vize-Weltmeister von 2018 aber noch nicht. Sein auch im Klinik-Alltag stets gepflegtes Motto („In der Ruhe liegt die Kraft“) hat schon so manchen Patienten auf die Beine geholfen. Weshalb nicht ausgeschlossen ist, dass die große Brucker Kroaten-Familie doch noch zu einem Live-Erlebnis mit ihrer National-Elf in einer EM-Arena kommt. Halbfinale und Endspiel finden übrigens im Wembley-Stadion statt.

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