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Pilotprojekt im Kreis Zugspitze – Gruppeneinteilung und Saisonstart fix

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Von: Patrick Hilmes

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Alleinunterhalter: Coach Florian Graf tritt mit dem SV Uffing II in der kommenden Saison in Gruppe 9 an, ohne einen anderen Landkreis-Vertreter.
Alleinunterhalter: Coach Florian Graf tritt mit dem SV Uffing II in der kommenden Saison in Gruppe 9 an, ohne einen anderen Landkreis-Vertreter. FOTO: ANdreas mayr © Andreas mayr

Kaum ist die Saison 2021/2022 im bayerischen Amateurfußball Geschichte, wirft die kommende bereits ihre Schatten voraus. Und dieses Mal betreten die Klubs völliges Neuland.

Landkreis Garmisch-Partenkirchen – Ab der Spielzeit 2022/23 wagt der Kreis Zugspitze ein anderes Modell. Das Tagblatt hat nochmals die wichtigsten Fakten zum Pilotprojekt zusammengefasst und mit den aktuellsten Informationen wie Saisonstart und Gruppeneinteilung (siehe Kasten unten auf dieser Seite) garniert.

Was war bisher geschehen?

Bereits seit drei Jahren schwirrt die Grundidee durch die Köpfe der Entscheider beim Bayerischen Fußball-Verband (BFV). Aufgrund der Corona-Pandemie verschwanden die Pläne aber zunächst wieder in den Tiefen der Funktionärs-Schubladen. Im März 2021 kramte man sie erneut heraus und stellte sie den Klubs im Kreis Zugspitze vor. Sie sollten das Versuchskaninchen spielen. Einen Monat hatten sie danach Zeit, sich zu entscheiden. Neuland oder Altbewährtes? Rund 75 Prozent der Vereine hatten sich an der Abstimmung beteiligt. Das Ergebnis: Rund 68 Prozent votierten für das Wagnis. Zudem plädierte die Mehrheit für einen Versuchszeitraum von zwei Spielzeiten und entschied sich gegen die zusätzliche Playoff-Variante. Da auch über der Spielzeit 21/22 das Damoklesschwert Corona hing, legten die Verantwortlichen um Kreisspielleiter Heinz Eckl fest, das Projekt mit Beginn der Saison 22/23 zu starten.

Wie schaut das Pilotprojekt genau aus?

Die Spielklassen von Kreisliga bis C-Klasse wurden nun in kleinere, regionale Gruppen mit sieben oder acht Mannschaften unterteilt. Diese spielen im Zeitraum Anfang/Mitte August bis Anfang/Mitte November ihre Tabellen in Hin- und Rückrunde aus. Nur für die C-Klasse gibt es ein anderes System wegen des nicht möglichen Abstiegs. In allen anderen Ligen gilt: Die jeweils besten drei Teams der ersten Saisonhälfte kommen in eine Aufstiegsrunde, die restlichen Mannschaften in eine Abstiegsrunde. In diese zweite Saisonhälfte, die von Ende März bis Ende Mai/Anfang Juni laufen soll, nehmen alle Teams Bonuspunkte gemäß ihrem Tabellenplatz mit. Generell ist die Verteilung: Platz eins bekommt sechs Bonuspunkte zum Auftakt in die Aufstiegsrunde, Platz zwei erhält vier und für Platz drei gibt’s zwei. Der Tabellenvierte nimmt wiederum sechs Punkte mit in die Abstiegsrunde, der Fünfte vier, der Sechste zwei Punkte, der Siebte und Achte je einen Punkt. Am Saisonende ergattert der Erstplatzierte der Aufstiegsrunde einen Platz in der nächsthöheren Spielklasse, der Letzte der Abstiegsrunde muss den Gang eine Liga tiefer antreten. Der Zweite beziehungsweise Vorletzte bestreitet die Relegation.

Was ist in der B- und C-Klasse anders?

Neben den drei Erstplatzierten der ersten Saisonhälfte qualifizieren sich auch die drei besten Tabellenvierten der B-Klasse für die Aufstiegsrunde. Sie nehmen jeweils einen Punkt mit. Die sechs Gruppensieger und die Zweitplatzierten der Aufstiegsrunde steigen direkt in die A-Klasse auf. Zu den B-Klassen-Vereinen, die an der Abstiegsrunde teilnehmen, gesellen sich bereits zur zweiten Saisonhälfte alle Herbstmeister aus der C-Klasse, die je zwei Bonuspunkte mitbringen. Die jeweils Tabellenletzten steigen direkt in die C-Klasse ab. Die übrigen C-Klassisten werden für die zweite Saisonhälfte leistungsgerecht neu in Fünfer- bis Sechser-Gruppen aufgeteilt und nehmen folgende Bonuspunkte mit: Die Zweitplatzierten der ersten Saisonhälfte erhalten sechs, die Dritten fünf, die Vierten vier, die Fünften und Sechsten je drei, die Siebten zwei Punkte und die Achten einen Zähler. Alle Gruppensieger nach acht bis zehn Spielen in der zweiten Saisonhälfte steigen direkt in die B-Klasse auf.

Welche Vorteile bietet der neue Modus?

Das Ziel des Ganzen ist schlicht und einfach, etwas Neues zu wagen. Durch die regionale Einteilung der Gruppen werden zum einen die Fahrtwege reduziert, zum anderen stehen mehr Derbys an, was für die Vereine wiederum mehr Zuschauer bedeutet. Zudem erhofft man sich mehr Spannung, da es nun quasi zwei Saisonfinals gibt. Ebenso soll es so möglichst lange für jede Mannschaft um etwas gehen. Des Weiteren bietet vor allem die zweite Saisonhälfte die Möglichkeit, auf neue Gegner zu treffen.

Und die Nachteile?

Da es öfters Derbys geben wird, könnte deren Strahlkraft verwässert werden. Ebenso gibt es die Möglichkeit, auf einen und denselben Gegner im Laufe einer Saison inklusive Relegation bis zu sechsmal zu treffen.

Ist nun alles fix? Und wann geht es los?

Noch nicht ganz. Die Gruppeneinteilung ist nur vorläufig. Die Vereine können binnen einer Woche Einspruch dagegen einlegen. Der Saisonstart im Kreis Zugspitze ist für das Wochenende 6./7. August geplant. Die erste Phase der Spielzeit soll bis zum 7. November beendet werden.

Gibt es weitere Neuerungen?

Direkt ins neue Spielmodell integriert werden soll die Quotientenregel. Sollten also bis zur Winterpause nicht alle Mannschaften gleich viele Partien gespielt haben – beispielsweise wegen unterschiedlich starker Gruppengrößen oder wegen des Zeitdrucks – käme die Regelung (eingefahrene Punkte geteilt durch absolvierte Spiele) zum Tragen. Dies aber will man vermeiden. Damit es möglichst nie dazu kommt und alle Nachholspiele bis Mitte November ausgetragen sind, haben die Spielleiter künftig eine neue Berechtigung: An den jeweils letzten vier Spieltagen der beiden Saisonhälften dürfen sie einen Heimrechttausch ansetzen, sollte ein Team etwa auf Unbespielbarkeit des eigenen Rasens plädieren. So will man eventuellen Manipulationen und unrechtmäßigen Spielabsagen vorbeugen. Auch die Ansetzung von Partien auf neutralem Platz ist in diesem Zusammenhang möglich.

Was sagen die Landkreis-Klubs zur Gruppeneinteilung?

Für die meisten Mannschaften ist es so gekommen, wie vermutet: Es stehen reichlich Derbys in der ersten Saisonhälfte an. In erster Linie gilt das für die Gruppe 10 der A-Klasse. Jeden Spieltag von August bis November heißt es für Grainau, Eschenlohe, Garmisch-Partenkirchen II, Megas GAP, Mittenwald, Murnau II, Oberammergau und Ohlstadt II: Derby-Zeit. Ähnlich verhält es sich in der Gruppe 6 der Kreisklasse. In der treffen Bad Kohlgrub, Krün, Oberau/Farchant, Uffing und Unterammergau aufeinander. Komplettiert wird die Gruppe von Eglfing und Söchering. Aber es gibt auch drei Einzelkämpfer aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Ohlstadt, Kochelsee Schlehdorf und Uffing II. Beim SVO war das aber auch nicht anders möglich, ist er doch nach dem Aufstieg des TSV Murnau und dem Abstieg der Bad Kohlgruber der letzte verbliebene Landkreisvertreter in der Kreisliga. So verwunderte die Einteilung auch Abteilungsleiter Florian Müller nicht: „Es ist so gekommen, wie wir es erwartet haben.“ Ob es eine leichte oder eher schwierige Gruppe sei, vermochte Müller nicht zu beantworten. Zu viel ändert sich bei den Mannschaften vor jeder Saison, insbesondere Aufsteiger Münsing und Absteiger Pöcking seien schwierig einzuschätzen. Über einen Gegner freut sich Müller aber: „Habach, das sind immer gute Spiele.“

Beim FC Kochelsee Schlehdorf war am Sonntag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen, beim dritten Alleinunterhalter aber schon. Sebastian Graf, er hatte bereits im Endspurt der abgelaufenen Saison Uffings Reserve übernommen, ist etwas zwiegespalten angesichts der Einteilung. Während alle anderen Landkreis-Teams in Gruppe 10 eingegliedert wurden, findet sich der SVU II in Gruppe 9 wieder und wird in der ersten Saisonhälfte vor allem den Landkreis Weilheim-Schongau bereisen. „Kein Wunder, wenn man nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt ansässig ist“, betont Graf. Er ist ein Freund von Altbekanntem, spielt gerne auf Plätzen und gegen Mannschaften, die er kennt. Daher hätte er sich schon lieber mit Murnau, Ohlstadt et cetera duelliert. Zugleich sieht er aber zwei Vorteile. Zum einen sind viele der kommenden Gegner für ihn „unbeschriebene Blätter“, was spannend sein kann. Zum anderen kann sich so eine Fahrt am Sonntag von Uffing nach Mittenwald oder Krün mächtig ziehen, wenn die Straßen voll sind von den Wochenendausflüglern. Daher betont Graf: „Wir lassen uns erst mal darauf ein, versuchen neutral in die Saison zu gehen.“ Zumal man sicherlich den einen oder anderen Nachbarn in der zweiten Saisonhälfte wiedersehen wird. (Patrick Hilmes)

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