Fußball

„Sepp Maier hat Oliver Kahn beweglich gemacht“

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Die Katze von Anzing: Torhüter Sepp Maier (l.) fängt 1967 den Flankenball vor Braunschweigs Stürmer Klaus Gerwien (r.) und seinem Verteidiger Hans-Georg Schwarzenbeck (l.).

Sepp Maier, die Torwartlegende des FC Bayern, feiert heute seinen 75. Geburtstag. Er hat viel mehr erreicht, als „nur“ mit dem FC Bayern alles zu gewinnen und mit Deutschland Weltmeister zu werden. Bekannte Torhüter aus dem Landkreis hat die Ikone des deutschen Fußballs maßgeblich beeinflusst.

Landkreis – Der Sportdirektor des VfR Garching,Ludwig Trifellner (60), war lange Torwart des FC Bayern II und hätte fast mit Sepp Maier zusammengearbeitet. Dazwischen kam nur ein Autounfall, der die Karriere des Torwartes jäh beendet hatte. Trifellner ist überzeugt, dass Maier auch heute einer der besten Keeper auf der Welt wäre: „Er hatte eine Strafraumbeherrschung, wie sie auch heute keiner hat. Und auch mit seinem Ehrgeiz wäre er in dieser Zeit ein Guter.“

Trifellner sieht Sepp Maier aber auch als historische Persönlichkeit durch sein Torwarttraining beim FC Bayern und der deutschen Nationalmannschaft, „denn vor ihm gab es gar keine Torwarttrainer. Er hat den Sport weiterentwickelt und war immer visionär“. Mit neuen Übungen habe er dann auch die nächste Torwartlegende Oliver Kahn erst zu dem Titan gemacht: „Der Kahn kam zu Bayern als Kraftmeier, der mit bloßer Hand eine Kartoffel zerdrücken konnte. Seine Beweglichkeit und Geschmeidigkeit bekam er erst durch Maiers Training.“

Manuel von Klaudy (40), Trainer und einstiger Torwart des SV Lohhof, hatte Sepp Maier in Buchform als Begleiter. „Als ich jung war, gab es nur dieses Buch mit Skizzen, aus dem ich dann die Übungen im Training gemacht habe“, sagt von Klaudy. „Ich habe dieses Buch auch besessen“, sagt der Garchinger Trainer Daniel Weber (45), der einst auch ein Spitzentorwart war. „Wir haben wahnsinnig viel auf sein Training aufgebaut.“

Die beiden Ex-Torhüter sind sich einig, dass Sepp Maier auch heute ein Toptorwart wäre. „Die Anforderungen sind anders geworden“, sagt von Klaudy, „aber auch heute wirst du nur ein Guter, wenn du auch wahnsinnig bist.“ Daniel Weber sieht das genauso: „Sepp Maier war zu seiner Zeit ein unglaublicher Torwart und er war auch noch ein richtig guter Kicker.“

Aktuell im Regionalliga-Tor des VfR Garching steht Maximilian Engl (21), der Maier aus Erzählungen seines Vaters und als Torwarttrainer kennt. Die Verrücktheit des Spaßvogels sieht er als Verbindung zu heute: „Wir Torhüter sind doch die Einzigen, die sich lieber den Kopf wegschießen lassen als ein Tor zu kassieren.“ Engl erlebte als Kind andere Generationen und hatte seinerzeit den Holländer Edwin van der Sar als Vorbild.

Der Ex-Trainer des Kirchcheimer SC, Michael Hofmann (46), hütete als Profi das Tor des TSV 1860 München, gewann 2017 mit dem SV Pullach die Bayernliga-Meisterschaft und arbeitet heute als Torwarttrainer beim Bayernliga-Spitzenreiter SV Türkgücü-Ataspor. Er hat Sepp Maier nicht mehr live spielen sehen, hatte aber persönliche Berührungspunkte, bei seinem Probetraining 1995 beim FC Bayern „und natürlich durch meine Zeit in der Bundesliga bei Sechzig, als Sepp Maier Torwarttrainer von Olli Kahn war. Sepp Maier hat mir, als ich mir wegen eines Fehlers Vorwürfe gemacht habe, den Ratschlag gegeben, nicht zu starke Zweifel aufkommen zu lassen und auch nicht zu viele Fehler zuzugeben. Das war typisch für ihn und das habe ich mir gemerkt: Selbstkritik ist wichtig, aber man muss auch mental stark bleiben.“

Die Torhüter und ehemaligen Torhüter feiern Sepp Maier, der für sie viel mehr ist als einfach nur der erfolgreichste Torwart, den es je in Deutschland gab. Jeder bewundert ihn für seine Visionen und auch den legendären Sprung nach der Ente im Münchner Olympiastadion. Manuel von Klaudy wird das übrigens nicht mehr nachmachen: „Ich bin wegen meiner heutigen körperlichen Konstitution dazu nicht mehr in der Lage. Die Enten der Kreisliga München sind sicher.“ 

Es begann in der Jugend des TSV Haar

Sepp Maier war 17 Jahre Torwart des FC Bayern, machte 95 Länderspiele und hatte 699 Einsätze für seinen Verein. Der immer zu Späßen aufgelegte Torwart (Spitzname: Die Katze von Anzing) spielte in der Jugend des TSV Haar, bevor ihn der FC Bayern entdeckte und als A-Jugendlichen verpflichtete. In Haar war er noch Mittelstürmer und wurde erst in München Torwart.

Sepp Maier war als Aktiver Weltmeister 1974, Europameister 1972, gewann von 1974 bis 1976 dreimal den Europapokal der Landesmeister (heute: Champions League), 1967 den Europapokal der Pokalsieger, 1976 den Weltpokal und dazu kamen noch je vier deutsche Meisterschaften und vier Pokalsiege. Später war er von 1994 bis 2008 Torwarttrainer des FC Bayern und von 1988 bis 2004 Torwarttrainer der deutschen Nationalmannschaft. In diesen Funktionen wurde er noch einmal Weltmeister, Europameister und gewann 2001 mit dem FC Bayern die Champions League. Viele Torhüter lernten mit dem 1979 veröffentlichten Buch „Meine Torwartschule. Tips und Tricks des Nationaltorwarts“.


Quelle: Merkur.de

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