Interview

„Nicht vorschnell alles in den Boden stampfen“

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Theo Liedlplädiert dafür, noch etwas abzuwarten.

Fußball-Urgestein Theo Liedl vom SV Pullach hält nichts von einem vorschnellen Abbruch der Saison.

PullachEin Vierteljahrhundert war Theo Liedl als Spieler, Spielertrainer, Trainer und Manager an der Erfolgsgeschichte des SV Pullach beteiligt. Im vergangenen Sommer hat sich der 56-Jährige aus seiner verantwortlichen Rolle beim Bayernliga-Meister 2017 zurückgezogen. Seinen Ex-Verein und den Amateurfußball im allgemeinen verfolgt er aber auch in Zeiten der Corona-Krise mit Interesse.

Finden Sie es richtig, dass der Bayerische Fußballverband sich die Saisonfortsetzung nach dem 19. April vorbehält oder sind Sie für ein vorzeitiges Ende der Spielzeit?

Es gilt erst einmal abzuwarten, was die Regierung sagt. Einfach aufzuhören und zu sagen, man stampft alles in den Boden, finde ich nicht richtig. Es ist auch wichtig, positiv in die Zukunft zu schauen. Man sollte sich das deshalb offenhalten, in der Hoffnung, dass es in ein paar Wochen schon wieder ganz anders aussieht und man peu-a-peu zur Normalität zurückzukehren kann. Das ist wichtig für die Aktiven und die Fans.

Falls es tatsächlich zum vorzeitigen Saisonende käme: Wie könnte man die Spielzeit werten?

Es gibt einen aktuellen Stand, aber es kann noch viel passieren. In der Bayernliga stehen immerhin noch elf Spieltage aus. Für Vereine wie Pipinsried, die über 20 Punkte Vorsprung haben und die wohl kaum noch eingeholt werden können, ist das bitter. Aber, wenn es wirklich zum Abbruch kommt, bleibt eigentlich nichts anderes übrig, als in der nächsten Saison wieder so anzufangen wie in dieser. Dann haben natürlich ein paar Vereine Glück, andere Pech. Ich bin allerdings der Meinung, dass der eine oder andere Verein sowieso in große Schwierigkeiten kommen wird. Alle sind von Sponsoren abhängig. Und die wirtschaftlichen Folgen betreffen uns ja alle. Das ist ein ewiger Kreislauf.

Wie geht es Ihnen denn in dieser Krise?

Ich persönlich bin gottseidank gesund. Für mich ist es das Schlimmste, zuhause zu sitzen, ich will eigentlich immer raus. In meinem Büro sind wir nur zu zweit. Deshalb kann ich da zum Glück wenigstens noch hin.

Haben Sie schon einmal aufgeatmet, weil Sie nach Ihrem Rückzug als Manager des SV Pullach in dieser Krise dort keine Verantwortung mehr tragen?

Ich war 25 Jahre im Verein, war mitentscheidend an dem beteiligt, was dort aufgebaut wurde. Es gab in dieser Zeit viele Schwierigkeiten, wenn auch nicht solche wie im Moment. Aber gerade in solchen Situationen muss man zusammenstehen. Deshalb habe ich überhaupt nicht das Gefühl, dass ich froh sein kann, aufgehört zu haben. Das Ganze beschäftigt mich schon sehr.

Das Gespräch führte
Umberto Savignano.

Quelle: Merkur.de

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