Spiel für die Geschichtsbücher

Ganz Deutschland schaut auf Buchbach

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Zusammenhalten und Gas geben: So behauptet sich das kleine Buchbach in der Regionalliga.

Es ist ein Duell David gegen Goliath. Für den TSV Buchbach ein Spiel für die Geschichtsbücher. Jahn Regensburg kommt, mit ihm viel Prominenz. Und das Fernsehen überträgt live. In ganz Deutschland wird man sehen können, was dieser wundersame Dorf-Verein aus seinen Möglichkeiten macht.

Günther Grübl lacht. Er lacht fast immer, meist ist er richtig gut drauf, der Fußball-Boss des TSV Buchbach. Auch oder gerade jetzt, da sich die Arbeit türmt. „Ein Event, das so schnell nicht wiederkommen wird“, will schließlich gut vorbereitet sein, doch da macht sich Grübl keine Sorgen: „Dass wir das können, haben wir in der Vergangenheit bewiesen. Da steht der Verein wie ein Mann zusammen.“

Am Sonntag (15 Uhr) kommt ja nicht nur der große SSV Jahn Regensburg ins kleine Buchbach, die LiveÜbertragung auf Sport1, kommentiert von Jörg Dahlmann, moderiert von Martin Quast, sowie die anschließende Auslosung der Drittliga- Aufstiegsspiele lockt auch viel Prominenz an, Reinhard Grindel wird dabei sein, der designierte DFB-Präsident, natürlich auch Rainer Koch, der Interims-Chef und Präsident des Bayerischen Fußball- Verbandes. Und mit Stefan Lex ein Bundesliga-Profi, der heute noch von seiner Zeit in Buchbach schwärmt. Ganz Fußball-Deutschland soll nun erfahren, was das Besondere ist an diesem Dorfverein. „Es ist bestens vorgesorgt“, verspricht Grübl den Fans. „Es wird ein richtig toller Fußballnachmittag. Kulinarisch sind wir in der Klasse sowieso ungeschlagen.“

Der Buchbacher Mythos: „Spanferkel, brutaler Zusammenhalt, eine Mannschaft, die kämpft ohne Ende"

Es wird die berühmten Grillschmankerln geben, Ginos einzigartige Schinken-Pizza, die eigens für Heimspiele produzierte „Buchbacher Bratwurst“ der Metzgerei Kamhuber, Grillmeister Georg Weindl hat auch wieder die Sau im Angebot, die nämlich bringt Glück: „Wenn es eine Sau gibt, dann gewinnen wir“, so seine Erfahrung. Gewinnen? Gegen den Jahn? Ungleicher könnten die Voraussetzungen kaum sein, Grübl beteuert: „Vom Bäcker bis zum Lageristen, wir sind ein reines Amateurteam.“ Regensburg dagegen strebt, muss eigentlich zurück in den Profifußball, der Etat beträgt 1,6 Millionen, Buchbach dagegen kalkuliert laut Grübls Stellvertreter Georg Hanslmeier mit exakt 498 900 Euro. Die SMR-Arena in der 3000 Seelen zählenden Gemeinde am Rand des Landkreises Mühldorf fasst 2500 Zuschauer, die neue Continental- Arena in Regensburg 15 224, satte 27,5 Millionen hat sie gekostet. Es ist ein Duell der Gegensätze, „das Spiel“, so BFV-Präsident Koch, „zeigt, wie vielfältig die Regionalliga ist. Für Buchbach ist diese Amateurspitzenklasse die Champions League.“

Das wird gefeiert. Heimspiel für Heimspiel. Und beeindruckt Fans wie Gegner. „Buchbach ist sensationell“, erkannte Unterhachings Trainer Claus Schromm nach dem Gastspiel im Herbst, „es ist richtig geil hier. Hut ab, was die gemeinsam schaffen.“ Timo Rost vom FC Amberg fasst Buchbach so zusammen: „Spanferkel, brutaler Zusammenhalt, eine Mannschaft, die kämpft ohne Ende. Das ist eine riesen Bereicherung für diese Liga.“ Es ist ein Fußball-Märchen, „das hoffentlich noch lange weitergeht“, so Grübl. Gemeinsam mit Trainer Anton Bobenstetter hat er den unglaublichen Aufstieg des Dorfvereins initiiert und gestaltet, in 13 Jahren aus der Kreisklasse in die Regionalliga. 75 ungeschlagene Spiele brachten den Verein ins Guinnessbuch der Rekorde und 1997 ins „Aktuelle Sportstudio“, Grübl sagt: „Auch wenn wir jetzt kurz vor dem Profitum stehen, eigentlich hat sich im Vergleich zu damals nicht viel geändert.“ Und fügt, lachend natürlich, hinzu: „Außer, dass wir mehr arbeiten dürfen.“

Er und seine Mitstreiter aber sind überzeugt, dass das der richtige Weg ist. „Wir haben keine prominenten Größen im Verein, wir bauen auf andere Dinge, auf eine starke Gemeinschaft. Anders würde es Buchbach sicherlich nicht in der Regionalliga geben.“ „Jeder hält hier zusammen, von der Putzfrau bis zum Präsidenten“, bestätigt Hannes Hain. Hain steht wie kaum ein anderer für den Buchbacher Weg, Bobenstetter hat ihn vor sechs Jahren aus der Bezirksoberliga geholt, der Trainer hat einen Blick für unterklassige Spieler, die mit Biss und Ehrgeiz auch in höheren Ligen bestehen können. „Zusammenhalten und Gas geben, das sind die Buchbacher Tugenden“, Hain hat sie verinnerlicht. Und wird so auch gegen Markus Ziereis bestehen können, top ausgebildet bei den Münchner Löwen, nun der Torjäger des SSV Jahn.

Bobenstetter - der unkündbare Trainer

Ohne Bobenstetter hätte es Hain wohl nie in die Regionalliga geschafft, Bobenstetter lebt die Buchbacher Philosophie. „Der Anton ist ein Verrückter. Und wir sind verrückt“, sagt Grübl. „Ohne Bobenstetter gibt es den TSV Buchbach nicht.“ Der Trainer ist hier unkündbar, selbst als man in der Bayernliga mal an letzter Stelle stand, hat Grübl nie an ihm gezweifelt.

„Wenn wir abgestiegen wären, wäre die Welt nicht untergegangen. Wenn wir keinen Erfolg haben, wird nicht der Trainer an den Pranger gestellt, dann hinterfragen wir uns alle, warum es nicht läuft. Vor dem Trainer müssen dann eher ein paar Spieler gehen.“ Irgendwie schaffen sie es sowieso immer wieder. Auch vor der aktuellen Saison galt Buchbach als einer der ersten Abstiegskandidaten, seit Vereine wie Jahn Regensburg, Unterhaching oder Burghausen, alle kürzlich noch in Liga drei, hier mitspielen, ist die Regionalliga noch stärker, noch viel professioneller geworden. Ob da Vereine wie Buchbach längerfristig mithalten können? Im Winter ersetzten dort schon mal Straßenläufe das Training, weil der Platz geschont werden muss, einen Kunstrasen gibt es nicht. Trotzdem holte man in den ersten fünf Spielen der Frühjahrsrunde acht Punkte, hat inzwischen einen komfortablen Abstand zu den Abstiegsplätzen. „Mia san Kult“ hat man sich auf die Trikots geschrieben.

Und beweist das immer wieder. Schon dreimal wurden zu Auswärtsspielen Sonderzüge eingesetzt, bis zu 750 Fans sind mitgereist, haben die Partie zum Heimspiel für Buchbach gemacht. Natürlich nicht ganz, das Buchbacher Flair mit Spanferkel, Bratwürsten und Pizza, mit Nachbarn, die nicht wegen Ruhestörung klagen, sondern, wie Ulrich und Sabine Lübeck, vom Garten aus sogar das Training verfolgen, lässt sich nicht in einen anderen Ort übertragen. Natürlich werden die Lübecks auch am Sonntag rüber in die Arena kommen, „wir sind fast immer dabei“, sagt Sabine. Und fiebert dem Spiel entgegen. Buchbach will dem deutschen Fernsehpublikum zeigen, was in einer kleinen Gemeinde möglich ist. „Es sollte eine rot-weiße Kulisse sein, die in der ganzen Republik für Aufsehen sorgt“, hofft Grübl. Und bestimmt wird er sich noch ein paar Überraschungen für den Spieltag ausdenken, „die besten Ideen habe ich in meiner Badewanne.“ In die will er nochmal steigen.

Dieser Text stammt von der Amateursportseite aus dem Hauptsport des Münchner Merkur. Sie erscheint jeden Mittwoch. Autor ist Reinhard Hübner, erreichbar unter komsport@t-online.de

Quelle: fussball-vorort.de

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