Über den Fußball hinaus

1:0 im Kampf gegen Krebs: Sebastian Lebek vom Gautinger SC glänzt nicht nur als Torjäger

„Es ist ein gutes Gefühl, dass ich helfen konnte“, sagt GSC-Angreifer Sebastian Lebek (l.).
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„Es ist ein gutes Gefühl, dass ich helfen konnte“, sagt GSC-Angreifer Sebastian Lebek (l.).

Stürmer Sebastian Lebek vom Gautinger SC hilft einem Leukämie-Erkrankten mit einer Stammzellenspende. Er sagt: „Es sind viele Falschinformationen im Umlauf.“

Gauting – Er kennt weder ihren Namen, noch weiß er, wie sie aussieht. Das einzige, was Sebastian Lebek erfuhr, ist ihre Herkunft: Irgendwo aus Europa kommt eine Person, die jetzt seine Stammzellen trägt. „Es ist ein gutes Gefühl, dass ich helfen konnte“, sagt der 27-jährige Gautinger. Er freut sich darüber, dass irgendein Mensch auf diesem Kontinent, der unter Leukämie leidet, durch ihn eine Chance bekommen hat, am Leben zu bleiben. Auch wenn Lebek dadurch seine sportliche Betätigung zwischenzeitlich ein wenig zurückschrauben musste.

Lebek und weitere Fußballer des Gautinger SC ließen sich registrieren

Es ist gerade einmal vier Monate her, da bekam der Fußballer des Gautinger SC von der Bayerischen Stammzellenbank in Gauting die Nachricht, dass ein Krebspatient eine große Übereinstimmung mit seinen Zellen aufweist. Bei der Behörde hatte sich Lebek vor ungefähr vier Jahren registrieren lassen, als die Ehefrau eines Gautinger Trainers einen Stammzellenspender gebraucht hatte. Viele Fußballer hatten sich damals untersuchen lassen, auch Lebeks Schwester Carolin. Sie hatte zwar nicht aktuell helfen können, dafür aber zwei Jahre später einer anderen Person.

Stammzellen bei Lebek nicht aus dem Rückenmark entnommen

Der Fall vor vier Jahren schuf in Gauting ein Bewusstsein für ein Thema, über das die Gesellschaft nicht genau genug informiert ist. „Da sind viele Falschinformationen im Umlauf, viele Leute wissen nur wenig darüber“, sagt Sebastian Lebek. „Ansonsten reagieren sie aber sehr positiv.“ Die Stammzellen werden zum Beispiel nicht zwingend aus dem Rückenmark entnommen. Nur in einem Fünftel der Fälle stammt das Material aus dem Knochenmark des Beckens.

Lebek selbst wurde wie der großen Mehrheit der Spender das Blut aus dem Arm abgezapft. Durch einen Schlauch lief es in eine Zentrifuge, in der die Stammzellen ausgefiltert wurden. Das übrige Blut wurde in den Körper zurückgeleitet. Knapp vier Stunden nahm das Prozedere in Anspruch, bei dem er von den Ärzten hervorragend betreut wurde.

Zwei Wochen vor der Entnahme wurde der Stürmer des GSC ein letztes Mal gefragt, ob er sich mit seinem Entschluss absolut sicher sei. „Danach hat man keine Option mehr“, erklärt Lebek. Denn ein gegebenes Ja lässt sich nicht mehr widerrufen, da bei der bedürftigen Person bereits ein riskanter Prozess eingeläutet wurde. Wie bei einem Computer, von dem man eine alte Software herunternimmt und eine neue aufspielt, bekommt ein Leukämie-Patient seine eigenen Stammzellen komplett gelöscht, um sie durch das Material des Spenders zu ersetzen.

Gautings Lebek: Ich will die andere Person kennenlernen

In dieser Zeit lebt der Kranke unter Quarantäne, weil sein Immunsystem faktisch nicht mehr existiert. „Für die andere Person ist es viel extremer“, sagt Lebek. Gewöhnen musste er sich nur an die Spritzen, die ihm seine Freundin fünf Tage vor dem Spendetermin zweimal täglich in den Bauch verabreichte. Sie enthielten ein Serum, das die Stammzellen im Blut anreichert. „Bis auf leichte Gliederschmerzen spürte ich aber nichts“, erzählt Lebek. Die Stammzellen werden im Knochenmark gebildet und gelangen von dort in die Blutbahn.

Als der Termin anstand, gab ihm sein Arbeitgeber wie selbstverständlich frei. „Es lief ähnlich ab wie bei einer Blutspende“, sagt Lebek. Eines ist aber anders: Auf dem Formular, das der Spender zu unterzeichnen hat, gibt es ein Feld, ob man nach einem Jahr Kontakt zum Empfänger haben will. „Ich habe das mit Ja angekreuzt“, verrät Lebek. Er würde sich freuen, die Person kennenzulernen, die mit seinen Stammzellen eine Chance erhalten hat, weiter auf dieser Welt zu leben.

hch

Quelle: Merkur.de

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