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„Ein Schleifer mit Köpfchen“ - Gedi Sugzda kehrt als neuer SCBV-Trainer „nach Hause“ zurück

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Zurück nach neun Jahren: Gediminas Sugzda gibt als Trainer wieder die Richtung beim SCBV vor.
Zurück nach neun Jahren: Gediminas Sugzda gibt als Trainer wieder die Richtung beim SCBV vor. © ArchivFoto: lackovic

Gediminas „Gedi“ Sugzda ist zurück als Trainer beim SC Baldham-Vaterstetten. Er kennt den Verein sehr gut und soll nun das Team vor dem Abstieg bewahren.

Vaterstetten – Bei entsprechender Wetterlage schwingt sich Gediminas Sugzda aufs Fahrrad und kurbelt dann und wann zu seinen bayerischen Trainer-Wurzeln zurück. Nach gut zwölf Kilometern Wegstrecke in nordöstlicher Richtung seines Wohnortes Riemerling bei Hohenbrunn kommt der 53-Jährige am Sportpark in Vaterstetten an. Dort klickte Sugzdas Fahrradschloss zuletzt am 24. Oktober des Vorjahres. Die Bezirksliga-Fußballer des SC Baldham-Vaterstetten empfingen den FC Aschheim und Sugzda verfügte kurz nach seiner Beurlaubung bei Bayernligist VfB Hallbergmoos über ungewohnt viel Tagesfreizeit an Spieltagen.

„Ich kenne das Umfeld, die Anlage, die Edelfans, die Stärken und Schwächen dieses Klubs“, sagt Sugzda, der auf und am Rande des Rasens nur „Gedi“ gerufen wird. Nach seiner aktiven Karriere als Fußballprofi in Erfurt, Jena und Vilnius hatte der gebürtige Litauer (ein Länderspieleinsatz) erste Trainer-Erfahrung in Weilheim gesammelt, ehe er 2008 die SCBV-Herren sowie die U17-Junioren übernahm. „Bei den Herren lautete damals meine Mission: Aufstieg! Gut, wir haben dann ein bisschen mehr geschafft“, schmunzelt Sugzda durchaus mit Stolz über zwei Aufstiegsfeiern in Serie und den Durchmarsch in die Bezirksoberliga (BOL). „Da muss ich mal die Fotos von der Aufstiegsfeier raussuchen. Das waren schöne Bilder, als wir am letzten Spieltag mit dem Bus in Traunstein gehalten und gemeinsam unseren Aufstieg und ihren Klassenerhalt gefeiert haben.“

Zwei BOL-Spielzeiten, einen Abstieg sowie eine durchwachsene Hinrunde später, endete Sugzdas erste Amtszeit in Bayern nach viereinhalb Jahren. Während sich Sugzda anschließend dank zweier Bayernliga-Aufstiege mit Holzkirchen und Hallbergmoos endgültig den Ruf des Meister-Machers erarbeitete, stagniert der SCBV seitdem in der Bezirksliga Ost. Immer mit Ambitionen nach oben, oft knapp dran am Aufstieg – und plötzlich geistert zum Jahreswechsel 2021/22 das Abstiegsgespenst durch den Sportpark, das nun Sugzda als Nachfolger von Stefan Bürgermeier in den ausstehenden elf Ligaspielen vertreiben soll.

„Ich kann quasi dort weitermachen, wo ich die Mannschaft damals verlassen habe“, findet Sugzda, „dass sich in Vaterstetten außer dem neuen Kunstrasenplatz eigentlich in den letzten zehn Jahren nichts verändert hat.“ Eine Einschätzung, der aus Sicht des Trainer-Rückkehrers nichts Negatives anhaftet. „Diese Strukturen am Leben zu erhalten, so viele Trainerstellen in dieser großen Jugendabteilung zu besetzen, ist heutzutage extrem schwierig. Der einzige Wermutstropfen für mich ist, dass die Jungs es nicht geschafft haben, mit einer ordentlichen Truppe in die Landesliga aufzusteigen.“

„Es ist meine Aufgabe, Talente schneller bei den Herren zu integrieren“

Gedi Sugzda

Eine große Fluktuation externer Spieler ohne stabiles Gerüst aus Eigengewächsen habe er in den vergangenen Jahren beobachtet, versucht sich Gedi Sugzda an einem Erklärungsansatz. „Vielleicht auch deshalb, weil aus der Jugend nicht mehr so viel rausgekommen ist. Da haben wir klare Nachteile im Vergleich mit Dorfen, Forstinning oder Freilassing.“ Die klaffende Lücke zwischen Landesliga-Ambitionen bei den Herren und einer U19 auf Gruppen-, sowie einer U17 auf Kreisklasse-Niveau zu schließen, wird Sugzda während seines auf 1,5 Jahre angelegten Arbeitsvertrags kaum schaffen. „Das dauert noch ein bisschen, etwa drei, vier Jahre. Aber ich kenne die Jahrgänge 2004 bis 2006 sehr gut. Da sind sehr talentierte Jungs dabei, die eine Perspektive brauchen. Es ist meine Aufgabe, Talente schneller bei den Herren zu integrieren, die ansonsten ab der C-, B-Jugend weggehen.“

Dass Sugzda die Talentförderung als Werkzeug für sportlichen Fortschritt und Selbsterhaltungszweck aus Vereinssicht gleichermaßen versteht, weiß Fabian Kreissl aus erster Hand. „Gedi hat sehr viel Ahnung, gute Autorität, kann im ersten Eindruck sehr hart wirken, einen aber auch gut motivieren“, erinnert sich der 27-jährige Spielgestalter und spielende Co-Trainer des SCBV an seine ersten Schritte im Baldhamer Herrenbereich 2012. „Ganz selten gab es Einheiten ohne Ball. Sein Training ist modern und anstrengend. Gedi ist ein Schleifer mit Köpfchen.“

Unter Sugzda war Kreissl sofort Stammkraft, da er um dessen Qualitäten seit der gemeinsamen U17-Zeit wusste. „Außer Fabi und Roman Krumpholz sind keine der vielen talentierten Jungs dieser Mannschaft mehr im Verein“, so Sugzda. „Dass sie dem Verein so lange treu geblieben sind, ist ehrenwert. Aber klar, wäre es mein Wunsch, mehr Baldhamer in der Mannschaft zu haben.“

„Ich bin nur überzeugt davon, dass sie mehr kann, als sie bisher gezeigt hat.“

Trainer Sugzda

Die Weichenstellung dafür würde Sugzda auch im Abstiegsfall gemeinsam mit dem SCBV weiter vorantreiben wollen. Allerdings verweist er explizit darauf, dass dem Tabellenletzten nur drei Zähler ans rettende Ufer fehlen. „Zu diesem Zeitpunkt verliere ich kein Wort darüber, ob die Mannschaft gut genug für die Liga ist. Ich bin nur überzeugt davon, dass sie mehr kann, als sie bisher gezeigt hat.“

Bei seinem letzten Besuch hat Sugzda keine SCBV-Tore gegen Aschheim gesehen und nicht geahnt, dass er nur wenige Wochen nach dem 0:0 dafür verantwortlich sein würde, dies zu ändern. „Es ist eine Ehre für mich, dass der Verein mich zurückholt! Ich sehe das Projekt in Vaterstetten als Herausforderung an. Die Liga ist nicht ausschlaggebend.“

Als jemand, der noch nie in seinem Leben eine Bewerbung geschrieben oder sich für einen Job angeboten habe, verfolge er keinen langfristigen Karriereplan, sagt Sugzda als hauptberuflicher Partner und Trainer der „Münchner Fußball Schule“. „Ich mache Sachen, die mir Spaß machen oder durch ihren Schwierigkeitsgrad interessant sind.“ Beides scheint beim SCBV gegeben. „Das ist wie nach Hause zu kommen. Und wenn es nicht funktioniert, werde ich absteigen und in die Kreisliga gehen. Das liegt in meiner Verantwortung.“ (Julian Betzl)

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