Simon Ollert ist inzwischen in Ingolstadts U19

Gehörloser Ex-Hachinger auf Bundesligakurs

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Vor einem Jahr spielte Simon Ollert noch im Trikot der SpVgg Unterhaching.

SpVgg Unterhaching - Als 17-Jähriger unterschrieb Simon Ollert seinen ersten Profivertrag bei der SpVgg Unterhaching. Der junge Stürmer schielt jetzt, ein Jahr später, mit einem Auge in Richtung Bundesliga. Besonders: der 18-Jährige ist gehörlos.

Vor ziemlich exakt einem Jahr hat Simon Ollert seinen ersten Profivertrag unterschrieben, in Unterhaching. 17 war er da, und der Klub spielte in der Dritten Liga. Damals sorgte er für viel Aufsehen, weil er ohne Gehör den Sprung in den Bezahlfußball geschafft hatte. „Ich bin Haching sehr dankbar für die Zeit, die ich erleben durfte“, sagt Ollert heute, mit 18. Einiges hat sich in den vergangenen Monaten getan.

Die SpVgg stieg ab, der Stürmer wechselte nach Ingolstadt und machte den Führerschein. Mittlerweile pendelt er fast täglich zwischen seiner Münchner Wohnung und Ingolstadt. Den Schritt hat er nicht bereut. Denn anders als bei Haching findet das Training nun abends statt. So kann er in München weiter zur Schule gehen und sich aufs Abitur vorbereiten. Zudem spielt der 18-Jährige mit in der U 19 Bundesliga. „Das ist viel wert. Wenn ich nächstes Jahr in die U 23 komme, habe ich gute Möglichkeiten, es nach oben zu schaffen.“

Ollert fand sich schnell zurecht, an seine Einschränkung hat sich das neue Umfeld gewöhnt. Nur sportlich ist nach einer Patellarsehnenentzündung „noch Luft nach oben“. Nach ganz oben linst er schon jetzt gelegentlich, wenn er den Profis beim Training zuschaut. „Da erkennt man, woran man arbeiten muss.“ Im Bereich Schnelligkeit etwa, oder bei der Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Besonders beeindruckt ist Ollert von Ingolstadts Mittelfeldmotor Pascal Groß. „Ein Topspieler“, sagt der Nachwuchskicker: Super Standards, und eine tolle Technik.

Gerne würde Ollert mal bei einem Spiel der Profis zuschauen. Bisher hat sich das nicht ergeben, weil er selbst oft mit seiner Mannschaft unterwegs ist, und die wenige Freizeit mit der Familie und seiner Freundin Teresa verbringt. Am heutigen Samstag könnte es sich erstmals ausgehen. Schon um 11 Uhr treten Ollert, Cheftrainer-Sohn Patrick Hasenhüttl (18) und der Rest der U 19 beim Tabellenführer TSV 1860 an. Wenn die Profis um 15.30 Uhr Hoffenheim empfangen, hat der Nachwuchs frei – und Zeit, wieder nach oben zu linsen.

Ollert kämpft für seinen Traum vom Profifußball, auch wenn er weiß, dass man in dem Geschäft vor allem Glück braucht. Die Verletzung habe ihm wieder gezeigt, wie wichtig da ein zweites Standbein ist. Sein Plan B heißt Sportpsychologie. Gedankenvorgänge und Verhaltensweisen interessieren den Jungspieler. Und weil er sein fehlendes Gehör mit den Augen ausgleicht, weil er nur Lippen liest und nie Gebärdensprache gelernt hat, sagt er: „Ich kann sehr gut beobachten. Deswegen sehe ich oft Sachen, die andere vielleicht nicht sehen.“

Noch will er sich allerdings nur im Wahlfach mit Psychologie beschäftigen – ansonsten aber an Plan A festhalten. Und in fünf Jahren? „Dann möchte ich am liebsten in der Bundesliga spielen, noch besser: beim FC Ingolstadt.“

Quelle: fussball-vorort.de

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