Aus der Bayernliga ins Futsal-Nationalteam

Das haben Rosenheim-Kicker Majdancevic und Ibrahimovic gemeinsam

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Daumen nach oben: Danijel Majdancevic darf sich Hoffnungen machen, bald Nationalspieler zu sein.

TSV 1860 Rosenheim - Noch immer ist Futsal, die von der FIFA geförderte Variante des Hallenfußballs, hierzulande umstritten. Danijel Majdancevic kann das nicht verstehen. Für ihn ist es die Chance, als Bayernligakicker zum Nationalspieler zu werden. Gemeinsam mit einem Weggefährten von Mats Hummels.

Wer den jungen Dani einst in Milbertshofen kicken sah, der ahnte, dass aus ihm mal was werden könnte. Der Junge, der aus Serbien stammt, war ein feiner Techniker, handlungsschnell und strahlte Torgefahr aus. Aber dass Danijel Majdancevic sogar mal ein deutscher Nationalspieler werden würde?

Okay, ist ja nur Futsal, hören wir nun einige lästern. Futsal, diese Variante des Hallenfußballs, ist zwar in Südamerika oder im südlichen Europa unglaublich populär, hier aber rümpfen sie die Nase. In München stößt Futsal eher auf Ablehnung, die offiziellen Hallenmeisterschaften, die seit zwei Jahren in der Futsal-Variante ausgetragen werden, finden kaum mehr Teilnehmer, man sehnt sich zurück nach größeren Toren und Bande.

Majdancevic: "Meine Freundin hat mich schon gefragt, ob ich bescheuert bin"

Majdancevic kann sich das nur so erklären, dass technisch weniger versierten Kickern beim Futsal „das Erfolgserlebnis fehlt“, die kleinen Handballtore erfordern viel Treffsicherheit und der sprungreduzierte Ball eignet sich nicht für eine krachende Bolzerei mit Bande. „Wenn man aber richtig gute Mitspieler hat, macht Futsal unglaublich viel Spaß“, beteuert Majdancevic. Soviel, dass er im Winter für den FC Deisenhofen in der Bezirksliga Futsal spielte, mit der Bayernauswahl das Sichtungsturnier in Duisburg bestritt und daraufhin von Bundestrainer Paul Schomann in den Spielerkreis berufen wurde, aus dem die erste offizielle deutsche Nationalmannschaft gebildet werden soll. Eine Winterpause gab es nicht für Majdancevic, der im Freien Bayernliga-Fußball mit 1860 Rosenheim spielt, im Gegenteil, es war Stress pur. „Meine Freundin fragte schon, ob ich denn bescheuert bin?“

Fußballverrückt ist er halt, der 27-Jährige, das Futsal-Fieber hat ihn gepackt, und stünde er vor der Entscheidung, Fußball oder Futsal, er würde das Hallenspiel vorziehen: „Leider fehlen noch die Strukturen, attraktive Ligen und in der Region gibt es kaum reine Futsal-Teams“, das ist der Grund, warum er weiter zweigleisig fährt. „Aber wenn der DFB nun die richtigen Weichen stellt, könnte Futsal auch für die großen Vereine interessant werden.“ Die Münchner Löwen haben gerade ein Team gegründet, auch bei den Bayern sieht Majdancevic Tendenzen: „Der Bruder von Rafinha und der Personal Coach von Costa sind an dem Thema dran.“

Futsal macht ihn noch stärker

In Brasilien spielen sie fast alle Futsal, große Stars wie Ronaldo oder eben auch Costa haben sich so die Technik angeeignet, für die sie später beim Fußball bewundert wurden. Auch Danijel Majdancevic hat als Kind in seiner Heimat Novi Sad eine Art Futsal gespielt, „jeden Tag gab es Turniere auf Handballtore“. Und wenn er nun nach einem langen Futsal-Winter zum Fußball zurückkehrt, fühlt er sich „nicht nur fitter, meine Leistungen auf Rasen sind auch besser.“

Nun aber droht die Sache richtig stressig zu werden. Denn Futsal könnte für ihn zum zweiten Ganzjahressport werden. Am Sonntag beginnt in Hennef der nächste DFB-Lehrgang. „Schon um 17 Uhr steht der erste Leistungstest auf dem Programm. Und der ist nicht ohne.“ Also trainiert Majdancevic neben dem Vereinstraining noch viel für sich, speziell die Dinge, die man für Futsal braucht. Denn nun will er es wissen, will unbedingt dabei sein, wenn am 30. Oktober und 1. November das deutsche Futsalnationalteam seine Länderspielpremiere feiert. Der Kader wird in Hennef auf dann 16 Spieler reduziert, die absolvieren im April den nächsten Lehrgang. „Viel Stress“, weiß Majdancevic, der mit 1860 Rosenheim am Samstag gegen Dachau 65 in die Bayernliga-Restsaison startet, „doch wenn man Spaß dabei hat, ist das alles zu stemmen.“

In Hennef trifft er wieder Timo Heinze, der einst auch für 1860 Rosenheim gespielt hat. Heinze, mit zwölf zu den Bayern gewechselt, hat schon viele Länderspiele für Deutschland bestritten, die Jugend-Nationalteams durchlaufen und schien vor einer großen Karriere zu stehen, ehe ihn Verletzungen aus der Bahn warfen. Mats Hummels, Toni Kroos und Thomas Müller waren seine Wegbegleiter. Heinze aber kam nie an. Später hat er über seine „unvollendete Karriere“ ein bemerkenswertes Buch geschrieben, nun studiert er in Köln Sportpsychologie und hat sich bei den dortigen Futsal Panthers mit Haut und Haar dem Futsal verschrieben. Bald könnte er zwölf Jahre nach seinem letzten U19-Länderspiel wieder das deutsche Nationaltrikot tragen und einen Kreis schließen. „Beim ersten Länderspiel eines deutschen Futsal-Nationalteams auf dem Platz zu stehen, wäre ein Traum. Dieser Sport ist längst eine riesige Leidenschaft von mir geworden.“

"Ibrahimovic ist ein toller Typ"

Majdancevics Weg verlief völlig anders. Lange spielte er beim TSV Milbertshofen, ehe er mit 19 von den Münchner Löwen in die zweite Mannschaft geholt wurde. „Natürlich wollte ich Profi werden“, erzählt er, blieb aber realistisch: „Ich bin immer zweigleisig gefahren, habe vor dem Wechsel zu Sechzig meine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann abgeschlossen.“ Das zahlte sich aus, die großen Träume zerstörte eine schwere Verletzung, es zog ihn nach Rosenheim, wo er einen attraktiven Job im Autohaus eines Sponsors bekam. Und mit den Rosenheimern Regionalliga spielte. In der letzten Saison trug er das Trikot des SV Heimstetten, doch die viele Fahrerei nach der Arbeit zum Training war dann sogar für ihn zu viel. Dabei tut er alles für den Fußball, „mein ganzer Urlaub geht dafür drauf“. Und nun auch noch für Futsal. 

Auch für ihn ginge ein wunderschöner Traum in Erfüllung, sollte er sich bald deutscher Nationalspieler nennen dürfen. „Ich weiß zwar, wo ich herkomme, aber ich bin hier groß geworden, habe auch die deutsche Mentalität.“ Die Chancen stehen nicht schlecht, schließlich hat Majdancevic mit dem Ball schon öfter für Furore gesorgt: Bei einem Dribbelwettbewerb von Nike, bei dem man mit dem Ball am Fuß möglichst schnell einen Parcours bewältigen musste, feierte er den Triumph im Europafinale in Paris. Zlatan Ibrahimovic, „ein toller Typ“, kümmerte sich um den Sieger. Auch wenn Majdancevic von Schwedens Superstar noch viel trennt, eines hätten sie dann gemeinsam: Sie wären beide Nationalspieler.

Die Amateurfußballseite erscheint jeden Mittwoch. Autor ist Reinhard Hübner, erreichbar unter komsport@t-online.de

Quelle: fussball-vorort.de

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