Haching: Am Abgrund auf Zickzack-Kurs

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Nebulös: Die Zukunft von SpVgg-Sportchef Copado (r.,

SpVgg Unterhaching - In Unterhaching sind wieder mal viele entscheidene Fragen offen – nicht zuletzt die nach der Zukunft von Sportdirektor Francisco Copado.

Eigentlich ist das 3:0 der SpVgg Unterhaching am Samstag gegen Hansa Rostock mal wieder eine Partie gewesen, nach der die Fans der Rot-Blauen das Stadion glücklich verlassen haben. Einige von ihnen fuhren dennoch mit gemischten Gefühlen nach Hause – wer die erste Halbzeit im VIP-Bereich verfolgt hatte, wunderte sich: Ein Mann hatte sich immer wieder deutlich vernehmbar über Mannschaft und Trainer ausgelassen, eigene Mannschaft und Trainer wohlgemerkt. Und was er so von sich gab, soll nicht gerade freundlich gewesen sein, im Gegenteil. So grübelte mancher auf dem Heimweg über die internen Verhältnisse beim Drittligisten. Der Mann, der sich so echauffiert hatte, war Francisco Copado, der an und für sich noch immer als Hachinger Sportdirektor firmiert.

Copado: In neun Monaten von so ziemlich allen im Verein isoliert

Zumindest auf dem Papier ist das so, doch ganz genau scheint man das nicht einmal mehr auf der Chefetage zu wissen. Der frühere Profi, der sich in seiner kurzen Amtszeit von rund neun Monaten so ziemlich von allen im Verein isoliert hat und nicht zuletzt wegen seiner fragwürdigen Transferpolitik in Misskredit geraten ist, wurde seit Montag nicht mehr am Sportpark gesehen. Gerüchten zufolge ist er bereits zurückgetreten, doch intern heißt es, schon allein die Sache mit dem Rücktritt sei schwierig – Copado arbeitet offiziell ehrenamtlich, er müsste deshalb gar nicht offiziell zurücktreten.

Es ist nicht das erste Mal in den letzten Monaten, dass in Unterhaching viele entscheidende Fragen auf Antworten warten. Fragen nach der Zukunft des Sportchefs sind nur ein Teilaspekt. Am nächsten Dienstag muss der Klub die ersten Entwürfe für das Lizenzierungsverfahren für die neue Saison einreichen, bisher klaffen hinter essentiellen Posten noch besorgniserregende Lücken. Ein Sponsor der Größenordnung Generali wurde bisher nicht aufgetan – der Versicherungskonzern zahlte jährlich rund 800 000 Euro –, und so ist momentan nur eines gewiss: Die SpVgg wird in der Zukunft finanziell merklich kürzer treten müssen. Der bisherige Etat von 4,5 Millionen Euro wird wohl halbiert. Das wurde auf der Jahreshauptversammlung bereits so angekündigt – wobei das bisher das einzige Versprechen zu sein scheint, das vor der Einlösung steht.

Als die Fans im Dezember im VIP-Haus mehr Transparenz einforderten, gelobte die Klubführung Besserung – grummelnd zwar und nicht ohne Vorbehalte –, allerdings ist der Informationsfluss seitdem noch mehr als früher zum Erliegen gekommen. „Es wird nur noch rumgeeiert“, heißt es inzwischen sogar intern. Dem Vorstand lag bereits vor der Jahreshauptversammlung ein schriftliches Rückzugsangebot von Copado vor, doch es kam wie so oft zum Salto Rückwärts. Nun traut keiner keinem so recht.

Dabei gibt es nach wie vor Kräfte im Verein, die fleißig dem Untergang trotzen. Die Geschäfte werden von Reinhold Betzendörfer und Walter Leidecker nach bestem Gewissen geführt, dazu will Engelbert Kupka auf der Zielgeraden seiner Amtszeit (er tritt im Sommer als Präsident zurück) nicht stolpern, sondern das Staffellholz ordentlich übergeben – an wen, steht dabei allerdings wie so vieles in den Sternen. Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht. Unklare Verhältnisse sind nicht gerade ein Lockmittel für Investoren und Impulsgeber.

Morgen müssen die Hachinger in Koblenz antreten. Über die Querelen mit Copado will Trainer Klaus Augenthaler nichts sagen, nur so viel: „Wir liefern ehrliche Arbeit ab.“ Damit meinte er sich und die Mannschaft. Und Darius Kampa meint fast philosophisch: „Die Zeit bringt die beste Lösung.“ Der Torwart steht vor seinem 100. Drittligaspiel für Unterhaching. Ein rundes Jubiläum ist normalerweise ein Grund zum Feiern. Doch die Partystimmung hält sich derzeit in Grenzen.

von Andreas Werner und Klaus Kirschner

Quelle: fussball-vorort.de

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