Vor dem Pokalkracher gegen Leipzig

Haching im Hoch: Zwischen Hansi und Felix

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Hachings Präsident Manfred Schwabl und Coach Claus Schromm.

SpVgg Unterhaching - Der Regionalligist empfängt RB Leipzig im DFB-Pokal zum „Spiel der Kontraste“ – Generelle Aufbruchstimmung statt Ärger über Anstoßzeit.

Am Sonntag ist der Fernseher bei Manfred Schwabl einfach einmal ausgeblieben. Aus purem Trotz, wie der Präsident der SpVgg Unterhaching mit einem Augenzwinkern erzählt. Normal hätte er den Riesenslalom in Sölden gerne verfolgt. Aber er ist sauer auf Felix Neureuther.

„Ich hab’ ihm gesagt, wir sind schon noch Freunde – doch jetzt hat diese Freundschaft einen kleinen Makel“, berichtet Schwabl von einem Dialog neulich mit dem Ski-Alpin-Idol. Der Grund: Neureuther hat den Hachingern als Losfee bei der zweiten Pokalrunde alles andere als Glück gebracht. RB Leipzig kommt heute in den Alpenbauer Sportpark. Undankbar. Sportlich schwierig und kein Zuschauermagnet. Da hat der Neureuther mal einen Tag ohne Daumendrücken als Strafe verdient, witzelt Schwabl.

Es sagt ziemlich viel aus, dass den Hachingern trotz allem zum Scherzen zumute ist. Eigentlich gäbe es reichlich Grund, mit dem Schicksal zu hadern, nicht nur wegen des unbequemen Gegners. Auch die Anstoßzeit ist nicht ganz nachvollziehbar. Zeitgleich wird die Partie der Bayern in Wolfsburg angepfiffen, die in der ARD live zu sehen ist. Das wird viele Zuschauer kosten, weiß Schwabl, der im Vorfeld beim DFB auf allen Kanälen protestiert hat. „Leider war da keine Chance. Jetzt hilft es nichts mehr, zu jammern“, so der Präsident, „der DFB wird seine Gründe haben, und es gibt ja auch einen großen Fixbetrag vom Fernsehen.“

Die Aufbruchstimmung bei der SpVgg überwiegt generell jeglichen Ärger. Das Duell mit dem Retortenklub sei ein „Spiel der Kontraste“, meint Schwabl mit Verweis auf das mehr als solide Wirtschaften des Regionalligisten, „es wird David gegen Goliath.“ Naturgemäß fühlt sich Haching in dieser Rollenverteilung aber durchaus wohl, und der Aufwärtstrend in den letzten Partien sorgt im ganzen Umfeld für ein positives Klima.

„Wir zeigen seit vielen Wochen, dass Haching lebt“, sagt Schwabl. Ob das nun die beiden quirligen Mittelfeldwirbler Thomas Steinherr und Luca Marseiler sind, der Routinier Josef Welzmüller, Maxi Bauer auf der rechten Außenbahn, Ulrich Taffertshofer als „6er“, Torjäger Markus Einsiedler oder der erst 16-jährige Defensiv-Allrounder Tim Schels – man kann ihnen allen zuschauen, sehr gut sogar. Es war immer der Plan, sich mit dem enorm jungen Team bis zum Winter einen Puffer zur Abstiegszone zu erarbeiten und dabei eine Entwicklung aufzuzeigen. „Wir haben schon die nächste Saison im Hinterkopf“, sagt der Präsident, der findet: Es sieht durchaus passabel aus.

Am Samstag gewannen die Hachinger 2:1 gegen Aschaffenburg, obwohl Coach Claus Schromm gepokert hatte: Er ließ vier A-Junioren auflaufen und schonte ein paar Stammkräfte für den Pokal. Wer sich so etwas erlauben kann, darf sich im Soll fühlen. Die beiden Treffer besorgte Nicolas Hinterseer, der in den Augen der Hachinger mal wieder ein Gesicht ist, das das Konzept der SpVgg gut widerspiegelt. Im Sommer war er noch weit weg von den Kollegen, in den letzten Trainingseinheiten aber zeigte sich schon: er ist nun angekommen. „Das ist wieder so ein typisches Ausrufezeichen bei uns“, meint der Präsident: „Er hatte Geduld, blieb ruhig – jetzt zahlt sich das aus.“ Zu Beginn wurde der 20-jährige Neffe des österreichischen Schlagerbarden Hansi Hinterseer belächelt, sein Spitzname: „Hansi“. Aber die Aschaffenburger werden nun bereits schon mal in Zukunft beim Namen Nicolas Hinterseer nicht mehr nur spöttisch lächeln. Sondern sicherlich etwas ehrfürchtiger die Ohren anlegen.

527 000 Euro gäbe es beim Erreichen des Achtelfinales. Geld, das man zur Beschleunigung der Entschuldung verwenden würde, sagt Schwabl. So sind sie bereits mit dem Gros der Prämie für die zweite Runde verfahren, wobei auch 50 000 Euro direkt an die Mannschaft weitergeleitet wurden. Diesmal bekämen die Spieler erneut einen Anteil. Wie viel? Schwabl grinst. „Also, sie haben sehr gut verhandelt, die Burschen.“ Böse ist er ihnen deswegen nicht: „Hab’ ich früher als Kapitän ja ganz genauso gemacht.“ Außerdem kann das Hachinger Hoch derzeit so schnell nichts kleinkriegen, irgendwo zwischen Hansi und Felix.

Quelle: fussball-vorort.de

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