Haching kurz vor der Insolvenz

+
Francisco Copado

Unterhaching - Letzte Woche ist Francisco Copado in der Kabine der SpVgg Unterhaching aufgetaucht. Ruhig Blut, hat er den Spielern gesagt, die Insolvenz-Gerüchte seien eine Ente. Man habe da einen Millionär, der würde alles regeln, so der Sportchef.

Insolvenz – so lief es letzte Woche bei Haching-Konkurrent Ahlen

Hachings Liga-Konkurrent Rot-Weiss Ahlen hat letzte Woche wegen Verbindlichkeiten in Höhe von 2,2 Millionen Euro Insolvenzantrag gestellt. Seitdem regelt ein unabhängiger Insolvenzverwalter die Dinge. Bis zum 30. November, noch drei Spieltage, ist der laufende Spielbetrieb gesichert, dann entscheidet sich, ob der Verein weiter existiert. Taucht kein Geldgeber mehr auf, ist es um den Klub geschehen. Anders als in Unterhaching gehört das Stadion dem Klub, man bot die Arena der Stadt zum Kauf an, doch die lehnte ab – man hat selbst 13 Millionen Schulden. Im Sommer hatte Ahlen die Lizenz ohne Auflagen erteilt bekommen. Die finanzielle Schieflage erklärte der Klub so, dass Sponsoren zugesagte Gelder nicht gezahlt hätten. Auch für Haching nicht uninteressant: Es gibt einen Kautionsfonds des DFB, bei dem man für laufende Kosten kurzfristig 250 000 Euro beantragen kann. Rot Weiss Ahlen bedient sich demnächst daraus.

awe

Der Münchner Merkur hatte Einsicht in eine Reihe von Dokumenten, die die Zweifel von Tag zu Tag wachsen lassen. Bereits im Sommer belief sich die Zahlungsunterdeckung auf 1,6 Millionen Euro. Es gab die Auflage, dass ein Nachweis von konkreten Sicherheiten bis zum 31. Oktober beim DFB vorliegen müsse. Die Unterdeckung wird bei heutigem Stand 2,3 Millionen betragen, heißt es in den internen Papieren, von Liquididität sei keine Spur, was „eher früher als später zum Lizenzentzug führen könne“. Es gibt zwar Verträge mit Franco Levis, die Geld versprechen, doch allein die Dokumente lassen DFB und DFL nicht als Nachweis gelten. Bis Ende dieses Monats muss Haching die Auflagen erfüllen - die Insolvenz, zirkuliert es im Umfeld, sei nur mehr eine Frage von Tagen.
Im Fokus steht ein Mann, der sich bisher nicht packen lässt. Franco Levis, ca. 50 Jahre alt, hat Ende Juli Verträge unterzeichnet, auf die sich die Hachinger nun verlassen. Unserer Zeitung liegen allerdings zahlreiche Unterlagen vor, die den Mann schwer belasten. Die Münchner Prater- insel, ein Golfplatz in Österreich, die Trabrennbahn in Daglfing - Levis und seine Investmentgruppe Depro hat so einige Geschäfte abgeklopft, reales Geld floss aber nie. Dem Münchner Amtsgericht liegt eine Klage vor, weil Levis bei einem Benefiz-Abend Vereinbarungen in Höhe von 100 000 Euro nicht geleistet hat. In Österreich prüft die Bank Austria angeblich rechtliche Mittel, ebenso Zyperns Baubehörden. In einer Mail, die uns vorliegt, schreibt ein Geschädigter einem weiteren Opfer, man sei „schockiert, mit welcher Kaltschnäuzigkeit uns Herr Levis anscheinend auf’s Kreuz gelegt hat“.

Levis, sagen seine früheren Geschäftspartner, hangle sich von dem einen Gönner zum nächsten, um möglichst einflussreiche Freunde zu gewinnen. Vor besagtem Charity-Event führten ihn seine Partner mit Karl-Heinz Wildmoser jr. zusammen. Der knüpfte den Kontakt zu Haching-Schatzmeister Anton Schrobenhauser, so begann die bisher so fragwürdige Liaison.

Das Fragezeichen im Hintergrund: Franco Levis.

Beim Drittligisten läuft gar nichts ohne das Okay von Schrobenhauser, doch der Mäzen ist seit eineinhalb Jahren mit dem Rest der Führungscrew über Kreuz. Seine Alleingänge wurden immer kompromissloser, nicht zuletzt, als er im März Schwiegersohn Copado ins Amt hievte. Ende Juli, die Verträge waren gerade unterschrieben, gab es grünes Licht für Transfers. Weil Levis im Gegenzug keine direkte Gegenleistung wollte, wurde der Deal als Schenkung deklariert. Doch die Kosten sind bisher nicht gedeckt. Levis wurde, das geht aus Schreiben hervor, zwei Mal aufgefordert, den Vereinbarungen nachzukommen. Zahlt er nicht, ist Schrobenhauser - mal wieder - die letzte Hoffnung. Doch Fragezeichen sind erlaubt, auch, weil sein Sohn, der das familiäre Bauunternehmen langsam übernimmt, dem Fußball eher weniger zugetan ist.

Das Stadion nebst Grundstück gehört der Gemeinde, am ganzen Klub hängen viele Existenzen. Und eine Insolvenz würde alle betreffen, da die Profis nie aus dem Verein ausgegliedert wurden. „Die SpVgg ist ein großer Klub und macht sehr wichtige Jugendarbeit“, sagt Bürgermeister Wolfgang Panzer, „wir helfen gern mit Zuschüssen. Was ich nicht machen kann, ist, den Profibetrieb aufrechtzuerhalten. Wenn eine Million Euro oder mehr fehlt, kann die Gemeinde mit Sicherheit nicht helfen.“ Noch liege auch kein Antrag auf Bürgschaft vor.

Andreas Werner

Quelle: fussball-vorort.de

Auch interessant

Meistgelesen

Automusik für Fußballkinder:  Rammstein oder die drei lustigen Moosacher
Automusik für Fußballkinder:  Rammstein oder die drei lustigen Moosacher
Georg Neumayr: Lange Auswärtsfahrt von Klettham nach Kiel - und zurück
Georg Neumayr: Lange Auswärtsfahrt von Klettham nach Kiel - und zurück
„Es ist wichtig, die Saison fertig zu bringen“
„Es ist wichtig, die Saison fertig zu bringen“
Konrad Rauch: Training mit Mehraufwand „besser als nix“
Konrad Rauch: Training mit Mehraufwand „besser als nix“

Kommentare