Alles oder nichts

Heimstetten: Alles hängt von einem Spiel ab

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Einen Schritt von der Regionalliga entfernt: Dominik Schmitt, ab Sommer Co-Trainer, und seine Heimstettener.

SV Heimstetten - Der SV Heimstetten hatte sich über die gesamte Spielzeit gesehen nicht eben mit Ruhm bekleckert. Rang 15 in der Bayernliga mit 38 Punkten.

Auch in der ersten Relegationsrunde um den Aufstieg in die neue Regionalliga Bayern konnte Rainer Elfingers Mannschaft nicht wirklich brillieren. Einzig Torsteher Patrick Lehner war es letztlich zu verdanken, dass die SpVgg Landshut, Meister der Landesliga Mitte, nach zwei 1:0-Heimsiegen am Ende im Elfmeterschießen bezwungen werden konnte.

Nun jedoch, nachdem das Hinspiel in der alles entscheidenden zweiten Relegationsrunde gegen Ligarivale Würzburger FV (Zwölfter der Abschlusstabelle) mit 1:0 gewonnen wurde, stehen dem SV Heimstetten alle Türen zur Regionalliga offen. Heute Abend (Mi., 18.30 Uhr) in Würzburg fällt die Entscheidung. Oft genug, vor, während und auch nach Abschluss der regulären Runde, hatte SVHManager Michael Matejka davon gesprochen, „diese historische Chance nutzen“ zu wollen. Nun hängt alles an einem Spiel. Doch was sind eigentlich die wesentlichen Unterschiede, ob man nun in der Regional- oder weiter der Bayernliga antritt? „Etwa 30 Prozent teurer“ sei die vierte Spielklasse, beziffert Matejka die Mehrkosten auf „mindestens 20 000 Euro“.

Auf der anderen Seite könnte mit „20, 25 Prozent mehr Zuschauern“ kalkuliert werden, rechnet er vor. Insbesondere die Derbys gegen die Reserve- Teams des FC Bayern sowie des TSV 1860 geben einen zusätzlichen Ansporn. Zudem habe man ohnehin in der 20er-Liga zwei Heimspiele mehr, darüber hinaus könnten „eventuell neue Sponsoren hinzugewonnen werden“, hofft der Manager. Strahle doch die vierte Liga als „höchste Amateur-Spielklasse“, wie Matejka betont, einen ganz anderen Reiz aus als die fünftklassige und enorm abgewertete Bayernliga. So spielt er etwa mit dem Gedanken, bei einem entsprechenden Angebot den Stadionnamen temporär zu verkaufen, „die beste Verkaufsstrategie“, erklärt er, seien jedoch zweifelsohne „die Zuschauer“.

Mit einem Schnitt von 298 in der abgelaufenen Saison hat Heimstetten hier reichlich Luft nach oben. Da aber der Fußballmarkt im Speckgürtel der Landeshauptstadt heiß umkämpft ist, macht es eben einen essentiellen Unterschied aus, ob man nun gemeinsam mit Lokalrivale FC Ismaning einer von nur zwei Regionalligisten aus dem Münchner Umland ist, oder in der Bayernliga einer unter vielen. „Die Ausrichtung“, betont Matejka zwar, bliebe unverändert. Egal in welcher Liga man nun antrete. Man wolle „jungen Talenten aus der Region die Chance geben, zu reifen und sich eventuell für höhere Aufgaben zu empfehlen“.

Gegen den Begriff des Ausbildungsvereins allerdings wehrt er sich. Hat doch der SVH zudem der ungewöhnlichen Situation Rechnung zu tragen, dass in der kommenden Runde auf jeden Fall Regionalliga-Fußball in Heimstetten zu sehen sein wird. Und zwar nicht der unattraktivste. Die Reserve des FC Bayern um Trainer Mehmet Scholl und ihre Star- Einkäufe Tobias Schweinsteiger und Altin Lala wird 2012/13 ihre Heimspiele im Heimstettener Sportpark austragen. Wenn dann am Tag zuvor oder danach der SVH in der Bayernliga aufläuft, dürfte sich das Interesse in überschaubarem Rahmen bewegen. Das ist auch Matejka bewusst. So unterstreicht er, selbstverständlich anzustreben, „hinter Bayern, Sechzig und Haching zusammen mit Ismaning die vierte Kraft Münchens“ zu sein. Dennoch werde man sich unter keinen

Umständen „Dinge leisten, die wir nicht stemmen können“. Im Vordergrund stehe beim SVH „immer die wirtschaftliche Unabhängigkeit und Stabilität“. So wäre auch „die Bayernliga nicht das Problem, unser Anspruch muss da aber sein, immer vorne mitzuspielen“. Im Gegensatz dazu wäre man in der Regionalliga „als Aufsteiger definitiv erstmal in der Außenseiter-Rolle“, so Matejka. Neben den bislang getätigten Verpflichtungen von drei Bezirksliga-Akteuren müssten dann „noch ein, zwei zusätzliche Spieler geholt werden, das Gerüst wäre aber das selbe wie in der Bayernliga“. Trotz der schmerzhaften Abgänge von Dominik Schmitt (wird Co-Trainer), Orhan Akkurt (zum SV Pullach) sowie Sascha Steinacher, den es zu einem Regionalligisten zieht. „Eins ist aber ganz klar“, untermauert Matejka mit Nachdruck, „wir wollen am Mittwoch unbedingt die Regionalliga erreichen“. Falls dies gelingt werde man „versuchen, uns ein Jahr zu halten, um dann abzuwägen, ob die Regionalliga auch langfristig unsere Heimat werden kann“. Andernfalls fristet der SV Heimstetten eben ein Schattendasein in der Bayernliga. Es hängt an einem Spiel.

Dieser Artikel erschien auf der Amateurfußballseite. Sie erscheint jeden Mittwoch. Autoren sind Reinhard Hübner und Matthias Horner, erreichbar unter komsport@ t-online.de. Wegen der Sommerpause erscheint die nächte Ausgabe erst wieder Anfang Juli.

Quelle: fussball-vorort.de

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