SVH-Keeper im großen Interview

Lehner: "Manchmal herrscht Volksfest-Stimmung"

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SVH-Torhüter Patrick Lehner: Mit nur 24 Gegentoren ist er einer der Besten seiner Klasse in der Regionalliga Bayern.

SV Heimstetten  - Der SVH qualifizierte sich als letztes Team für die aktuelle Regionalliga Bayern Saison, steht aber Dank einer geschlossenen Defensive und dem gefährlichsten Sturmduo der Liga im ersten Tabellendrittel. Überraschend? Laut SVH-Torhüter Patrick Lehner der verdiente Lohn.

Seit 20 Jahren hütet er nun schon sein Tor. Patrick Lehner, Torhüter des RegionalligistenSV Heimstetten, genießt seine Zeit beim SVH in vollen Zügen. Mit nur 24 Gegentoren hat Heimstetten die zweitbeste Defensive der Liga, nur die Reserve des FC Bayern München ist besser. Doch einen Liga-Rekord hält Lehner mit seinen Jungs. Erst dreimal aus 21 Spielen musste man den Platz als Verlierer verlassen, das ist Ligaspitze.

Nun sprach der gebürtige Augsburger mit Fußball Vorort über die aktuelle Saison, die Erfolgsstory der neuen Regionalliga Bayern, sein Verhältnis zu Trainer Rainer Elfinger, aber auch über die utopischen Erwartungshaltungen an Amateur-Torhüter.

1. Ihr geht als Tabellen-Siebter in die Winterpause. Habt Mannschaften wie Augsburg II, 1860 Rosenheim oder den Rivalen FC Ismaning hinter euch gelassen. Ein tolles Gefühl?

- Ja sicher, das hätte uns vorher keiner zugetraut. Gerade nachdem wir uns praktisch als letztes Team für die Liga über den Umweg der Relegation qualifiziert haben. Und wenn wir ehrlich sind, hätten wir sicher auch nicht unbedingt damit gerechnet zu diesem Zeitpunkt so gut dazustehen.

Aber natürlich ist es ein tolles Gefühl zu diesem Zeitpunkt der Saison schon so viele Punkte gesammelt zu haben. Ziel bleibt allerdings nach wie vor, so schnell wie möglich die restlichen Punkte für den sicheren Klassenerhalt zu sammeln, damit wir nicht wie in den vergangenen Jahren bis zum Ende unter hohem Druck stehen.

2. Mit 24 Gegentoren habt ihr hinter Bayern II die zweitbeste Defensive der Liga. Ist die Defensive das Prunkstück der Mannschaft?

- Nicht nur die Defensive, sondern die ganze Mannschaft arbeitet nach hinten viel mehr gegen den Ball. Das fehlte uns in den letzten Jahren immer ein wenig. Wir waren meistens ohne wirkliche Kompaktheit. Dieses Jahr arbeiten alle, angefangen bei den Stürmern, ausgesprochen gut gegen den Ball, was natürlich mit einer hohen Laufbereitschaft verbunden ist. Aber nur so ist unsere gute Bilanz und Defensive zu erklären.

3. Ihr habt erst drei Niederlagen kassiert, das ist Ligaspitze. Wie groß ist dein persönlicher Anteil an dieser Bilanz?

- In erster Linie zeichnet es uns als Mannschaft aus erst drei Niederlagen kassiert zu haben. Das zeigt auch die tolle Moral und Stimmung innerhalb der Mannschaft.

Ich versuche natürlich mein Bestes dazu bei zusteuern, was mir glaube ich in dieser Saison und auch in meiner gesamten Zeit beim SVH sehr gut gelingt.

4. Letzte Saison habt ihr das Unmöglich möglich gemacht und euch für die Regionalliga Bayern qualifiziert. Das schönste Erlebnis in deiner noch jungen Fußballkarriere?

- Naja, wenn man seit 20 Jahren Fußball spielt, ist die Karriere gar nicht mehr so jung. Aber ich denke es ist sicherlich eines der Highlights bis jetzt. Es ist immerhin die höchste Spielklasse in der ich bis jetzt aktiv gespielt habe.

Ich hatte natürlich auch schon durch meine zwei Jahre als Profi beim FC Augsburg schöne und interessante Momente, wozu natürlich auch zählt mal vor 40.000 Zuschauern, wie gegen Nürnberg, auf der Bank zu sitzen. Aber nichts desto trotz genießt man natürlich jedes Spiel in dieser Liga.

5. Die Regionalliga Bayern ist eine echte Erfolgsstory. Wie ist dein Eindruck von der neuen Regionalliga Bayern?

- Die Einführung der Regionalliga Bayern war sicherlich ein hartes Stück Arbeit aber meiner Ansicht nach, die richtige Entscheidung. Es ist zwar alles in allem von den Mannschaften her eine bessere Bayernliga aber vor allem die Profi Reserven heben das Niveau doch deutlich an.

Gerade Spiele wie gegen Bayern machen natürlich den Reiz dieser Liga aus, wenn man sieht, dass bei manchen Spielen regelrechte Volksfeststimmung herrscht.

6. Was ist deine persönliche Meinung zu den harten Auflagen, die die Vereine einzuhalten haben, speziell die „Käfige“ für die Gästefans?

- Meiner Meinung nach sind die Auflagen für diese Liga noch relativ realisierbar. Gerade, wenn man sieht, wie die meisten Vereine eher provisorisch einen einfachen Zaun für den Gäste“käfig“ aufgestellt haben. Sicher mussten jedoch auch hier erhebliche Summen ausgegeben werden, um die Vorgaben zu erfüllen.

7. Mit Marco Bläser und Andreas Neumeyer (beide 10 Treffer) verfügt ihr über das beste Sturmduo der Liga. Wie siehst du die beiden?

- Die beiden ergänzen sich einfach super. Sie sind beide komplett unterschiedliche Spielertypen. Mit seiner Größe haben wir mit Marco endlich mal eine Anspielstation, der auch hohe Bälle gekonnt verarbeiten kann. Andi passt als eine Art Strafraumstürmer perfekt dazu, da es für jede Abwehr sehr schwierig ist, sich auf die beiden einzustellen.

8. Wie ist dein Verhältnis zu eurem Trainer Rainer Elfinger?

- Der Trainer und ich haben ein ausgezeichnetes Verhältnis. Wir hatten noch nie irgendwelche Probleme oder Meinungsverschiedenheiten. Durch seine Art viel mit den Spielern zu sprechen, zeigt er oft mehr Menschlichkeit und Verständnis als viele andere Trainer in solchen Klassen, wo oft nur der sportliche Erfolg im Vordergrund steht.

9. Du bist dein Leben lang schon Torwart. Was ist deine Meinung zur heutigen Erwartungshaltung gegenüber Torhütern?

- Speziell an Torhüter hat man, in durchweg allen Fußballligen, mittlerweile utopische Erwartungen. Bereits in der A-Klasse werden heutzutage manchmal Torhüter nach einem oder zwei Fehlern ausgetauscht, ersetzt oder zum Alleinschuldligen degradiert.

Man wünscht sich von jedem Torhüter immer fehlerfreie Leistungen, was bestimmt auch jeder Torhüter zeigen möchte. Aber die Maßstäbe, mit denen heutzutage gemessen wird und die Art und Weise, wie schnell einzelne Personen kritisiert und degradiert werden, sind für mich mittlerweile einfach zu hoch.

10. Geht die öffentliche Kritik an Torhütern für dich zu weit?

- Dieser Trend setzt sich durch alle Ligen hindurch fort. Ich lasse mir manchmal noch eingehen, dass sich vor allem Bundesliga-Torhüter öfter kritisieren lassen müssen, bei den Millionen-Gehältern, die sie kassieren. Aber bei allen Ligen, insbesondere unterhalb der drei Profiligen, finde ich es eine erschreckende Entwicklung, wie immer häufiger einzelne Spieler und insbesondere Torwartkollegen an den Pranger gestellt werden.

Es handelt sich hierbei immer noch um Amateurfußball, der in erster Linie aus dem Spaß am Fußball heraus betrieben wird. Wenn ich dann aber schon in manchen Kreisklassenspielen die Reaktionen der Zuschauer sehe, wenn einem Torhüter dort ein Fehler unterläuft - der an jedem Bundesliga- und Champions League-Spieltag meist noch viel schlimmer geschieht - muss ich mich manchmal schon fragen, was die Leute und Journalisten heutzutage für Erwartungshaltungen haben und wie schnell man heute jemanden, der eigentlich nur seinem Hobby nachgeht, egal auf welchem Niveau, öffentlich an den Pranger stellt.

Interview: Timo Aumayer

Quelle: fussball-vorort.de

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