Interview

Henri Koudossou: „Man hat sich gefühlt wie ein Profi“

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Die Leidenschaft im Amateurfußball: Soeben hatte Henri Koudossou die bayerische Auswahl zum Sieg über die Türkei geschossen.

Henri Koudossou hat mit der Amateur-Auswahl  des Bayerischen Fußball-Verbands   bei der Europameisterschaft der Amateure den zweiten Platz belegt. 

PullachEs war ein kurioser Schlussakt: Im Finale des UEFA Regions’ Cup musste sich die bayerische Auswahl den durch Niederschlesien vertretenen Polen mit 2:3 (1:1) geschlagen geben. Dabei resultierten alle fünf Treffer aus Elfmetern, vier wurden direkt verwandelt, einer im Nachschuss. Doch obwohl es bei dieser inoffiziellen Amateur-Europameisterschaft am Ende nicht ganz zum Titel reichte, wird Henri Koudossou das Turnier wohl in bester Erinnerung behalten. Dafür hatte der linke Verteidiger des SV Pullach und einzige Teilnehmer aus dem Münchner Landkreis auch selbst gesorgt: Sein Kopfball in der Nachspielzeit zum 1:0 im letzten Gruppenspiel gegen die Türkei bedeutete den Einzug ins Endspiel. Im Gespräch mit dieser Zeitung blickt der 19-Jährige auf ereignisreiche Tage zurück.

Ist die Enttäuschung über die Finalniederlage schon überwunden?

Dass wir verloren haben, war nicht so cool. Aber wir können schon stolz auf das sein, was wir erreicht haben.

Das Duell mit Polen wurde durch fünf Elfmeter entschieden. So etwas dürfte Ihnen in Ihrer jungen Karriere auch noch nicht passiert sein.

Fünf Elfmeter in einem Spiel habe ich noch nie erlebt. Aber wir hatten so viele Chancen, dass wir eigentlich mehr Tore als die beiden Strafstöße hätten machen müssen. Der größte Fehler war allerdings, dass wir die unnötigen Elfmeter gegen uns bekommen haben, von denen zwei auch noch zum ungünstigsten Zeitpunkt kamen, einer kurz nach unserer Führung, einer gleich nach der Pause.

Sie wurden in den ersten beiden Spielen Mitte der zweiten Halbzeit eingewechselt, in den anderen beiden Partien haben Sie dann durchgespielt. Sind Sie ein Turniertyp?

Ich glaube, der Trainer wollte in den ersten beiden Spielen einfach taktisch etwas anders vorgehen. Ich bin in da nach meiner Einwechslung aber gut reingekommen, und ich glaube, ich habe mir die Einsätze von Anfang an dann vielleicht auch verdient.

Die Frage nach Ihrem schönsten Moment im Turnier dürfte fast überflüssig sein.

Das war natürlich mein Tor zum 1:0-Sieg gegen die Türkei, durch das wir ins Finale eingezogen sind. Eigentlich war es egal, wer es geschossen hat, Hauptsache es ist gefallen und wir sind ins Endspiel gekommen. So durften wir noch einmal drei Tage lang da bleiben. Aber es war schon ein cooler Moment. Vor allem auch, weil es in der 92. Minute war. Im Spiel selber hätten wir es uns natürlich schon früher gewünscht. Aber dann hätten wir es auch noch lange verteidigen müssen.

Beschreiben Sie doch mal die Turnieratmosphäre.

Die war schon krass. Von der Organisation her war es richtig heftig. Der mediale Aufwand war enorm. Man hat sich gefühlt wie ein Profi. Das war schon cool. Auch der Team-Zusammenhalt war unglaublich. Das kenne ich zwar aus Pullach, aber hier war es noch einen Tick stärker, weil wir ja den ganzen Tag aneinanderhingen. Das hat überhaupt nicht genervt, sondern es war immer lustig mit den Jungs.

Freuen Sie sich schon auf ein Wiedersehen in der Liga?

So viele sehe ich gar nicht wieder. Marco Luburic und David Bauer vom TSV Rain sind ja aufgestiegen. Einige spielen auch in der Bayernliga Nord. Aber auf die paar Leute aus der Bayernliga Süd freue ich mich natürlich schon, wir haben uns alle gut verstanden.

Es war ein intensives Turnier mit vier Spielen in neun Tagen. Dazu war es gerade beim Endspiel enorm heiß. Gab es für Sie noch eine kleine Verschnaufpause oder ging es nahtlos mit der Vorbereitung in Pullach weiter?

Es war wirklich sehr heiß im Endspiel, der heißeste Tag des Jahres, glaube ich. Aber am nächsten Tag war Training in Pullach und ich bin auch hingegangen. Ich war ja lang genug weg, und ich glaube, unseren Trainer Alexander Benede hätte es nicht gefreut, wenn ich da nicht gekommen wäre.

Interview: Umberto Savignano

Quelle: Merkur.de

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