Interview mit Hachings Durchstarter Vitzthum und Schwabl

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Das Landkreis-Duo am Arbeitsplatz: Michael Vitzthum (l.) und Markus Schwabl im Hachinger Sportpark.

Holzkirchen/Warngau – Markus Schwabl (21) aus Holzkirchen und Michael Vitzthum (19) aus Warngau: Zwei junge Fußball-Profis aus dem Landkreis, die bei der Spielvereinigung Unterhaching richtig durchstarten.

von Markus Eham und Christoph Fetzer

Vor dem Rückrundenstart in der 3. Liga haben Markus Eham und Christoph Fetzer die beiden in der Unterhachinger Vereinsgaststätte „Bei Gino“ zum Interview getroffen. Schwabl und Vitzthum haben am Vormittag trainiert, am Nachmittag steht noch einmal eine Einheit an.

-Ist die Spielvereinigung Unterhaching für Euch momentan der optimale Verein?

Vitzthum: Für mich ist es perfekt. Ich kann in meinem ersten Jahr bei den Herren gleich in der Nähe von zu Hause in der 3. Liga spielen. Ich bin gerne bei meiner Familie und finde es komisch, wenn ich abends vom Training heimkomme, und es ist keiner zu Hause. So lange ich in Unterhaching spiele, werde ich auch daheim wohnen.

Schwabl: Für Spieler wie uns sind das hier allgemein gute Bedingungen. Der Verein muss auf junge Spieler setzen und hat dazu mit Heiko Herrlich den perfekten Trainer geholt. Dazu kommt, dass ich ziemlich heimatverbunden bin. Deswegen ist Unterhaching auch für mich optimal.

-Ihr wohnt noch zu Hause in Holzkirchen und Warngau. Da bietet sich doch eine Fahrgemeinschaft an.

Vitzthum und Schwabl: Wir fahren zusammen ins Training, klar.

Schwabl und Vitzthum verstehen sich gut, scherzen immer wieder und ziehen sich gegenseitig auf. Schwabl hat für seinen Spezl den Spitznamen „Bertl“ erfunden. Mittlerweile wird der 19-Jährige auch von vielen anderen Mannschaftskollegen so genannt.

-Bildet Ihr im Training die Landkreis-Miesbach-Fraktion?

Schwabl: Nicht unbedingt. Wir verstehen uns alle ziemlich gut, auch außerhalb des Platzes. Aber wir sagen schon immer, dass wir aus dem Paradies kommen. Ein paar Mannschaftskollegen haben wir die Berge auch schon gezeigt, das musste einfach sein.

Schwabl und Vitzthum haben allen Grund zur Lockerheit. Die Spielvereinigung Unterhaching, für viele Experten vor der Saison Abstiegskandidat Nummer eins, steht mit 28 Punkten als Tabellenelfter im gesicherten Mittelfeld und hat sogar Kontakt zum Relegationsplatz.

-Sportlich läuft es rund. Was entgegnet Ihr den Kritikern, die Euch nichts zugetraut haben?

Schwabl: Wir haben bewiesen, dass man auch mit einer jungen Mannschaft bestehen kann. Jeder ist hungrig, will Erfolg und gibt alles. Wir sind gut aufgestellt. Aber wir haben auch alle noch im Hinterkopf, wie es am Anfang der Saison war. Viele Spieler sind vorher überhaupt nicht zum Einsatz gekommen und haben jetzt den Spaß am Fußball wiedergefunden.

Vitzthum: Das Beste ist, wir spielen unsere Spiele und holen so schnell wie möglich 45 Punkte, dass wir nach hinten gesichert sind. Alles, was danach kommt, nehmen wir gerne mit.

-Habt Ihr vor der Saison Angst gehabt, Kanonenfutter zu werden?

Vitzthum: Natürlich war eine gewisse Unsicherheit da. Aber wir haben die ersten sechs Spiele nicht verloren, das war wichtig. Da haben wir gesehen, dass wir mithalten können.

-Welchen Anteil am sportlichen Erfolg hat Trainer Heiko Herrlich?

Schwabl: Für Unterhaching ist er in dieser Konstellation der optimale Trainer. Er hat ein Händchen für junge Spieler und weiß, wie er sie anpacken muss. Deswegen hat er auch Erfolg.

Vitzthum: Er ist im Training sehr genau und versucht immer, alles zu perfektionieren.

Herrlich hatte vor der Saison Klaus Augenthaler abgelöst. Michael Vitzthum kam mit dem früheren FC-Bayern-Libero und Weltmeister von 1990 gut zurecht, schaffte unter „Auge“ den Durchbruch. Für Markus Schwabl lief es dagegen gar nicht, er fand sich zwischenzeitlich in der Bayernligamannschaft wieder.

-Was ist der Unterschied zum Vorgänger Klaus Augenthaler?

Vitzthum: Er hat mich hochgeholt und mich dann spielen lassen. Ich bin mit ihm auch super klargekommen. Aber der Fußball ist komplett verschieden. Heiko Herrlich gibt uns jungen Spielern einen klaren Plan, was wir machen sollen. Im letzten Jahr hatten wir mehrere erfahrene Spieler, von denen Augenthaler mehr gefordert hat.

Schwabl: Die Zeit hat mich geprägt. Ich habe auf jeden Fall etwas Positives mitgenommen. So schnell kann mich jetzt nichts mehr umhauen. Ich schaue nur noch nach vorne.

Markus Schwabl trägt bereits seit 2001 das Trikot der Spielvereinigung. Der Sohn von Ex-Bundesligaprofi Manfred Schwabl kam vom TuS Holzkirchen zu den Münchner Vorstädtern. Nach seinem Profidebüt 2009 gelang ihm in dieser Saison der Durchbruch. Michael Vitzthum fand über den SV Warngau und die Jugend des FC Bayern den Weg nach Unterhaching. Sein Stern ging vergangene Saison so richtig auf. Nach seinem Wechsel in der Winterpause schaffte er prompt den Sprung in den Profikader. Sein größter Moment: Im Toto-Pokalentscheidungsspiel gegen Burghausen gelang ihm der Siegtreffer, der die Qualifikation zum DFB-Pokal bedeutete.

-Auf welcher Position spielt Ihr am liebsten?

Vitzthum: Am Wichtigsten ist es, zu spielen und Spielpraxis zu bekommen. Aber am liebsten spiele ich links hinten. Da kann man sich gut zeigen und auch viel nach vorne machen.

Schwabl: Auf der Position, auf der ich momentan spiele: rechts hinten.

-Ihr seid beide Stammspieler und steht noch am Anfang Eurer Karriere. Muss das Ziel nicht irgendwann Bundesliga heißen?

Schwabl: Ganz klar, das muss das Ziel sein.

Vitzthum: Klar, das ist der Traum eines jeden Spielers. Ich möchte auf jeden Fall einmal höher spielen. Die 3. Liga ist gut, aber ich kann mir auch nicht vorstellen noch fünf Jahre in der 3. Liga zu spielen.

-Habt Ihr Euch eigentlich gekannt, bevor Ihr in Unterhaching zusammengespielt habt?

Vitzthum: Nur vom Namen, aber nicht persönlich. Und gegeneinander gespielt haben wir wahrscheinlich auch.

Schwabl: Ich glaube, ich habe gegen Warngau nie verloren.

Vitzthum: Das kann nicht sein. Weil ich gegen Holzkirchen nie verloren habe.

Schwabl: Ich weiß noch ganz genau: In der E-Jugend haben wir den Pokal bei Euch geholt. Da müssen wir gegen Euch gewonnen haben.

Beide lachen, diese Diskussion haben sie wohl schon einmal geführt. Viel wichtiger als die Erfolge in der E-Jugend ist ihnen aber, dass es in der Rückrunde – die für heute angesetzte Auftaktpartie wurde abgesagt – mit der Spielvereinigung Unterhaching gut läuft. Und wenn Markus Schwabl und Michael Vitzthum die Partien so locker angehen wie beim Interview, kann eigentlich nicht viel schief gehen.

Quelle: fussball-vorort.de

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