„Mit dem Abstieg befasse ich mich nicht“

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Robert Bäumel leitet seit dieser Saison als Manager die Geschicke beim Fußball-Bayernligisten SV Pullach.

Interview mit dem Manager des SV Pullach, Robert Bäumel:  „Mit dem Abstieg befasse ich mich nicht“

PullachDieser Schritt bedeutete zweifellos eine Zäsur für den Bayernligisten SV Pullach: Mit Abschluss der vergangenen Saison verabschiedete sich Theo Liedl, der rund ein Vierteljahrhundert lang als Spieler, Spielertrainer, Trainer und zuletzt in besonders tragender Rolle als Manager am Aufschwung des Vereins beteiligt war, in den Fußball-Ruhestand. Seinem Nachfolger Robert Bäumel (51) hinterließ der scheidende Macher naturgemäß große Fußstapfen. Doch der Angestellte der Stadtsparkasse und Vater von zwei erwachsenen Kindern (eine Tochter, ein Sohn) hatte ausreichend Zeit, in die Rolle des SVP-Managers hineinzuwachsen, wie er im Gespräch mit dem Münchner Merkur verrät.

War es schwer aus dem langem Schatten einer so zentralen Figur wie Theo Liedl zu treten?

Natürlich war es eine Umstellung, auch für mich persönlich. Aber es war nicht so schwer, weil ich vorher schon ziemlich nah an der Mannschaft dran war. Da hatte ich schon die Verbindung und habe im Grunde gewusst, was läuft.

Sie standen Theo Liedl schon seit längerem zur Seite. Wann hat sich herauskristallisiert, dass Sie ihn ablösen?

Ich habe vor gut drei Jahren angefangen, Theo zu unterstützen, ich war zum Beispiel auf den Bayernliga-Tagungen vertreten. Das geschah schon mit Blick auf die spätere Nachfolge. Theo hatte ja schon zwei Jahre lang mit dem Aufhören geliebäugelt und es dann wieder verschoben. Vor ziemlich genau einem Jahr, kurz vor Weihnachten, haben wir uns dann für den Wechsel nach der Saison 2018/19 entschieden.

Theo Liedl vermittelte oft den Eindruck, dass er lieber selbst etwas in die Hand nimmt als zu delegieren. Haben Sie einen eigenen Stil?

Ich muss einen eigenen Stil finden, vor allem auch mein eigenes Zeitmanagement. Theo konnte sich das anders einteilen, er war selbstständig, ich bin im normalen Angestelltenverhältnis. Es ist klar, dass ich mehr delegieren, die Verantwortung und Arbeit auf mehrere Schultern verteilen muss. Das geht auch nicht an der Mannschaft spurlos vorbei. Aber die zieht da toll mit, allen voran Spielertrainer Alexander Benede und Kapitän Michael Hutterer.

Tauschen Sie sich mit Theo Liedl manchmal noch aus?

Ja, klar. Wir sind in regelmäßigem Kontakt. Hin und wieder gibt es auch einen Ratschlag, und da bin ich auch sehr dankbar dafür. Denn er war so lange dabei und es ist immer gut, mal einen Rat zu hören, den man vielleicht gerade nicht so auf dem Teller hat.

Wie kam es überhaupt zur Ihrer Verbindung mit dem SV Pullach? Sind Sie ein Vereins-Urgestein?

Nein, ich bin eigentlich ein Urgestein des TSV Solln. Theo habe ich kennengelernt, als er dort gespielt hat. Das ist jetzt ungefähr 30 Jahre her. Wir sind in Verbindung geblieben und so kam ich als klassischer Zuschauer an der Bande zum SV Pullach, der ja dann mit dem Aufstieg in die Landesliga und Bayernliga tolle Erfolge gefeiert hat. Das hat viel Spaß gemacht und dann hat es sich eben weiterentwickelt.

Haben Sie selbst Fußball gespielt?

Bis zur A-Jugend war ich in Solln, aber dann habe ich mit der Ausbildung angefangen und mit der BSG Sparkasse in der Firmen- und Behördenrunde gespielt.

War es schwer, nach Liedls Abschied Spieler und Sponsoren bei der Stange zu halten?

Das war nicht so schwer, auch weil Theo mitgeholfen hat. Er hat mich bei den Sponsoren vorgestellt. Den Vorstand unseres Hauptsponsor kenne ich ohnehin. Und bei den Spielern gab es zwar einige Abgänge, aber das lag nicht an Theos Abschied, sondern an sportlichen Ambitionen, wie bei Daniel Leugner, der zu Pipinsried ging, oder am Wohnortwechsel, wie bei Lukas Dotzler, der mit seiner Freundin (Fußball-Nationalspielerin Sara Däbritz; die Red./wir berichteten) nach Paris gezogen ist.

Der SVP steht auf einem Abstiegsrelegationsplatz. Wie sehen Sie die sportliche Situation?

Mit dem bisherigen Verlauf und dem Ist-Zustand sind wir alle nicht zufrieden, aber die Gründe sind klar. Erstens: ein kräftiger Umbruch. Zweitens: der Trainerwechsel. Alex Benede hat seinen eigenen Stil, und die Umstellung darauf hat eine Zeit gedauert, vielleicht etwas zu lang. Der dritte Punkt ist, dass wir vom Start weg einige Langzeitverletzte hatten. Aber gegen Ende des Jahres sind wir wieder in die Spur gekommen, das letzte Spiel in Regensburg (2:7; die Red.) nehme ich mal aus, auch, weil da vier Leute aus dem Zweitligakader mitgespielt haben.

Wird sich in der Winterpause im Kader etwas tun?

Stand jetzt gibt es keine Veränderungen. Wir haben ja einen 23-Mann-Kader, sind in der Breite gut aufgestellt. Und wir hoffen, dass Martin Bauer zur Vorbereitung zurückkehrt (der Routinier erlitt im Juni einen Kreuzbandriss; dieRed.).

Trotz einer zwischenzeitlichen Serie von zwölf sieglosen Spielen, darunter acht Niederlagen am Stück, schien Alexander Benede immer fest im Sattel zu sitzen. Würden Sie notfalls mit ihm auch in die Landesliga gehen?

Wir haben mit ihm zunächst zwei Jahre bis zum Ende der Saison 2020/2021 geplant. Von der Vereinsseite her ist das unabhängig von der Liga. Alex leistet eine sehr akribische Arbeit und kommt in der Mannschaft gut an.

Was würde ein Abstieg für den SVP bedeuten? Man kennt ja Beispiele von Teams, die in dann einen Abwärtsstrudel geraten.

Damit befasse ich mich im Moment überhaupt nicht. Wir haben vier Punkte Rückstand auf einen sicheren Nichtabstiegsplatz und noch zwölf Partien. Wir haben ja schon gesehen, wie schnell man bei einem Lauf von fünf Spielen nach oben kommt. Wir setzen auf eine gute Vorbereitung und dann haben wir zum Start ins Frühjahr gegen Landsberg gleich das erste Sechs-Punkte-Spiel.

Wie ist Ihre langfristige Zielsetzung? Wo sehen Sie den SV Pullach in fünf Jahren?

Nach wie vor in der Bayernliga. Da wollen wir bleiben. Weiter nach oben geht es nicht, weil sich an den Strukturen nichts Grundsätzliches ändern wird.

Sie rechnen also auf absehbare Zeit nicht mit einer neuen Sportanlage, die sich der Verein für die Möglichkeit von Regionalligafußball (ist an der Gistlstraße wegen der Verbandsauflagen nicht möglich) aber vor allem auch für die Nachwuchskicker wünschen würde?

Das ist im Moment kein Thema. Die Gemeinde will vielleicht an den Trainingsplätzen bei der S-Bahn etwas unternehmen, ein Kleinfeld anlegen. Aber das ist nichts, was die erste Mannschaft tangiert.

Das Gespräch führte
Umberto Savignano.

Quelle: Merkur.de

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