Probleme bei Überführung nach Spanien

Erste Hürden auf dem Festland: Irrsinnige Bürokratie behindert künftigen Atlantik-Überquerer Micki Liebl

Probleme bei der Überführung nach Spanien hatte Micki Liebl vom Münchner Yacht-Club, der in drei Jahren an der Mini-Transat teilnehmen will.
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Probleme bei der Überführung nach Spanien hatte Micki Liebl vom Münchner Yacht-Club, der in drei Jahren an der Mini-Transat teilnehmen will.

Für Micki Liebl, der den Atlantik im Rahmen der Mini-Transat überqueren möchte, beginnt das Abenteuer schon auf dem Festland. Stichwort: irrsinnige Bürokratie.

Starnberg – Über 30 Stunden hat Micki Liebl benötigt, um sein Boot vom Starnberger See nach Barcelona zu schaffen. Viel mehr Zeit als für die Fahrt hatte der Segler des Münchner Yacht-Clubs in die Vorbereitung der Reise investiert. „Ich habe ein paar Monate reingesteckt, um den ganzen Papierkram zu bewältigen“, sagte der Skipper, der sich an der Costa Brava auf die erste Qualifikation zur Mini-Transat vorbereiten will. Dabei hatte das Coronavirus Spanien da noch gar nicht erreicht.

Als sich Liebl im vergangenen Jahr in Barcelona eine Jacht gekauft hatte, gingen die Probleme erst richtig los für den Selbstständigen. Das stolze Schiff sollte erst nach Deutschland und dann wieder zurück transportiert werden. Nur ist es im vereinten Europa so eine Sache, ein Boot mit 6,50 Meter Länge und drei Meter Breite über die Straßen zu kutschieren.

Genehmigungen für das Boot verursachen erste Kosten

Liebl beauftragte eine Agentur in Belgien, die sich um die entsprechenden Sondergenehmigungen kümmerte. Eine Erlaubnis für drei Jahre ließen sich die französischen Behörden mit 600 Euro bezahlen, die deutschen machten es dagegen etwas billiger und verlangten für denselben Zeitraum 150 Euro weniger. Der Weg durch die Schweiz, der Liebl einige Kilometer erspart hätte, kam überhaupt nicht infrage. „Da ist alles noch komplizierter“, stöhnte der künftige Atlantik-Überquerer, der sein erstes großes Abenteuer auf den Autobahnen des Kontinents erlebte. Von Spanien ganz zu schweigen. Die Iberer verlangten das Original von Liebls Fahrzeugschein, um die von ihm benötigte Lizenz auszustellen.

Anhänger aus England bekommt in Deutschland keine Zulassung

Den ersten Vorgeschmack auf seine Hindernistour hatte der Steuermann bereits bekommen, als er sich im vergangenen Jahr einen gebrauchten englischen Trailer gekauft hatte. Liebl dachte sich nichts dabei, schließlich waren die Briten noch in der EU und der Warenverkehr innerhalb der Staatengemeinschaft vollkommen unkompliziert möglich. Doch weit gefehlt. „Englische Trailer kann man in Deutschland nicht zulassen.“ Das stellte Liebl erst fest, nachdem er 2000 Euro für das gute Stück ausgegeben hatte.

In Großbritannien müssen Anhänger nicht extra zugelassen werden. Man bringt einfach das Nummernschild des Autos oder eine Kopie davon hinten an. Jeder Brite kann mit einem im Vereinigten Königreich zugelassen Gespann völlig legal den Kontinent bereisen. Liebl hätte sich also noch ein englisches Auto kaufen und es in Großbritannien registrieren lassen müssen, um Versicherungsschutz zu genießen.

Liebl: „Hätte nicht mit so vielen Hürden gerechnet“

„Ich hätte vor dem Kauf nicht damit gerechnet, vor so vielen Hürden zu stehen“, gibt Liebl zu. Er hatte ein Boot aus Spanien und einen Trailer aus England, aber keine Chance, beide auf legalem Weg nach Deutschland zu bringen. Also kaufte sich Liebl einen neuen deutschen Trailer, weshalb noch einmal 3500 Euro fällig wurden.

Allerdings sind damit noch nicht alle Probleme gelöst. In zwei Jahren muss Liebl den Hänger extra zum TÜV nach Deutschland bringen, um die Betriebserlaubnis zu erneuern. Sonst wird es wirklich kompliziert, wenn er in drei Jahren seinen Törn von Frankreich bis in die Karibik starten will.

hch

Quelle: Merkur.de

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