TRIATHLON DER BESONDEREN ART

Isarwinkler Trio treibt es auf die Spitze

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Uns war klar, dass das Projekt Zugspitze nicht auf einer Arschbacke zum Dareiten ist.“ Maxi Kirmeier, Initiator des Triathlons der besonderen ArtKurze Verschnaufpause am goldenen Gipfelkreuz der Zugspitze auf 2962 Metern (v. li.): Michael Scheumeier, Maxi Kirmeier und Markus Hörmann.

Triathlon ist ihre Passion, doch einen solchen hatten Markus Hörmann, Michi Scheumeier und Maxi Kirmeier noch nie bestritten: Radeln, laufend und kraxelnd bezwangen sie die Zugspitze.

Bad Tölz – Was tut ein erfolgshungriger, trainingsbesessener Triathlet nicht alles, um etwas Farbe in die wettkampf- und trostlose Corona-Zeit zu bringen? Der deutsche Olympiasieger und dreifache Weltmeister Jan Frodeno beispielsweise bezwang Mitte April die auferlegte Isolation mit einem „Ironman dahoam“. Der Tölzer Profi-Triathlet Markus Hörmann (30) indes schnappte sich vor ein paar Tagen seine zwei (Trainings)-Spezln Michi Scheumeier (28, Lenggries) und Maxi Kirmeier (31, Bad Tölz) – beide ambitionierte Amateur-Triathleten beim WSV Bad Tölz – zu einem Triathlon der besonderen Art: Zusammen radelte das Isarwinkler Trio von Bad Tölz nach Garmisch-Partenkirchen, lief vom Skistadion durchs Reintal und kraxelte schließlich via Knorrhütte auf die Zugspitze, Deutschlands höchsten Berg.

Servus Markus, Tölz-Zugspitze und retour, das ist ja eine stolze Strecke. Wie schwer ist der Muskelkater nach so einer Ochsentour?

Markus Hörmann: Der hält sich in Grenzen, die Oberschenkel sind halt ein bissl schwer. Der Sonnenbrand ist schmerzhafter. Wir waren schließlich fast 13 Stunden unterwegs. 120 Kilometer auf dem Radl und 45 Kilometer zu Fuß, dabei haben wir knapp 2500 Höhenmeter gesammelt – das zieht sich ganz schön.

Maxi, Du warst der Ideengeber. Wie kommt man auf so einen „Schmarrn“?

Maxi Kirmeier (lacht): Ja,Schmarrn fällt mir grad genug ein! Derartige Bike-and-Hike-Geschichten mache ich gerne. Ich war noch nie auf der Zugspitze, drum hat sich das angeboten. Das lässt sich von der Distanz gerade noch so einigermaßen derglangen. Die Idee spukt mir schon seit fünf Jahren im Kopf rum. Und da habe ich mir gedacht, dass man das Projekt im ersten Halbjahr, quasi als Ersatz für die Wettkämpfe, mal angehen könnte.

Fels und Eis sind nicht gerade das klassische Terrain für einen Triathleten...

Michael Scheumeier: Das stimmt, aber ich komme vom Skifahren, bin für den Skiclub Bad Tölz bis zur Jugend Rennen gefahren. Da haben wir das Laufen im Gelände beim Sommertraining oft praktiziert, auch wenn mich das früher nicht so richtig begeistert hat. Außerdem bin ich auch Mitglied beim LC Tölzer Land, und so hat sich die Liebe zum Berglauf in den vergangenen Jahren immer mehr verfestigt.

Markus: Als ein Wettkampf nach dem anderen abgesagt wurde, hat uns Maxi zum Traillaufen gebracht. Im April haben wir die Runde Herzogstand-Heimgarten gemacht. Da habe ich gemerkt, dass mir das voll taugt. Von da an sind wir jedes Wochenende ausgerückt, und die Touren sind immer länger geworden. Oben in der Schuttreißen nach der Knorrhütte kann man ohnehin nicht mehr laufen. Da sind wir auf allen Vieren raufgekraxelt.
Maxi:
Ich bin bei Rosenheim aufgewachsen. Da gibt es jedes Jahr zig Bergläufe auf verschiedene Almen. Auch im Frühjahr haben wir immer wieder gemeinsame Bergläufe und Touren gemacht, die immer länger und anspruchsvoller geworden sind. Somit hat schon ein gewisser Plan dahintergesteckt, weil uns allen drei klar war, dass so etwas nicht auf einer Arschbacke zum Dareiten ist. Aber diese sechseinhalb Stunden rauf zur Zugspitze waren mit Abstand das längste.

Auch wenn’s kein klassischer Wettkampf gegen Konkurrenten oder die Uhr war, so gab’s in den 13 Stunden bestimmt den einen oder anderen Tiefpunkt...

Markus: Auf dem Gipfel selbst war es gruselig überlaufen. Vor uns hat ein Bergführer elf Mann im Schlepptau hochgezerrt, da habe ich mir gedacht: Auweh, die täten sich schon am Blomberg schwer.

Körperlich habe ich beim Zurückradeln einen sauberen Hänger gehabt. Da habe ich es mit einem Energy Drink versucht, aber so richtig Flügel hat der auch nicht verliehen. Nach so einer langen Zeit auf den Haxen gehen einem irgendwann die Körner aus.
Maxi: Klar geht’s mal ein bissl zaacher, aber so schlimm war’s nicht. Wir haben uns als Gruppe gut aufeinander eingestellt. Das hat so gut gepasst, dass der große Tiefpunkt ausgeblieben ist. Wir haben das ja auch nicht als Rennen durchgezogen, sondern mehr als ein schnelles Abenteuer gesehen.
Michi: Beim Rauflaufen war’s zwischen Kilometer 15 und 20 echt zaach. Da habe ich gedacht: Puh, wenn das nicht besser wird, müssen sie mich raufschieben.

Wie hast Du Dich denn motiviert, um aus dem Loch wieder rauszukommen?

Michi: Ich habe die Strecke im Kopf gehabt und daher gewusst, wo es wieder ein bissl flacher wird. Ich bin an den anderen beiden drangeblieben. Außerdem bin ich ein paar Kilo leichter als die beiden (lacht), gerade auf der Schuttreißen bei der Knorrhütte hatte ich da einen kleinen Vorteil.

Vermutlich überwiegen die positiven Eindrücke der Tour?

Maxi: Es war vom ersten Meter weg ein grandioser Tag, an dem wir alle drei eine Top-Leistung gebracht haben. Ein rundum perfekter Tag.
Michi: Genau, das Losradeln war richtig geil. Famos war auch der Moment kurz unter dem Gipfel. Da haben wir gewusst: Jetzt ist es geschafft! Oben habe ich auch meine Freundin getroffen, die separat raufgewandert ist.

Was nimmt man denn aus einem solchen Projekt an Emotionen und Erkenntnissen mit?

Maxi: Viele Kopfbilder, viel positive Energie, gute Vibrations und natürlich viel Dankbarkeit, dass man so etwas Tolles mit guten Freunden erleben durfte.
Markus: Erst wollten wir schauen, ob so ein ambitioniertes Projekt möglich ist. Generell hat mir das Berglaufen eine gewisse Leichtigkeit zurückgegeben, Ich bin ja Profi und lebe vom Sport und von den Erfolgen im Wettkampf. Aber die Bewegung in der Natur nehme ich nun viel intensiver wahr. Man kriegt halt einen anderen Blickwinkel auf die Natur und die Umgebung. Im Wettkampf kann ich es mir natürlich nie erlauben, auch nur eine Sekunde stehen zu bleiben und das Panorama zu betrachten. Bei einem unserer Trainingsläufe sind wir auf die Benediktenwand rauf. Plötzlich standen drei Steinböcke vor uns.
Michi: Eigentlich hatte ich für diesen Sommer meine erste Langdistanz geplant, den Ironman in Roth. Der ist allerdings abgesagt. Aber jetzt weiß ich, dass ich mir vor so etwas keinen Kopf mehr zu machen brauch’ – das schaffe ich ohne Druck. Ich bin mental lockerer.

Was sind denn Eure nächsten Projekte, die heuer noch anstehen?

Maxi: Ich schaue von Woche zu Woche, wie sich diese Corona-Geschichte entwickelt. Aber ich bin zu sehr Wettkampftyp, um dieses Jahr ganz ohne Wettkämpfe verstreichen zu lassen. So wie es derzeit ausschaut, wird der Austria Triathlon in Podersdorf stattfinden; dort werde ich die Langdistanz angehen. Eigentlich wollte ich im September meine Elbaman-Titel der vergangenen beiden Jahre verteidigen, aber der ist abgesagt worden.
Michi: Podersdorf schaut gut her: Am Sonntag habe ich für die Mitteldistanz gemeldet.
Markus: So wie es ausschaut, sind die Österreicher schneller mit der Rückkehr zur Normalität und zu den Wettkämpfen. Stand heute, plane ich am 5. September meine Rückkehr in den Wettkampf: In Podersdorf auf der Mitteldistanz. Am 20. September möchte ich beim Ironman in Klagenfurt starten. Drum steige ich in dieser Woche wieder in mein planmäßiges Langdistanztraining ein. Abgesehen vom Elbaman gäbe es auf Elba ein weiteres lohnendes Projekt: Die Durchquerung der Insel von West nach Ost auf einem 60 Kilometer langen Wanderweg – natürlich im Laufschritt und an einem Tag. Ich habe keine Sorgen, denn irgendwie fällt uns immer ein passender Schmarrn ein.

Quelle: Merkur.de

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