Weil sie ein Spiel zu viel ausgetragen haben, müssten die Heidler bei Saisonabbruch absteigen

Grüne Heide verärgert über ungerechte Quotienten-Regel

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Vier Zehntel zu wenig: Heide-Coach Thomas Bachinger müsste mit seinem Team runter in die Kreisklasse.

Der SC Grüne Heide hat bereits Kontakt zu anderen Vereinen aufgenommen haben, die sich im Falle eines vorzeitigen Saisonendes ebenfalls benachteiligt fühlen würden. „Wir sind da im Austausch, und das nicht nur im Kreis München.“ Sollte es tatsächlich zu einem Abbruch samt Wertung der laufenden Spielzeit kommen, sagt der Teammanager des SC Grüne Heide, „dann würden wir alles versuchen, damit es eine gerechtere Lösung gibt“.

Fischerhäuser/Lohhof – Am 25. Oktober sind die Fußballer des SC Grüne Heide Ismaning zum Auswärtsspiel beim SV Waldperlach gefahren, dem Tabellenführer der Kreisliga 3. Im Vorfeld hatte das Team aus Fischerhäuser noch überlegt, ob es wirklich antreten solle – schließlich lag die Corona-Inzidenz seinerzeit bei über 100. „Aber die Jungs haben damals beschlossen, dass sie spielen wollen“, erzählt Teammanager Philipp Walter. In einer packenden Partie lagen die abstiegsbedrohten Gäste zunächst 2:1 vorne, ehe sie am Ende mit 2:3 den Kürzeren zogen – „unglücklich“, resümiert Walter.

Ausgerechnet jenes Spiel beim Spitzenreiter könnte dem SC Grüne Heide nun zum Verhängnis werden. Denn sollte die laufende Saison aufgrund der Corona-Pandemie abgebrochen werden, dann müsste das Team in die Kreisklasse absteigen – just wegen dieser Partie. Zur Erklärung: Schon im vergangenen August hat der Bayerische Fußball-Verband (BFV) einen Paragraphen in seiner Spielordnung verankert, der als wahres Wortungetüm daherkommt. In der „Sonderregelung bei notwendigem Abbruch des Spieljahres aufgrund staatlicher oder kommunaler Verfügungslage oder höherer Gewalt“ wird geregelt, in welchem Fall und wie der Verband eine abgebrochene Saison wertet. Demnach müssen in einer Liga mindestens 75 Prozent aller Mannschaften mehr als die Hälfte ihrer Punktspiele ausgetragen haben. In diesem Fall wird die Tabelle anhand der Quotientenregel – also Punkte geteilt durch Spiele – geordnet und gewertet. Es gibt Auf- und Absteiger, aber keine Relegation.

Was einen direkt zum SC Grüne Heide führt, der aktuell mit 19 Zählern aus 18 Partien auf einen Quotienten von 1,06 kommt. Damit liegt die Elf von Spielertrainer Thomas Bachinger hauchdünn hinter einem Relegationsplatz, auf dem der SV Heimstetten II rangiert – mit einem Quotienten von 1,10, da er in 20 Spielen 22 Punkte geholt hat. Bedeutet: Sollten bis Ende Juni keine weiteren Ligapartien mehr ausgetragen und die Saison abgebrochen werden, müsste Grüne Heide den Gang in die Kreisklasse antreten. Und das wegen des 2:3 in Waldperlach, denn ohne dieses Match hätte das Team einen Quotienten von 1,12 – minimal besser als die SVH-Reserve.

„Wie soll ich den Jungs erklären, dass der BFV sie deswegen absteigen lässt, weil sie sich damals dazu entschieden haben anzutreten?“, fragt Teammanager Philipp Walter. Er plädiert dafür, die Saison – sollte es zum Abbruch kommen – komplett zu annullieren. „Meinetwegen kann man die Tabellenführer, die klar vorne liegen, aufsteigen lassen. Aber es sollte keine Verlierer durch Corona geben.“

Wobei der BFV weiterhin daran festhält, die Spielzeit noch beenden zu wollen. Dies hat der Verband Ende März in einer Pressemitteilung bekräftigt, ehe er wenige Tage später einen Vier-Punkte-Plan vorlegte. Demnach würde der Ligapokal gestrichen, sollte bis zum 19. April kein flächendeckender Trainingsbetrieb möglich sein. Und falls sich der Amateursport-Lockdown gar bis zum 3. Mai zöge, „muss über einen Abbruch der Verbandsspielrunden entschieden werden“, so der BFV.

„Ich finde es gut, dass jetzt ein Fahrplan vom Verband vorliegt“, sagt Philipp Walter. „Allerdings hätte ich mir das früher gewünscht.“ Der Teammanager geht angesichts der aktuellen Corona-Lage nicht davon aus, dass in den kommenden Wochen noch Ligaspiele stattfinden können. Bei einem Saisonabbruch mit den aktuellen Tabellenständen würde sein Verein gleich in zweifacher Hinsicht zu den Verlierern zählen. Denn nicht nur das Kreisligateam des SC Grüne Heide, sondern auch die Reserve des Klubs müsste absteigen – ebenfalls wegen der Quotientenregel. So würde die Mannschaft von Trainer Bert Krasselt in der A-Klasse 6 auf den vorletzten Tabellenplatz abrutschen, da sie ein Spiel mehr absolviert hat als der punktgleiche Rivale aus Forstinning.

Ebenfalls zwei leidtragende Teams gäbe es beim SV Lohhof. Dort bliebe nicht nur der Ersten Mannschaft in der Kreisliga 1 die Teilnahme an der Relegation und somit die Aufstiegschance verwehrt. Sondern auch die Reserve in der Kreisklasse 1 müsste als Tabellenletzter absteigen. Und dennoch hält sich Abteilungsleiter Stefan Porsch mit Kritik an der Abbruch-Regelung zurück. „Eine absolut gerechte Lösung gibt es nicht. Und letztlich sind wir selbst schuld: Die Erste Mannschaft hatte es ja in der Hand, auf dem ersten Platz zu stehen. Und die Zweite Mannschaft war nun mal das schlechteste Team der Liga und hat am wenigsten Punkte geholt.“

Zwar glaubt auch Stefan Porsch nicht daran, dass die laufende Saison noch zu Ende gespielt wird. Jedoch betont er: „Es ist müßig, jetzt zu lamentieren.“ Allein bei einigen Klubs sieht man das offenbar anders. So berichtet Philipp Walter, dass seine Heidler bereits Kontakt zu anderen Vereinen aufgenommen haben, die sich im Falle eines vorzeitigen Saisonendes ebenfalls benachteiligt fühlen würden. „Wir sind da im Austausch, und das nicht nur im Kreis München.“ Sollte es tatsächlich zu einem Abbruch samt Wertung der laufenden Spielzeit kommen, sagt der Teammanager des SC Grüne Heide, „dann würden wir alles versuchen, damit es eine gerechtere Lösung gibt“.

Quelle: Merkur.de

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