Auch Türk Gücü und Langengeisling ziehen mit – Rätselraten um den FC Erding

Rot-Weiß Klettham rettet die JFG Sempt Erding

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Die neue JFG-Führung (hinten. v. l.): Mayls Majurani, Max Hilmer, Florian Sommer, Patrick Tischer sowie (vorne, v. l.) Gökmen Uluhan, Roland Schöttner, Christoph und Thomas Greckl sowie Richard Graf.

Die JFG Sempt Erding war kurz vor der Auflösung. Doch dann übernahmen die Kletthamer das Ruder, mit Unterstützung aus Langengeisling und von den Türken.

Erding – Der Ort hätte nicht besser gewählt werden können. An der Wand ist eine riesige Westernstadt aufgezeichnet. Und die Veranstaltung hatte es ja auch etwas von „High Noon“. Eigentlich war es schon fünf nach Zwölf für die JFG Sempt Erding, denn ihre Stammvereine hatten ihr Ende beschlossen. Eigentlich. Denn jetzt geht es doch weiter – mit nahezu komplett neuem Vorstand und mindestens drei der vier bisherigen Stammvereine.

Der Reihe nach: Bei der Jahreshauptversammlung am Samstagabend im Vereinsheim von Rot-Weiß Klettham erklärte der bisherige Vorsitzende Norbert Just, warum die Jugendfördergemeinschaft vor dem Aus steht. Ein schwerer Schlag sei die Abmeldung der B-Jugend vor der Saison 2019/20 gewesen. „Im ersten Training hatten wir 28 Mann, beim vierten Training waren plötzlich nur noch vier Spieler da“, berichtete Just. Zudem seien die Stammvereine auch nicht von der Erhöhung der Kostenpauschalen (von 55 auf 100 Euro) sowie einem neuen Konzept begeistert gewesen, wonach die JFG – wie vom BFV auch gewünscht – nur noch Leistungsteams betreuen würde. Die restlichen Mannschaften sollten die Vereine in Spielgemeinschaften führen.

Jahresminus von fast 6000 Euro

Dass die Gelder knapp wurden, machte auch Katja Schmid in ihrem Kassenbericht klar. Im Vergleich zum Vorjahr habe die JFG in 2019 rund 5000 Euro weniger Spenden erhalten, aber deutlich mehr für Trainer-Entschädigungen bezahlen müssen. Insgesamt habe die JFG rund 53 200 Euro eingenommen und 58 830 Euro ausgegeben. Der derzeitige Kassenstand liege bei rund 800 Euro. Die Kassenführung wurde von Revisor Dieter Prechtl in höchsten Tönen gelobt und die Kassierin sowie der Vorstand einstimmig entlastet.

Der nächste Punkt auf der Tagesordnung wäre nun der Beschluss zur Auflösung des Vereins nach Saisonende gewesen, doch Just berichtete, „dass sich in den vergangenen Tagen eine Wende abgezeichnet hat“. Die treibende Kraft war Rot-Weiß Klettham, das nun auch das Gros der neuen JFG-Führung stellt.

Stammvereine geben Fehler zu

„Wir waren immer für die JFG“, sagte Christoph Greckl. Die Alternative, Spielgemeinschaften zu gründen, sei keine bessere Lösung. Nach langen Nächten und vielen Gesprächen habe man sich entschlossen, mit neuer Kraft die JFG wieder voranzutreiben. Und mit neuen Vorstandsmitgliedern. Lediglich Greckl selbst, der vom Stellvertreter zum JFG-Vorsitzenden aufrückt, und Schriftführer Roland Schöttner, sind von der alten Führung noch dabei. Ohnehin übernehmen sehr viele Kletthamer Verantwortung in der JFG.

Die Probleme der JFG hätten aber nichts mit dem bisherigen Vorstand zu tun, sondern vor allem mit der Einstellung der Stammvereine, mahnte Greckl an. „Das muss unsere JFG sein. Wenn wir ein Tor schießen, dann schießt das nicht Klettham oder Türk Gücü, sondern die JFG. Wir brauchen ein Wir-Gefühl“, so Greckl weiter. Die gemeinsame Jugendarbeit dürfe nicht an den Egoismen der einzelnen Vereine scheitern.

„So wie bisher darf es nicht weiterlaufen“

Gökmen Uluhan, seit Jahren einer der großen Aktivposten von Türk Gücü Erding und ebenso mitverantwortlich für die Wende, bestätigte: „Es stimmt, wir haben uns zu wenig um die Jungs gekümmert.“ In die gleiche Kerbe schlug Richard Graf, der nun neben seinem Ehrenamt als Kassier des FC Langengeisling und D-Jugend-Trainer nun auch noch 2. JFG-Kassier ist: Er regte an, die Ziele der JFG schriftlich zu fixieren – „wie es auch die JFG Speichersee gemacht hat“.

Kletthams Fußballchef Patrick Tischer fasste zusammen: „Jeder, der hier ist, will es eigentlich. Aber so wie bisher darf es nicht weiterlaufen.“ Da waren sich die Kletthamer Vertreter mit den Abgesandten des FC Langengeisling und Türk Gücü Erding einig. Fraglich ist noch die Zukunft des FC Erding.

JFG-Tür steht dem FC Erding offen

Lothar Feuser, der als einziger Vertreter seines Vereins vor Ort zwar, zeigte sich zwar zuversichtlich, dass sich der FCE dem nicht verschließen werde. Im Gespräch mit der Heimatzeitung äußerte er aber auch seine Enttäuschung darüber, dass sich kein weiteres Mitglied der Abteilungsleitung in dieser Weichen stellenden Sitzung blicken ließ.

Der neue JFG-Chef Christoph Greckl, dessen Bruder Thomas künftig sein Stellvertreter sein wird, machte klar, dass er momentan noch vom Austritt des FCE ausgehen müsse, da dieser das auch in seiner Jahreshauptversammlung angekündigt hat. „Die Tür steht aber natürlich weiterhin ganz weit offen“, sagte Greckl, der sich nochmal bei seinen bisherigen Kollegen bedankte und betonte: „Das ist kein Sturz des alten Vorstands. Das Problem waren die Stammvereine. Hier muss die Zuarbeit einfach besser werden.“

Stammvereine müssen sich öfter bei Spielen blicken lassen

Ganz ungeschoren kam aber die bisherige Führung nicht davon. Der langjährige Trainer Martin Besl kritisierte, dass sich kaum einer der Verantwortlichen bei den Spielen habe blicken lassen. „Johnny Egger war immer da“, erinnerte er an den Ex-JFG-Chef. „Es wäre für die Spieler schön, wenn Vertreter von JFG und Stammvereine zuschauen und sich vor dem Spiel auch bei der Mannschaft zeigen würden. Das motiviert immens.“

Apropos Motivation: Vor der entscheidenden JFG-Sitzung haben erstmal diejenigen Taten sprechen lassen, um die es eigentlich geht: Die C-Junioren der JFG haben gegen den FC Gerolfing in der Kreisliga mit 9:0 Toren gewonnen.

Die JFG-Führung:

Vorsitzender:Christoph Greckl (RWK) - Stellvertreter: Thomas Greckl, Max Hilmer (beide RWK) - Kassier: Patrick Tischer (RWK) - 2. Kassier:Richard Graf (FCL) - Schriftführer:Roland Schöttner (RWK) - 2. Schriftführer: Mayls Majurani (Türk Gücü) – Sportlicher Leiter: Florian Sommer (RWK) - 2. Sportlicher Leiter: Gökmen Uluhan (Türk Gücü).

Dieter Priglmeir

Quelle: Merkur.de

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