Hachings Kapitän Welzmüller über die Situation der Liga, das Training und seine Promotion 

Josef Welzmüller: „Die Gesundheit aller steht ganz oben“

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Bekannte Szenerie: Für Josef Welzmüller ist das Solotraining nach über einem Jahr Reha (hier im März 2019 im Trainingsraum der SpVgg) nichts Besonderes mehr.

Zwangspause im Profi-Fußball: Wegen der Corona-Pandemie haben auch die Spieler der SpVgg Unterhaching diese Woche frei, bzw. individuelle Trainingspläne für zuhause bekommen. Ob, wann und wie es weitergeht mit einem normalen Trainingsbetrieb – völlig offen. Eine vollkommen skurrile Situation, auch für Hachings Kapitän Josef Welzmüller (30). Ein Gespräch über Sportler im Ausnahmezustand.

Herr Welzmüller, was macht denn ein Fußball-Profi, wenn er seinem Beruf nicht nachgehen darf?

Ich habe mir tatsächlich gerade einen Trainingszirkel in meiner Wohnung aufgebaut. Draußen Laufen gehen ist auch möglich, aber eben nur alleine. 

Wie darf man sich Ihre Wohnung vorstellen?

Ich habe mir nach Absprache aus unserem Kraftraum ein paar Sachen besorgt und bei mir in den vierten Stock hochgetragen. In jedem Zimmer sind jetzt verschiedene Stationen für verschiedene Übungen. Das ist halt ohne Ball, aber viel Fitness. Das habe ich die letzten zwei Jahre eh viel gemacht.

Weil Sie lange verletzt waren. Tun Sie sich also leichter damit, alleine zu trainieren?

Ich kenne die Situation leider ganz gut, ja. Ich hatte ja zum zweiten Mal schon über ein Jahr Reha, das Gefühl, alleine was zu tun, ist nichts Besonderes mehr. Mir fällt es deswegen auch relativ leicht, mir Einheiten mit verschiedenen Schwerpunkten zusammenzustellen.

Für Sie persönlich ist es doppelt bitter, dass die Liga Pause macht, oder? Sie waren in Chemnitz ja gerade zum ersten Mal wieder auf dem Platz dabei.

Stimmt. Das ist eine gewisse Tragik, meine persönliche Situation war gerade ganz gut. Aber das ist jetzt wirklich als Thema außen vor. Es geht um Wichtigeres.

War die angeordnete Pause der Liga alternativlos?

Ich muss ehrlich sagen, dass ich mir dazu gar keine Meinung anmaßen will. Dafür sind Experten zuständig, die sich wesentlich besser auskennen. Deren Rat folge ich. Klar ist, dass die Gesundheit aller ganz oben steht, alles andere kommt weit dahinter.

Würden Sie eine Einschätzung wagen, wann und ob es mit dem Fußball weitergeht?

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es nicht weitergehen kann. Es geht ja darum, den Anstieg der Infektionen rauszuzögern. Wenn wir das schaffen wollen, bedeutet das für mich, das Ganze dauert nicht drei bis vier Wochen, sondern mehrere Monate. Am 30. Juni laufen dann Verträge aus, bis dahin ist es für mich aktuell nicht möglich, eine Fußballsaison zu Ende zu spielen.

Dann stellt sich die Frage, ob die Tabelle gewertet wird oder es keine Meister, Auf- und Absteiger gibt. Gibt es da überhaupt eine faire Lösung?

Da wird jeder Klub eine eigene Meinung haben. Aber in erster Linie geht es darum nicht. Sondern darum, dass wir die Situation gesellschaftlich hinbekommen. Wenn wir es jetzt nicht schaffen, auf die Gesellschaft zu schauen, und eigene Interessen verfolgen, hätte jede Entscheidung einen faden Beigeschmack.

Wäre eine Fortsetzung der Saison unter trainingstechnischen Aspekten nach so langer Pause überhaupt machbar?

Abrupt sicher nicht, aber wenn man ein bis zwei Wochen Vorbereitung hätte, schon. Da würde es ja allen gleich gehen.

Wie empfinden Sie die Situation auf den Straßen derzeit?

Ich wohne im Glockenbachviertel, da ist immer viel los. Jetzt aber extrem wenig, man sieht auch, dass  sich die  Leute der Situation  bewusst sind. Man geht eben weniger raus. Für mich hat das auch einen positiven Nebeneffekt. Ich habe gerade nach meinem Studium mit der Promotion angefangen. Da muss man sowieso selbstdiszipliniert arbeiten, und dafür habe ich jetzt mehr Zeit, als wenn zweimal am Tag Training wäre.

Quelle: Merkur.de

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