Julius Zinke: „Fußball fehlt mir hoch drei“

83-jähriger Schiedsrichter hängt noch ein Jahr dran

1977 durfte Julius Zinke ein Spiel im Münchner Olmpiastadion pfeifen.
+
1977 durfte Julius Zinke ein Spiel im Münchner Olmpiastadion pfeifen.

Julius Zinke ist mit 83 Jahren das Schiedsrichter-Urgestein im Oberland. Im Interview verrät er, dass er noch ein Jahr länger als geplant pfeift.

Hausham – „Dabei sein ist alles. Auch für mich“, sagt Julius Zinke von der SG Hausham über den Merkur CUP. Der 83-Jährige ist das Schiedsrichter-Urgestein im Oberland und vom ersten Tag an ein leidenschaftlicher Anhänger des größten E-Junioren-Turniers der Welt. Uns hat er von holprigen Anfängen, überlegenen Bayern und verwetteten Gummischlangen erzählt.

Herr Zinke, wie haben Sie den Anfang des Merkur CUP in Erinnerung?

Angefangen habe ich noch in München. Dort war ich Hausmeister an einer Schule in Schwabing und entsprechend in der dortigen Schiedsrichter-Gruppe im Einsatz. Das Turnier-Format hat uns alle von Anfang an begeistert, auch wenn es zunächst noch ein bisschen holprig gelaufen ist. Spielerisch sind damals Bayern und Sechzig weit voraus gewesen. Mit einem gewissen Abstand kam Unterhaching. Alle anderen haben sich nur Prügel abgeholt.

„Seit 15 Jahren ist das Niveau extrem gestiegen“

In der ewigen Bestenliste ist der Nachwuchs der (ehemaligen) Bundesligisten immer noch weit voraus. Hat sich vom spielerischen Niveau etwas geändert?

Seit etwa 15 Jahren ist das Niveau sehr gestiegen und das Feld ausgeglichener. Allerdings ist der Merkur CUP dadurch vielfach auch ernster geworden. Hektik wird aber immer nur von außen auf den Platz getragen.

Gab es Spiele oder Spieler, an die Sie sich besonders gern erinnern?

Besonders stolz bin ich immer gewesen, die Bayern zu pfeifen. Normalerweise werden in diesen Spielen immer die jungen Kollegen eingesetzt. Bei den Spielern waren einige auf dem Platz, die später Nationalspieler geworden sind. So wie unser jetziger Merkur-CUP-Schirmherr Manni Schwabl aus Holzkirchen.

Und eine Begebenheit, die Ihnen besonders nahe gegangen ist?

Es gibt so viele schöne Erinnerungen. Aber über eine lache ich noch oft. Es war bei einem Bezirksfinale in Aying. Dort hat es beim Rahmenprogramm eine Torwand gegeben. Wie ich so rumgeschaut hab, haben mich drei Buben angeredet: „Herr Schiedsrichter, ham Sie ned a amoi Fuaßboi gspuit?“ „Gar ned so schlecht“, hab ich geantwortet, und sie haben mir eine Wette angeboten: Für mich ist es um die Ehre gegangen, die Buben wollten für einen Sieg Gummischlangen.

Gummischlangen für die ganze Mannschaft

Wie ist die Sache ausgegangen? Ehre oder Süßigkeiten?

Am Ende haben die Buben gewonnen, und ich hab’ die Wettschulden aufgestockt, dass die ganze Mannschaft Gummischlangen bekommen hat. Das war ein Mords-Hallo, und die Buben haben sich gefreut, dass sie gegen den Schiedsrichter gewonnen haben. Gleichzeitig haben die Kollegen gefrotzelt, dass ich mich von den Kindern hab’ schlagen lassen, aber das hat mir nichts ausgemacht.

Um ein Haar hätten Sie Ihr Abschiedsturnier gar nicht pfeifen können. Was ist passiert?

Ich war schon am Vatertag beim Kreisfinale in Bad Tölz im Einsatz. Im letzten Spiel habe ich Schmerzen in der Kniekehle bekommen, die ich mir nicht erklären konnte. Also bin ich direkt vom Fußballplatz nach Miesbach zu Günther Friedl in die Praxis. Ich hab ihm gesagt, er soll nicht lang reden und keine Zeit verlieren, weil schon am folgenden Wochenende das Kreisfinale in Holzkirchen war. „Ich kann doch nicht als Zivilist zu meinem Merkur-CUP-Abschied gehen“, hab’ ich ihm eingeschärft und dass ich auf den Platz muss, selbst wenn sie mich danach mit dem Wagl heimfahren. Aber er hat mich rechtzeitig hinbekommen, und ich konnte schmerzfrei vom Eröffnungsspiel bis zum Finale pfeifen.

„Fußball fehlt mir hoch drei“

Nach Ihrem Abschied nach 25 Jahren Merkur CUP wollten Sie heuer Ende Juni Ihr letztes Spiel pfeifen. Nun ist Corona dazwischen gekommen. Was machen Sie jetzt ohne Fußball?

Alle paar Jahre bilde ich mir ein, meinen Garten neu zu gestalten. Dafür hatte ich jetzt genug Zeit. Dem Garten geht es jetzt richtig gut. Fußball fehlt mir jetzt aber hoch drei. Nicht zu pfeifen ist ja das eine. Aber normalerweise kann man ja dann immer zu einem Spiel gehen und wenigstens von außen mittendrin sein. Und mit dem Schiedsrichtern muss ich halt jetzt noch ein Jahr dran hängen.

(Heidi Siefert)

Quelle: Merkur.de

Auch interessant

Kommentare