Kritik am Bundestrainer

Nach 0:6-Klatsche der DFB-Elf: Kein Rückhalt für Jogi Löw - Hartes Urteil von der Fußball-Basis

Geht es ihm bald an den Kragen? Noch genießt Jogi Löw das Vertrauen der DFB-Verantwortlichen. Die Fußball-Basis im Landkreis Starnberg ist kritischer.
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Geht es ihm bald an den Kragen? Noch genießt Jogi Löw das Vertrauen der DFB-Verantwortlichen. Die Fußball-Basis im Landkreis Starnberg ist kritischer.

Hartes Urteil für Jogi Löw von der Fußball-Basis. Im Landkreis Starnberg ist die Meinung spätestens nach der 0:6-Klatsche der DFB-Elf gegen Spanien klar: Löw muss gehen.

Landkreis – 0:6 gegen Spanien: Die Fußball-Nationalmannschaft hat am Dienstag nicht nur ein Spiel in der Nations League verloren, zugleich war es die zweithöchste Pleite für eine DFB-Elf aller Zeiten und die höchste seit 1931.

Wir haben uns an der Fußball-Basis im Landkreis umgehört, wie die Entwicklung des Nationalteams gesehen wird, ob Joachim Löw noch der richtige Trainer ist und wie die Erwartungshaltung für die Europameisterschaft im kommenden Jahr aussieht. Sechs Gegentore, sechs Fragen, sechs Amateurfußballer (je zwei Spieler, Trainer und Funktionäre):

0:6 – Ausrutscher oder negativer Trend?

Die Befragten aus dem Landkreis sind sich fast alle einig: Das Debakel gegen Spanien hat sich abgezeichnet. Stefan Schwartling, Fußballabteilungsleiter des TSV Gilching-Argelsried, bringt es auf den Punkt: „Gegen Spanien kann man mal verlieren, aber nicht 0:6.“ Sein Kollege vom MTV Berg, Florian Garke, ergänzt: „Das war schon hart. So ein Spiel habe ich noch nie gesehen.“

Franco Simon: „2018 hätte Löw aufhören müssen.“

Auch die beiden Trainer Bernd Öhler (TSV Erling-Andechs) und Franco Simon (SC Pöcking-Possenhofen) sowie Landkreis-Kicker Sebastian Dietzel vom Gautinger SC beobachten die Schwächeperiode der DFB-Elf seit längerer Zeit. Tobias Leskien hat hingegen Hoffnung, dass die Pleite ein Ausrutscher bleibt. „Aber natürlich ist das ein Dämpfer zum Jahresende“, sagt der Spieler des TSV Perchting-Hadorf.

Interesse an Spielen der DFB-Elf?

Spiele der Nationalmannschaft scheinen im Landkreis keine große Euphorie auszulösen, zumindest wenn es sich nicht um WM oder EM handelt. „Das Interesse lässt nach. Ich schalte inzwischen sogar manchmal auf eine Kochsendung um“, berichtet Öhler.

Stefan Schwartling: „Die Nations League ist ein völlig sinnloser Wettbewerb.“

Dietzel hat „gerade zur Nations League überhaupt keinen Bezug“. Leskien stört derzeit vor allem die fehlende Atmosphäre bei den Geisterspielen.

Jogi Löw noch der richtige Trainer?

Die Befragten sagen eindeutig: Löws Zeit ist vorüber. Erling-Coach Öhler findet harte Worte: „Ich weiß nicht, was noch passieren muss, damit endlich ein Führungswechsel stattfindet.“ Insbesondere Löws Verhalten stößt ihm sauer auf: „Ich verstehe seine arrogante Ruhe und Selbstherrlichkeit nicht.“ Bei Schwartling rennt er damit offene Türen ein. „So wie er gestern auf der Bank gesessen hat, wird es Zeit, dass er seinen Hut nimmt“, sagt der Gilchinger.

Bernd Öhler: „Löw ist schon seit ewiger Zeit nicht mehr der Richtige.“

Auch für Garke, Simon, Leskien und Dietzel ist Löw nicht mehr der richtige Mann für den Posten des Bundestrainers. „Das denkt wahrscheinlich der Großteil in Deutschland“, mutmaßt SCPP-Trainer Simon.

Rückkehr von Boateng, Hummels und Müller?

An den Personalien Boateng und Hummels scheiden sich hingegen ein wenig die Geister im Landkreis. Einzig einer Rückkehr von Müller stehen alle positiv gegenüber. „Alleine schon als Sprachrohr“, sagt Leskien.

Florian Garke: „An einer Rückkehr von Müller führt gar nichts vorbei.“

Die beiden Verteidiger werden hingegen vorsichtiger betrachtet. Öhler etwa fordert, den jungen Spielern jetzt das Vertrauen zu schenken. Simon und Dietzel finden zumindest den Umbruch hin zu mehr Nachwuchskräften richtig. Aber nicht so radikal, wie Löw ihn vollzog, meinen beide.

Erwartungshaltung für die EM 2021?

„Tiefstapeln“ ist bei der EM – sollte sie denn in Zeiten der Corona-Pandemie überhaupt stattfinden – angesagt, wenn es nach Garke geht. Schwartling und Öhler rechnen gar mit einem ähnlichen Desaster wie vor zwei Jahren, als Deutschland bei der WM in der Vorrunde ausschied, sollte sich nicht schleunigst etwas ändern. „Wie es zurzeit aussieht, wird es schon gegen Ungarn schwierig“, befürchtet Schwartling.

Tobias Leskien: „Erwartung an die EM? Es kann nur besser werden.“

Dietzel hingegen hat ein Fünkchen Resthoffnung: „Wir haben immer noch sehr gute Kicker. Nur Löw traue ich es nicht mehr zu.“ Für Simon hängt ein mögliches erfolgreiches Abschneiden vor allem davon ab, ob die DFB-Elf und Jogi Löw defensive Stabilität sowie Mentalität aus dem Hut zaubern können. „Sonst kann man gar nichts gewinnen. Da zeigt ja jede Bezirksliga-Abwehr eine bessere Einstellung und kämpferische Leistung als Deutschland gegen Spanien“, betont Simon.

Eigene Erfahrungen mit herben Klatschen?

Mit teils deutlichen Niederlagen mussten auch die Fußballer im Landkreis Starnberg schon umgehen. Leskien erinnert sich beispielsweise an eine 1:9-Pleite in der Landesliga in Berlin – immerhin gegen den späteren Aufsteiger. Garke erzählt von einer 0:10-Klatsche in Holzkirchen, als er noch selbst für den MTV in der Bezirksliga auflief. „Genau daran hat mich das Spiel am Dienstagabend erinnert. Damals war ich nach Abpfiff geladen ohne Ende, da war erst mal drei, vier Tage Sendepause“, so der Berger Abteilungsleiter.

Sebastian Dietzel (Gautinger SC): „In der Mannschaft muss wieder ein Teamgeist entstehen.“

Bei der DFB-Elf rechnet Schwartling nicht mit einem ähnlichen Verlauf der Woche: „So wie die Spieler ausgeschaut haben, interessiert es die überhaupt nicht. Die wollen schnell wieder zu ihren Vereinen, da wird nämlich das Geld verdient.“

te/mg

Quelle: Merkur.de

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