Sport unter der Lupe

Futsal hat in Dachau keine Chance 

Am Stadtwald lebt die Tradition. Während andernorts schon vor sechs Jahren der vom BFV eingeführte und empfohlene Futsal den klassischen Hallenfußball abgelöst hat, setzt man in Dachau nach wie vor auf den Indoor-Kick mit Rundumbande.

Was u.a. mit den örtlichen Gegebenheiten zu tun hat, die Georg-Scherer-Halle wurde vor einem Vierteljahrhundert vom Volleyball-Meistertrainer Stelian Moculescu nicht ohne Grund als „Schuhkarton mit Umkleidekabinen“ bezeichnet. Doch nicht nur der Mangel an Auslaufzonen hat die Organisatoren des Hallenmasters, seit einem Jahr unter dem offiziellen Namen Herbert-Reischl-Gedächtnis-Turnier um den VR-Cup bekannt, dazu bewogen, die seit zwei Jahrzehnten nahezu mit unveränderten Regeln ausgetragenen Turnierserie fortzusetzen.

Denn Futsal steht nach wie vor stark in der Kritik. Besonders heftig steigt den Organisatoren der Futsal-Events die unterschiedliche Auslegung der Futsal-Regeln durch die Unparteiischen auf. Nimmt man die Flut der gelben Karten als Maßstab, dann hätten unter normalen Umständen viele Spiele bedingt durch die in der Vergangenheit und in Dachau nach wie vor gewohnten Zwei-Minuten-Strafen einen anderen Verlauf genommen. Eine umstrittene Regeländerung, die gnadenlos ausgenutzt wird, indem kurzerhand Torchancen des Gegners durch taktische Fouls verhindert werden, weil man sich einfach eine gelbe Karte abholt. Ein Kritiker brachte es kürzlich auf den Punkt: „Futsal-erfahrene Schiedsrichter unterbrechen jede Grätsche schon im Ansatz, andere lassen ein Tackling von hinten durchgehen. Wer soll das verstehen?“

Auch der sprungreduzierte Ball stößt nicht auf große Gegenliebe. Für das technische Spiel und Pässe ist der Futsal-Ball besser geeignet, weil er weniger hoppelt. Das fördert das schnellere Spiel. Bei Vollspannschüssen wird es problematisch, die Bälle kriegen nicht mehr so viel Fahrt. Also holt man die gute alte Picke raus...

Auch die Torhüter sehen sich einer neuen Herausforderung gegenüber, denn die Futsal-Bälle sind kleiner und damit schlechter zu fassen als die klassischen Hallenbälle. Ein weiterer Kritikpunkt sind die kleinen Tore. Wenn man auf Handballtore spielt fallen nun einmal deutlich weniger Tore als wenn man auf die klassischen Fußballtore ballert.

Eine derart ablehnende Haltung „ist aber eher die Ausnahme“, sagte schon kurz nach der Einführung der damalige Leiter der Spielgruppe München, Peter Schmid. Nachdem der Bayerische Fußball-Verband (BFV) entschieden hatte, seine offiziellen Meisterschaften zumindest ab Verbandsebene nur noch als „Hallenfußball nach FIFA-Regeln“, sprich: Futsal, auszuspielen, habe er „kaum negative Reaktionen“ erhalten, auch wenn die Zahl der Anmeldungen für die Kreismeisterschaft leicht zurückgegangen sei. Schmid damals: „Die Zeit wird zeigen, dass man in der Halle auch optisch schön spielen kann, ohne Fouls und Bandencrashs. Ich jedenfalls bin inzwischen totaler Futsal-Fan.“

Das sehen die Aktiven und Zuschauer in Dachau ganz anders. Gerade die Duelle an der Bande, das Miteinbeziehen der Umrandung in die Spielaktionen (Doppelpass) und die oft hinter der Mittellinie abgefeuerten Weitschüsse mit dem Hallenball faszinieren. 

Quelle: Merkur.de

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