Schmidt verstarb mit 83 Jahren 

Josef „Bacherl“ Schmidt: Fußball war sein Leben

Starb mit 83 Jahren: „Bacherl“ Schmidt.
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Starb mit 83 Jahren: „Bacherl“ Schmidt.   engsten Kreis

In Kollbach und Kammerberg trauert man um Josef Schmidt. Zudem war Schmidt auch in Vierkirchen als Trainer erfolgreich. 

Kollbach/Kammerberg– „Fußball ist unser Leben“, sang einst die Deutsche Fußballnationalmannschaft im Vorfeld der WM 1974. Fußball, das war sein Leben, könnte man über Josef Schmidt aus Kollbach, den die meisten nur „Bacherl“ nannten, sagen. Im Alter von 83 Jahren ist er jetzt gestorben.

Schmidt gehörte noch zu der Spezies von Fußballern bzw. -anhängern, von denen es heute nicht mehr viele gibt. Fast im gesamten Landkreis und darüber hinaus war er deshalb bekannt. Seine Wiege stand in Porec, im Landesteil Slawonien des heutigen Kroatien. Als Heimatvertriebener kam er als Siebenjähriger mit seiner Familie über Umwege nach Kammerberg. Anfang der 50er Jahre bauten die Schmidts in Kollbach bereits ein eigenes Haus. Fast bis zum Lebensende lebte er in Kollbach.

Doch Kammerberg ist ihm stets besonders wichtig geblieben. Hier ging er zur Schule und fand Freunde fürs Leben. Beruflich war der gelernte Raumausstatter die meiste Zeit im Paketdienst bei der Post in München beschäftigt. Kammerberg war auch seine fußballerische Heimat. Hier war er nicht nur selbst aktiv, sondern trainierte auch die Jugend und später sehr erfolgreich die Erste.

„Obwohl er ein sehr väterlicher Typ war, gab es nicht viel Lob von ihm“

Sein Neffe „Nanz“ Schmidt erinnerte sich noch gut an diese Zeit, wo er unter seinem Onkel spielte: „Obwohl er ein sehr väterlicher Typ war, gab es nicht viel Lob von ihm. Irgendetwas fand er immer zu verbessern. Doch alle mochten ihn. Wir waren so erfolgreich, dass wir nur nach einer Niederlage im Entscheidungsspiel gegen Freimann in Garching Anfang 1970 den Aufstieg in die Bezirksliga verpassten“.

Von allen wurde der Schmidt Sepp nur „Bacherl“ genannt. „Bacherl“ deshalb, weil er als Bub immer so wie Franz Bachl, damals ein bekannter Spieler des FC Bayern, sein wollte, obwohl er selbst ein ganzes Leben lang ein Sechzger war.

Der „Bacherl“ war auch als Trainer in Vierkirchen erfolgreich. Mit den Schwarz-Gelben schaffte er den Aufstieg in die B-Klasse. Auch als Schiedsrichter bei Spielen von der Schüler bis zur AH war er lange Jahre für den Fußball unterwegs. Und später stand er auch noch im höheren Alter Woche für Woche mit Block und Bleistift als Schiedsrichterbeobachter am Spielfeldrand auf den Plätzen im Landkreis.

Anschließend fuhr er dann meist kurz noch zu einem kleinen Ratsch in die Sportgaststätten nach Vierkirchen und Kammerberg. Da wurde oft gerne mit Gleichgesinnten noch der Spieltag „aufgearbeitet“. Der „Bacherl“ genoss es, über den Fußball zu reden.

„Er war ein liebevoller Familienmensch“

Gerne erzählt auch Großneffe Rainer Wildgruber vom Verstorbenen: „Er war ein liebevoller Familienmensch, der für die Allgemeinheit oft Arbeiten verrichtete, wo man nicht gerade im Vordergrund stand. So saß er längere Zeit mit Leidenschaft auf dem Bulldog-Rasenmäher der SpVgg Kammerberg und mähte die Plätze“.

Außerdem war er als gläubiger Christ auch mal Mesner in Kollbach. Dort auf dem Kollbacher Friedhof wird Schmidt am morgigen Donnerstag zu Grabe getragen. Das Begräbnis findet wegen Corona nur im engsten Familienkreis statt.

Dabei hätten den „Bacherl“ ohne Pandemie sicher viele frühere Fußballweggefährten aus der Umgebung auf dem Weg zur letzten Ruhe begleitet. Vermutlich auch die beiden Altbürgermeister Rudi Jenkofer (Kammerberg) und Heinz Eichinger (Vierkirchen), mit denen er einst als Trainer Erfolge feiern konnte. Der Junggeselle mit dem großen Fußballerherz hätte sich bestimmt darüber gefreut.

Mit dem „Bacherl“ geht ein Mann, der dem Fußball – aber der Fußball auch ihm – und der Familie viel gegeben hat. So wie der Verstorbene in der Familie als geschätzter Onkel Sepp so wird „Bacherl“ als Fußball-Original in seiner geselligen Art in Sportlerkreisen fehlen.

HEINZ NEFZGER

Quelle: Merkur.de

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