Knappe Zweidrittelmehrheit für Reform des Spielsystems

Kreis Zugspitze: Vereine erhoffen sich mehr Spannung von Pilotprojekt

In Zukunft wird in neuem Modus gespielt: Die Klassen im Kreis „Zugspitze“ (das Foto zeigt eine Szene vom Duell zwischen dem TSV Peißenberg, in Rot, und dem SV Polling) werden in kleinere, regionale Gruppen unterteilt. Im Frühjahr gibt es dann Auf- und Abstiegsrunden.
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In Zukunft wird in neuem Modus gespielt: Die Klassen im Kreis „Zugspitze“ (das Foto zeigt eine Szene vom Duell zwischen dem TSV Peißenberg, in Rot, und dem SV Polling) werden in kleinere, regionale Gruppen unterteilt. Im Frühjahr gibt es dann Auf- und Abstiegsrunden.

Die Vereine aus dem Kreis Zugspitze haben mit einer knappen Mehrheit für das neue Spielsystem gestimmt. Ein Meinungsbild der Klubvertreter zum neuen Spielsystem.

Landkreis – Die Würfel sind gefallen. Das Cäsar zugesprochene Zitat gilt auch für die Amateur-Fußballer im Kreis „Zugspitze“. Dort ist die Entscheidung über das von Kreisspielleiter Heinz Eckl vorgeschlagene Pilotprojekt gefallen. Demnach werden künftig die Spielklassen von der Kreisliga bis zur C-Klasse in kleinere, regionale Gruppen mit sieben oder acht Mannschaften unterteilt. Sie spielen im Herbst eine Runde aus. Die besten drei Teams kommen in eine Aufstiegsrunde, die restlichen Mannschaften in eine Abstiegsrunde, die jeweils im Frühjahr abgehalten werden soll.

67,4 Prozent der teilnehmenden Vereine (Wahlbeteiligung 75,4 Prozent) stimmten für das Modell. Damit wurde die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit knapp erreicht. Keine Mehrheit fanden dagegen die Play-offs, es bleibt also beim bisherigen Relegationsmodell (Hin- und Rückspiel). Die Mehrheit der Vereine tendierte auch zu einem Versuch über zwei Jahre (statt drei). Einige Klubvertreter waren vom knappen Ausgang überrascht.

Kreis Zugspitze: Vereine von knapper Mehrheitsentscheidung „überrascht“

„Das hat ja punktgenau gepasst mit der nötigen 2/3-Mehrheit. Da ich Demokrat bin, akzeptiere ich die Mehrheitsentscheidung und hoffe, dass das, was man sich von dem neuen System erwartet, auch eintrifft“, sagt Robert Färber, Coach des Kreisligisten SV Polling. Für ihn besteht eine andere Dringlichkeit: „Hauptsache, wir können irgendwann überhaupt wieder spielen, egal gegen wen.“ Ein deutlicheres Resultat hatte sich Hubert Strobel, der Trainer beim Kreisklassisten SpVgg Schwabbruck/Schwabsoien, erwartet: „Das knappe Ergebnis überrascht mich. Ich dachte, es gibt mindestens 80 Prozent Zustimmung.“ Dass es keine Play-offs gibt, „finde ich gut, die brauchen wir nicht. Wichtiger als das Spielsystem, das wir im Verein kontrovers diskutierten, wäre mir, überhaupt wieder spielen zu können“, sagt Strobel. Auch Tim Erdt, der Coach des A-Klassisten TSV Rott, wunderte sich über das knappe Abstimmungsresultat. „Ich freue mich aber, dass das neue System angenommen wird und die Mehrheit dafür gestimmt hat.“ Die Ablehnung der Play-offs „finde ich nicht tragisch. Das wäre zusätzlich nochmal was Neues gewesen, aber die normale Relegation ist wahrscheinlich der fairere Weg, um eine Entscheidung über Auf- und Abstieg zu bekommen“, so Erdt.

Kreis Zugspitze: Pilotprojekt soll mehr Spannung bringen - „Keine Spiele um die goldene Ananas am Saisonende“

Positiv überrascht zeigt sich Aleks Simic, Trainer des Kreisklassisten ASV Antdorf: „Ich hätte nicht gedacht, dass sich mehr als zwei Drittel für das neue System aussprechen. Es ist ja bekannt, dass viele Menschen sich gegenüber neuen Systemen verschließen.“ Simic hatte sich im Vorfeld fürs Pilotprojekt ausgesprochen, „und jetzt freue ich mich auf den neuen Modus. Ich bin froh, dass es zukünftig keine Spiele mehr am Saisonende um die goldene Ananas gibt.“ Mehr Spannung verspricht sich auch Thomas Lang, der sportliche Leiter beim Kreisliga-Klub TSV Peißenberg: „Ich persönlich freue mich über das positive Ergebnis und dass es jetzt mal an den Start gehen kann.“ Er findet es „toll, dass sich so viele Vereine für das System begeistern konnten. Einfach mal was Neues mit einem anderen Reiz und Spannung. Dann werden wir alle nach zwei Jahren sehen, wie es läuft und ob es Anklang findet.“ Auf die Testphase verweist auch Joachim Plankensteiner, Vorsitzender des Bezirksligisten FC Penzberg: „Wenn es nicht so funktioniert wie gedacht, dann stehen wir auch für einen Wechsel zurück ein.“ Zunächst einmal „finden wir beim FCP die Entscheidung aber gut und wir hoffen auf mehr Derbys“. Die zweite Mannschaft in der A-Klasse 6 gehört zu den Teams, die das Pilotprojekt betrifft.

Gespannt, wie sich das neue System in der Praxis bewährt, ist Florian Heinrizi, der Spartenchef beim Bezirksligisten SV Raisting: „Nach zwei Jahren sieht man dann ja, ob es Sinn macht oder nicht. Überrascht bin ich vom Ergebnis nicht. Es waren ja im Vorfeld schon die meisten Vereine dafür.“ Ähnlich wie bei Penzberg ist auch die zweite Garnitur des SVR (in der Kreisklasse 4) im Kreis „Zugspitze“ in Aktion.

Kreis Zugspitze: Gegenwind für Pilotprojekt - „Für uns war das bisherige Spielsystem nicht so schlecht“

Nach wie vor nur begrenzt begeistert ist dagegen Christoph Schmitt. „Ich bin weiterhin kein Freund vom neuen Spielsystem. Aber es hilft nichts. Wir nehmen es so an. Hauptsache ist für mich, mal wieder Fußball spielen zu können“, erklärt der Trainer des Kreisligisten TSV Altenstadt. Ähnlich fällt das Fazit beim ASV Habach (Kreisliga 1) aus. „Wir hatten uns dagegen ausgesprochen. Aber jetzt ist es halt so. Ich habe mit der Entscheidung kein Problem. Für uns war das bisherige Spielsystem aber nicht so schlecht“, sagt ASV-Abteilungsleiter Uli Feigl. Kritisch stand auch der A-Klassist SV Wessobrunn dem Pilotprojekt gegenüber. „Wir sind nicht begeistert von dem neuen System und hatten uns auch dagegen ausgesprochen“, sagt Abteilungsleiter Marco Geburek. Die Idee an sich sei gut, „und frischer Wind kann mit Sicherheit nicht schaden“. Doch dadurch, „dass man mit den gleichen Gegnern aus der Gruppe zusammen in die Auf- bzw. Abstiegsrunde geht, spielt man halt vier Mal im Jahr gegen die gleiche Mannschaft. Der Reiz, gegen neue Gegner zu spielen, ist da etwas verloren gegangen“, ist Geburek überzeugt.

Für Robert Goldbrunner, Abteilungsleiter beim Kreisklassisten TSV Hohenpeißenberg, spiegelte das Ergebnis im Kreis genau das Abstimmungsverhalten im Verein wider. „Wir haben in der Vorstandschaft auch mit knapper Mehrheit für das neue System gestimmt. Ich verstehe die Bedenken. Man sollte aber mal was Neues wagen und ausprobieren.“ Das sieht auch Fabian Melzer so: „Wir sollten dem Ganzen eine Chance geben. Jetzt können wir schauen, was in den zwei Jahren rauskommt und notfalls können wir auch wieder zurück gehen“, sagt der Trainer des Kreisligisten TSV Peiting. Melzer war für das neue System, „deshalb freue ich mich, dass zugestimmt wurde. Mein Lebensglück hängt aber nicht davon ab. Das Nein zum Play-off-System kann ich verstehen. Das ist vielleicht ein bisschen zu weit weg vom Fußball.“ Zuversichtlich ist auch Peitings Spartenleiter Uwe Enzmann: Das neue System „finde ich gut. Es wird sicherlich noch die eine oder andere Frage kommen. Aber jetzt lasst uns erst einmal positiv an die Sache rangehen.“

(Roland Halmel)

Quelle: Merkur.de

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