Ex-Haching-Präsident attackiert im Interview den DFB und die DFL

Kupka: "Die reden von Werten und halten sie nicht ein!"

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Engelbert Kupka hofft, dass das Anliegen der kleinen Vereine endlich Gehör bekommt.

SpVgg Unterhaching - Am Donnerstag beginnt die Amateur-Revolution. In Garching ruft Engelbert Kupka, langjähriger HachinPräsident, zur Gründung der Gemeinschaft "Rettet die Amateurvereine" auf. Warum sich die Basis von DFB und DFL vernachlässigt fühlt, verrät der 78-Jährige im tz-Interview.

Herr Kupka, worum geht es am Donnerstagabend in Garching?

Kupka: Wir wollen uns als Vereine zu Wort melden und endlich Gehör finden.

Warum müssen die Amateurvereine gerettet werden?

Kupka: Weil die finanzielle Schere zwischen Profis und Amateuren immer weiter auseinandergeht und sich die Amateurvereine über den Spielbetrieb nicht länger finanzieren können. Die Sponsorensuche wird schwieriger, Aufstiege werden aus finanziellen Gründen nicht wahrgenommen, Abgaben an den Verband steigen, teilweise können nicht mal mehr die Schiedsrichterkosten aus den Spieleinnahmen gezahlt werden – und das alles vor dem Hintergrund, dass man der DFL das Geld mit dem neuen Grundlagenvertrag aus Ehrfurcht nachgeworfen hat. Das geht einfach nicht. Die Amateurvereine finden kein Gehör. Hinzu kommt, dass die Delegierten, die beim DFB-Bundestag abstimmen sollen, nicht informiert werden. Die wissen nicht einmal, worum es geht. Da wird bloß die Hand gehoben – reine Formsache, wie es heißt. Der Fußball ist in eine Schieflage geraten, auf Dauer kann das nicht funktionieren.

Gerade der Grundlagenvertrag zwischen DFB und DFL dürfte den Amateuren ein Dorn im Auge sein.

Kupka: Sicher. Ein Vertrag muss zuerst einmal richtig abgerechnet werden. Daran zweifle ich schon massiv. Ich war ja selber als Vertreter der Profivereine dabei, als wir den Grundlagenvertrag entwickelt haben. Er war auf zwei Jahre ausgelegt, damals hatten wir etwa 300 Millionen Euro an Fernsehgeldern. Drei Prozent Pachtzins für die DFL bei einer Laufzeit von zwei Jahren haben wir beschlossen, ohne jedoch den Paragrafen elf außer Augen zu lassen. Der besagt, dass der Vertrag angeglichen werden kann, sollte er für eine Seite ungültig sein. Doch nichts davon ist geschehen. Seit 16 Jahren gilt diese Abrechnung, die obendrein nicht korrekt ist. Man braucht es nur nachzulesen. Bei 1,5 Milliarden Euro aus den TV-Einnahmen sind dem DFB selbst 35 Millionen für die Amateure noch zu viel. Einen Großteil bekommen die Profivereine durch die Zurverfügungstellung von Nationalspielern ohnehin zurück. Das ist alles aus dem Gleichgewicht geraten.

Werden Ihre Belange beim DFB überhaupt registriert?

Kupka: Amateurvereine zählen überhaupt nicht. Sie haben ja auch überhaupt keine Position, sondern sind nur indirekt über die Landesverbände Mitglieder des DFB. Die Landesverbände stecken mit dem DFB aber unter einer Decke und machen: nichts. Mein Landesverbandsvorsitzender, Dr. Rainer Koch, sagt mir: „Sie haben schon recht, aber Sie haben sich an den Falschen gewandt. Wir würden es ja gerne machen, aber die DFL will nicht.“ Da sage ich: Ja verdammt noch mal, warum ist er denn unser Vertreter in diesen Verhandlungen? Das ist ja schon eine Teilschenkung, die hier an die DFL verschleudert wird! Und die Vereine knausern mit jedem Ding herum.

Spüren Sie eine Bereitschaft beim DFB, die Diskussion mit der DFL anzuregen?

Kupka: Die ist nicht da. Und zwar, weil sowohl Koch als auch Grindel (DFB-Präsident Reinhard Grindel, d. Red.) Angst hatten, nicht wiedergewählt zu werden. Das ist nachweisbar. Grindel hatte vor seiner ersten Wahl gesagt, er wolle Präsident der Amateure sein. Darauf hat Rauball (Dr. Reinhard Rauball, Ligaverbandspräsident) ihm gesagt, er solle den Grundlagenvertrag nicht anrühren – eine klare Warnung. Vor der zweiten Wahl war es genauso, worauf die FAZ schrieb: Wenn die Profis Grindel nicht unterstützen, ist seine Amtsperiode zu Ende, bevor sie überhaupt begonnen hat. Koch wurde rasiert, als er meinte, man müsse für die Amateure ein bisschen mehr herausholen. Darauf meinten sie, Koch falle ihnen ebenfalls in den Rücken. Und damit war die Sache auch erledigt. Das heißt im Klartext: Wir haben unsere Vertreter verloren.

Wie sind die Aussichten auf Erfolg?

Kupka: Das kann ich nicht sagen. Aber man tut solche Dinge ja nicht, weil man die Sicherheit hat, dass sie gut ausgehen. Sondern weil man überzeugt ist, dass es richtig ist. Sie werden unsere Forderungen ablehnen, sie werden ihre Begründungen anführen, unsere Fragen unbeantwortet lassen, unsere Initiativen bekämpfen und alles unternehmen, um Änderungen zu verhindern. Auf Dauer werden sie uns in diesen Punkten aber nicht ignorieren können. Das ist das Wichtige und andere müssen das auch aufgreifen. Alleine kann man so etwas nicht machen. Ich habe die Initiative ergriffen, weil ich sehe, in welche Situation wir kommen. Der DFB hat als große gesellschaftspolitische Organisation ja auch eine Gesamtverantwortung. Wenn dann aber selbst von einem DFB-Präsidenten solche Antworten im Bezug auf Integration kommen, wonach der DFB nicht dazu da wäre, um die Fehler der Politik auszubügeln, sondern um Integration im Sinne des Sportvereins voranzutreiben, dann muss ich mich schon fragen, wo wir hier eigentlich sind. In der Satzung stehen ganz andere Dinge. Die Menschen reden von Werten, halten sie aber selber nicht ein. Die Satzungen werden total willkürlich angewandt und nicht so, wie sie eigentlich umgesetzt werden müssten.

Was droht, wenn nichts passiert?

Kupka: Bei uns haben DFB und DFL jetzt Kontakt mit der chinesischen Vize-Premierministerin aufgenommen. Das ist ja auch richtig, die nächsten Vermarktungsverträge werden auch bei circa zwei Milliarden Euro liegen. Aber die Schere geht immer weiter auseinander. Da fragt man sich natürlich, was diese Bettelknaben da unten wollen. Irgendwann wird es aber nicht mehr weitergehen. Und selbst die Profis müssen einsehen, dass man mit einer Hand allein nicht klatschen kann. Woher kommen denn unsere Nationalspieler? Die kann man doch nicht irgendwo im Ausland kaufen. Aber mir kommt es nicht darauf an, ob man gewinnt. Entscheidend ist, ob man eine negative Entwicklung laufen lässt oder sich erhebt. Es zeugt von Zivilcourage, dass man sich zu Wort meldet.

Zum gleichen Thema

tz-Kommentar von José Carlos Menzel López

Hier geht's zum Merkur-Interview mit Manni Schwabl.

Konny Höß unterstütz Kupkas Aufstand gegen den DFB

Interview: J. Carlos Menzel López

Quelle: fussball-vorort.de

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