Kupka sucht Hilfe von Hoeneß

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Von Präsident zu Präsident: Haching-Boss Kupka (l.) hat Kontakt zu Bayern-Boss Hoeneß aufgenommen. 

München - Laut Klubchef Engelbert Kupka könnte es trotz der prekären Lage eine Rettung für die SpVgg Unterhaching geben. Der Kontakt zum FC Bayern ist bereits hergestellt. 

Nach knapp zwei Minuten ist der Kontakt plötzlich gekappt. Engelbert Kupka hatte sich schon vorab entschuldigt, der Akku seines Handys sei fast aufgebraucht, und so kommt es auch: „Ich bin, ich bin . . .“, sind die letzten Gesprächsfetzen, dann ist die Leitung tot. Wer böse sein will, könnte daraus ableiten, bei der SpVgg Unterhaching sei man inzwischen in so finanziellen Nöten, dass selbst Telefonieren nicht mehr richtig drin ist. Doch bevor die Verbindung abriss, berichtete der Klubchef, dass es trotz der prekären Lage eine Rettung geben könnte: „Ich habe mit Uli Hoeneß geredet.“ Der FC Bayern hat schon oft Vereinen in höchster Not geholfen.

Beim Länderspiel der deutschen U 21 vor einer Woche in Unterhaching wandte sich Kupka an Christian Nerlinger. Das Vertrauen in Geldgeber Franco Levis hatte da bereits erheblich gelitten. Der Haching-Chef schilderte dem Sportdirektor der Bayern die Situation. Nerlinger verwies auf seinen Präsidenten, Kupka ging also auf Hoeneß zu. Über Details der Gespräche, bat der SpVgg-Boss um Verständnis, werde er zunächst mal nichts verraten. Sollte eine Hilfsaktion starten, will er diese durch nichts gefährden.

„Unsere Lage ist sehr, sehr ernst“, erklärte Kupka gestern einmal mehr. Auf die Frage, ob er noch an den versprochenen Geldsegen von Levis glaube, meinte er, der Mann melde sich zwar permanent, ob aber noch Geld käme? „Ich weiß es nicht, ich weiß es einfach nicht.“ Die Suche nach Alternativen ist ebenso vernünftig wie dringend - bis zum 31. Oktober muss der Drittligist Liquidität nachweisen. Dabei auf Levis zu hoffen, scheint weniger ratsam. Bisher ließ der 52-Jährige so ziemlich jeden Geschäftspartner im Stich. Noch immer ist kein Cent von den versprochenen fünf Millionen Euro bei den Hachingern angekommen, erzählte Kupka. In der Regel hinterließ Levis am Ende seiner Geschäfte nichts außer verbrannter Erde. Und es deutet sich an, dass sich die Geschichte wiederholt. Das nächste Indiz: Die renommierte Kanzlei in München, weltweit von tadellosem Ruf, hat sich inzwischen von ihrem dubiosen Mandanten getrennt. Die jüngsten Entwicklungen hätten das Vertrauen zerstört, erklärte man unserer Zeitung. Zwischen den Zeilen schimmerte dabei durch: Auch die Anwälte warten bisher vergeblich auf die Begleichung von Rechnungen.

Auf den FC Bayern ist hingegen in der Regel Verlass gewesen, wenn jemand in Not war. Das Verhältnis zwischen den beiden Nachbarklubs ist - im Gegensatz zu dem zwischen Haching und 1860 - als durchaus freundschaftlich zu bezeichnen. Am 20. Mai 2000 leisteten die Rot-Blauen sogar saubere Schützenhilfe, als die Bayern nur Meister werden konnten, weil der damalige Aufsteiger Leverkusen mit einem 2:0 im Sportpark am letzten Spieltag von der Spitze der Tabelle kegelte. Vor einigen Wochen schloss man zudem eine Partnerschaft in der Nachwuchs-Ausbildung ab. Als Bindeglied auf Hachings Seite fungiert der ehemalige Bayern-Profi Manfred Schwabl - man steht sich also durchaus wirklich nahe.

Die Bayern haben einst St. Pauli und Dresden mit Benefizspielen aus der Patsche geholfen. Erst letztes Jahr unterbrachen sie ihr Sommertrainingslager für einen Kick bei den Stuttgarter Kickers, um deren Klubschatulle zu füllen. Eine ausverkaufte Allianz Arena bringt rund zwei Millionen ein - Hachings Verbindlichkeiten sind in etwa in diesem Rahmen anzusiedeln.

Andreas Werner

Quelle: fussball-vorort.de

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