Christoph Saller vom FC Garmisch-Patenkirchen im Interview

Saller: „Die Talente sehen, was bei uns möglich ist“

Der Trainer des Landesligisten zieht ein Fazit zu der bisherigen Saison und blickt darüber hinaus in die Zukunft.

  • Der FC Garmisch-Patenkirchen steht derzeit im Tabellenmittelfeld der Landesliga
  • Die Patenkirchener haben den Abgang zwei ihrer Topspieler verkraftet
  • Für Christoph Saller ist das pimäre Ziel für die restliche Saison, so viele Spieler, wie möglich zu halten

Ihr Team geriet in der Rückserie der Vorsaison in eine gewaltige Schieflage, rettete sich erst in der Relegation. Sogar Ihr Posten stand zwischenzeitlich zur Disposition. Was nehmen Sie für Erfahrungen mit?

Christoph Saller: Die Entwicklung war irgendwo abzusehen. Anfangs hatte der Erfolg vieles übertüncht. Spätestens ab der Rückrunde schlugen aber der dünne Kader und die fehlende Qualität in der Breite zu Buche. Viele Spieler konnten maximal einmal trainieren, fast immer stellte sich die Mannschaft von selbst auf. Das führt zu einer gewissen Lethargie und am Ende fehlen die Körner. Da hast du als Trainer wenig Handhabe.

Welche Schlüsse ziehen Sie daraus?

Du musst den Kader im Vorfeld breiter aufstellen. Das haben wir heuer getan. Wir sind mit 18 Mann gestartet, optimal wären 20. Der Unterschied zur Vorsaison: Obwohl zum Ende hin ein halbes Dutzend ausgefallen ist, blieb die Qualität unvermindert hoch.

Die Mannschaft galt angesichts der Abgänge von Maximilian Berwein und Franz Fischer im Umfeld als Fix-Absteiger. Wie haben Sie die Phase vor Saisonbeginn erlebt?

Anders. Ich hatte alle Neuzugänge im Probetraining, wusste, was an Qualität kommt und dass wir uns ausgeglichener aufstellen. Natürlich mussten wir den Abgang unserer zwei besten Torschützen kompensieren. Dass das gleich so gut klappt, war nicht zu erwarten. Klar war mir aber, dass wir nicht so schlecht dastehen würden, wie von vielen Außenstehenden befürchtet. Führungsspieler, die in der Rückrunde ihren Erwartungen hinterher gehinkt waren, blühten plötzlich auf. Und natürlich haben die schlechten Prognosen innerhalb des Teams auch für ein Jetzt-erst-recht-Gefühl gesorgt.

Mit 34 Zählern schon jetzt mehr als in der gesamten Vorsaison, 48 Tore, lediglich sechs Niederlagen. Wie fällt ihr Fazit aus?

Die letzten drei Niederlagen waren der langen Saison und dem personellen Aderlass geschuldet. Zwei dieser Teams konnten wir dennoch unser Spiel aufdrücken, da haben wir unglücklich verloren. Entscheidend ist, dass die Mannschaft nicht verzagt, sondern immer versucht, unsere Philosophie umzusetzen. Es sind einige Freundschaften untereinander entstanden, es wird viel zusammen unternommen. Mir macht es großen Spaß, die Entwicklung von Spielern wie Moritz Müller oder Jonas Poniewaz zu beobachten. Sie erhalten weiterhin unser vollstes Vertrauen. Zudem wird von jungen Kickern nichts erwartet, was sie nicht leisten können. Der Jackson (Michael Rauch, Anm. d. Red) passt da als mein verlängerter Arm auf dem Feld gut darauf auf.

Es braucht also nicht zwingen hoch bezahlte Kicker, um Erfolg zu haben?

Absolut. Unser Konzept, bei dem Geld nicht an erster Stelle steht, funktioniert. Für uns ist es ohnehin alternativlos. Es gibt genügend gute Fußballer in der Region. Warum sollen wir welche von außerhalb holen? Die Talente sehen, was bei uns möglich ist, wenn man Einstellung und Leistung zeigt. Sie brauchen nur etwas Geduld, Ehrgeiz und Demut. Neben den Reserveteams von Illertissen und Memmingen erhältst du als junger Spieler am schnellsten bei uns die Chance, Landesliga zu spielen. Wir bekommen laufend Anrufe von interessierten Kickern, teilweise selbst aus München. Unsere Arbeit wird wahrgenommen.

Bei allem Positiven: Ein Manko, das sich durch die gesamte Saison zieht, ist die schwache Chancenauswertung – trotz starker Torquote.

Das ist definitiv ein Punkt, an dem wir arbeiten müssen. Wir haben viele Möglichkeiten leichtfertig vergeben und dadurch einige Punkte liegen gelassen. Wir werden vor der Rückrunde viel Wert auf diesen Bereich legen, müssen abgeklärter werden – so wie im letzten Spiel beim 6:0 gegen Ehekirchen.

Ein weiter Kritikpunkt ist die mangelhafte defensive Umschaltbewegung. Wo lässt sich hier ansetzen?

Wir dürfen unsere Pausen nicht in Situationen nehmen, wo der Gegner ruck zuck in unserer Hälfte ist. Da gilt es, auf dem Platz klare Kommandos zu geben. Kommunikation ist für junge Spieler aber ein schwieriges Thema, sie sind mit ihrem eigenen Spiel beschäftigt. Dadurch würden wir aber mehr Sicherheit in unserer Defensive herstellen.

Mit Beginn der Winterpause konkretisieren sich zumeist auch die Planungen für die kommende Spielzeit. Können Sie schon etwas verraten?

Primäres Ziel ist es, den Großteil der Mannschaft zu halten. Vor allem die erfahrenen Spieler. Was ich aus dem Team so mitbekomme, wollen auch alle gerne bleiben. Dazu binden wir unsere A-Jugendlichen weiterhin perspektivisch ein. Und wenn es passt, werden wir uns punktuell mit Neuzugängen verstärken.

Quelle: Merkur.de

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