Fußball

Landesliga: Mit diesem SE Freising ist zu rechnen

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Kann losgehen! Die Fußballer des SE Freising um Goalgetter Andreas Hohlenburger (l.) sind gerüstet für ihren ersten Landesliga-Auftritt seit Anfang März. Am Samstag wollen die Lerchenfelder in Waldkirchen jubeln.

Im Mittelfeld hat Coach Plabst die Qual der Wahl, nur hinten drückt ein wenig der Schuh. Der SE Freising im Formcheck.

Freising – Fast sieben Monate ist es her, dass die Fußballer des SE Freising ihr letztes offizielles Spiel bestritten haben. Ein 1:1-Remis beim ASV Dachau war’s, damals am 7. März. Die Hoffnungen waren groß, dass die Corona-Zwangspause von kurzer Dauer sein würde – was folgte, ist hinlänglich bekannt. Nun soll es auch für den SEF losgehen – und zwar mit einer Auswärtspartie am Samstagnachmittag beim TSV Waldkirchen. „Das ist ein anderes Waldkirchen, als wir es noch aus der Hinrunde kennen“, warnt Freisings Trainer Alex Plabst. Was ist für seine Landesliga-Truppe drin nach vielen Wochen der mehr oder minder ungewöhnlichen Vorbereitung? Das FT hat einen Blick auf die einzelnen Mannschaftsteile geworfen.

Tor

Der Worst Case trat in der Vorbereitung ein: Patrick Negele, Freisings unumstrittene Nummer eins zwischen den Pfosten, verletzte sich an der Schulter. Lange war nicht klar, wann der Sportlehrer zurückkehren würde. Weil auch sein Ersatzmann Boris Hrvacanin, zweifelsohne talentiert, aus beruflichen Gründen nur bedingt trainieren kann, organisierte Plabst vorübergehend Ersatz: Mit Maxi Oswald spielte ein landesligaerprobter Keeper auf Probe mit. Am Ende musste sich der SEF-Coach entscheiden – und sprach sich gegen Oswald aus. Weil Negele sich wieder fit meldete, er rutscht zum Re-Start in die Anfangself. Und weil Oswald Ablöse gekostet hätte. „Er wäre nur auf der Bank gesessen“, sagt Plabst. „Das wäre für beide Seiten unbefriedigend gewesen.“ Negele bleibt also die Nummer eins der Lerchenfelder, Hrvacanin ist sein Ersatz.

Abwehr

In der Defensive drückt aktuell ein wenig der Schuh – die Viererkette dürfte sich zumindest bis zum Winter beinahe von selbst aufstellen. Kapitän Andi Schredl ist sowieso gesetzt und nicht nur qua Binde einer der Anführer. Michi Schmid ist zwar schon 35, wird aber manchem Jungen einiges vormachen in Sachen Motivation, taktischem Verständnis und Engagement.

Die rechte Außenbahn, die geht an Osaro Aiteniora. Der „Mister Zuverlässig“ absolvierte – neben Schredl – als einziger alle bisherigen 23 Ligapartien, der 26-jährige Nigerianer bringt alle Außenstürmer zur Verzweiflung. Gelassen staubt Aiteniora hinten alles ab, er mischt sich aber auch immer wieder in der Offensive mit ein. Die letzte Planstelle wird spannend – weil Plabst mehrere Alternativen besitzt: Bekommt einer der jungen Akteure – Fabian Löw, Lukas Ederer oder Florian Härtel – die Chance? Oder setzt Plabst auf eines „meiner besten Pferde im Stall“, wie der Coach sagt, nämlich auf Vitus Kirchberger? Das Eigengewächs war verletzt, trainierte jedoch zuletzt wieder beschwerdefrei. Sicher fehlen wird bis zum Winter Basti Hofmaier: Der Innenverteidiger laboriert immer noch an einer Syndesmosebandverletzung.

Mittelfeld

Die Qual der Wahl hat Alex Plabst im Mittelfeld, vor allem auf den zentralen Positionen. (Fast) alle Akteure haben eine exzellente Vorbereitung gespielt, ob Florian Schmuckermeier, Freisings feiner Techniker, oder Jonas Mayr, der Kämpfer im Mittelfeld. Auch auf Daniel Zanker kann der Coach, nach einer bärenstarken Vorbereitung und einer fast noch besseren Hinrunde, kaum verzichten. Einzig auf den Außenbahnen dürfte die Vergabe der Planstellen abgeschlossen sein: Sowohl Rückkehrer Andi Manhart als auch Nikolai Davydov waren in den Testpartien so etwas wie die Lebensversicherung des SEF. Allein der 22-jährige Davydov erzielte in vier Probespielen sechs Treffer.

Die restlichen drei (oder bei einem System mit zwei Angreifern zwei) freien Plätze in der Stammelf dürfte Plabst je nach Trainingseifer und Gegner besetzen. Domagoj Tiric ist eher für die körperbetonten Matches zu haben, Berin Brzovic fürs Kreative. Gut für Plabst: Robert Rohrhirsch ist überraschend früh aus dem Lazarett zurückgekehrt. Und auch im Mittelfeld drängen junge Wilde von hinten nach. Glücklich kann sich schätzen, wer als Trainer ein solches Mittelfeld zu besetzen hat.

Sturm

Aus drei mach eins oder zwei – das wird Plabsts Aufgabe in den nächsten Wochen sein. Drei Angreifer stehen den Lerchenfeldern zur Verfügung – und wenn er fit ist, „führt an Andreas Hohlenburger kein Weg vorbei“, zeigt der Trainer auf. Der 34-Tore-Mann der vergangenen Saison hat aber seit zwölf Monaten kein Pflichtspiel absolviert. Es ist fraglich, ob es da gleich für die Startelf reicht. Zudem hat Daniel Gädke, der im Vorjahr noch mit einigen taktischen und spielerischen Probleme zu kämpfen hatte, mit einer bockstarken Vorbereitung seine Aufwartung gemacht (drei Tore), drängt förmlich in die erste Elf. Das Versprechen der Zukunft beim SE Freising ist Luka Brudtloff. Obwohl erst 17, hat der Youngster den Chefcoach derart überzeugt, dass der ihn sogleich zu den Landesliga-Herren beorderte.

Fazit

Der SEF verdient sich fünf von sechs Formcheck-Bällen, wenn er den Schwung der Vorbereitung mitnimmt und die kleineren Baustellen, die die Testspiele offenbart haben, abstellt. Das Pressing gegen den Ball muss noch zwingender werden, auch im Spiel nach vorne fehlte der Elf manchmal noch die Cleverness. Sollten die Gelb-Schwarzen aber in einen Lauf kommen, darf man mit dem SEF schon rechnen. Und gerade die Corona-Zeit, das hat auch der Blick auf Bundesliga und Champions League gezeigt, ist für viele Überraschungen gut. Entscheidend könnte der Zusammenhalt der Mannschaft werden – und der passt beim SEF, einer eingeschworenen Truppe, seit Jahren.

Quelle: Merkur.de

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