Ismaning auf dem Weg zu alter Stärke

Ludwig: "Wollen den Verein wieder zu einer Marke machen"

+
Kein gewöhnlicher Transfer: Mit der Verpflichtung von Mijo Stijepic sendete der FCI ein Signal an die Konkurrenz.

FC Ismaning - Große Pläne hatten sie ja immer in Ismaning, noch keine drei Jahre ist es her, da sprach man offen von 3. Liga, wollte den FC zur dritten Kraft im Münchner Fußball machen. Hochmut kommt vor dem Fall, was folgte, war ein grandioser Absturz bis in die sechstklassige Landesliga.

Als der Verein ziemlich am Boden lag, hat ihn Ludwig übernommen. Erst als Präsident („es reizte mich, weil ich den Unterbau kannte und die Möglichkeiten sah“), nun konzentriert er sich, beruflich stark ausgelastet, auf die sportliche Leitung. Und hinter dem, was er sagt, scheint zumindest mehr Substanz zu stecken als 2012. Ludwig spuckt keine großen Töne von wegen Profifußball in Ismaning, mit „alter Stärke“ meint er in erster Linie „attraktiven Fußball“, mit dem man Fans und Zuschauer zurückgewinnen, Identifikation schaffen und sich bald wieder in der Bayernliga etablieren wolle: „Der Aufstieg muss noch nicht nächsten Sommer sein. Wir bauen keine Luftschlösser.“ Mehr, hätte er noanhängen können. Ludwig aber vermeidet es, von der Vergangenheit zu sprechen. Er schaut in die Zukunft.

Und die verspricht, zumindest mal wieder besser zu werden. Das hat auch mit Mijo Stijepic zu tun. Die Rückkehr des Stürmers, der die großen Zeiten des Vereins mitgeprägt hat, war ein deutliches Signal, „er ist sportlich wie charakterlich ein Vorbild, die Leute haben gesehen, es tut sich wieder was in Ismaning“, sagt Frank Stenner. Auch ihn, Vereinsmitglied seit 1971, lange Jahre Spieler und Jugendtrainer beim FC, reizt es wieder, sich hier zu engagieren, gerade hat er im Vorstand den Bereich Organisation übernommen. Zuvor hat er ein dreiviertel Jahr den großen Festakt zur Umbenennung der Spielstätte an der Leuchtenbergstraße in „Prof. Erich Greipl Stadion“ vorbereitet, 1500 Gäste waren gekommen, es wurde ein glanzvoller Tag in der Geschichte des Vereins.

Was Stenner besonders beeindruckte: „Am Ende hatte ich so viele freiwillige Helfer, dass ich gar nicht mehr alle beschäftigen konnte.“ Für ihn ein deutliches Zeichen, dass die rund 16 000 Einwohner zählende Gemeinde im Münchner Nordosten wieder zum Verein steht, den Weg mitgeht, den Ludwig und der jetzige Präsident Roland Boenke eingeschlagen haben. Finanziell ist man aus dem Gröbsten raus, „die Reichtümer, die viele bei uns vermuten, haben wir aber nicht“. Ludwig sagt, die Konsolidierung, die schon unter seinem Vorgänger Hans Blößl eingeleitet worden war, schreite langsam voran, nun wurde, zusammen mit der Stadionumbenennung, ein größeres Sponsoringpaket geschnürt. Dass im Sommer Spieler wie Stijepic oder Bastian Fischer von den Bayern-Amateuren verpflichtet werden konnten, habe aber nichts mit dickem Scheckbuch zu tun: „Basti hat hier viele Freunde, will mit ihnen schönen Fußball spielen und sich beruflich weiterentwickeln.“ Deshalb Ismaning. „Verpflichtungen erfolgen nach unseren Konditionen, nicht nach den Forderungen der Spieler.“

Nun habe man eine starke junge Truppe, „mit ein paar erfahrenen Spielern als Säulen“, und mit Xhevat Muriqi einen Trainer, der längst, so Stenner, „eine Institution in Ismaning“ ist. Muriqi war Co-Trainer in der erfolgreichen Zeit unter Frank Schmöller, dann unter Roman Grill. Als die Mannschaft am Boden lag, hat er sie als Chef übernommen, aufgerichtet und stabilisiert. Muriqi nutzt nun auch konsequent die Nachwuchsarbeit des FC Ismaning, zuletzt waren fünf Spieler im Kader, die aus der eigenen Jugend stammen.

„Das ist die Basis“, betont Ludwig. Rund 350 Jugendliche hat der Verein, A- und B-Junioren spielen in der Landesliga, C- und D-Junioren in der Bezirksoberliga, werden ausgebildet von qualifizierten Trainern. Die U11 hat gerade sensationell den Merkur Cup gewonnen, was außer den Bayern, den Löwen und Unterhaching bisher kein anderen Verein geschafft hat. „Das hat uns nach dem Stadionfestakt noch mal große Aufmerksamkeit gebracht“, freut sich Stenner. Und die positiven Schlagzeilen werden fortgeschrieben von der ersten Mannschaft, die sich an der Spitze der Landesliga festgesetzt und zum Aufstiegsfavoriten gemausert hat.

Eine gute Außendarstellung sei das A und O, weiß Ludwig. Er hat den Internetauftritt auf einen Standard gehievt, den kaum ein anderer Amateurverein erreicht. „Wir haben nach dem Absturz viel an Renommee verloren“, weiß er, das müsse man zurückgewinnen. Bei Sponsoren – Ismaning hat als attraktiver Medienstandort ein hohes Wirtschaftsaufkommen –, bei den Bürgern, bei den Fans. Ludwig freute besonders, als er neulich nach dem Pokalsieg gegen den Bayernligisten Hankofen-Hailling von erstaunten Zuschauern hörte, „hier wird wieder Fußball gespielt“. Es ist ja nicht leicht, in unmittelbarer Nähe der Allianz-Arena von Bayern verwöhnte Fans zu begeistern. „Mit gutem Fußball wollen wir sie in Ismaning halten.“

Die Bayernliga ist zunächst mal das Ziel, Ludwig und Stenner freuen sich auf prickelnde Lokalderbys gegen Unterföhring, Heimstetten und Garching, weiterführende Ziele gibt es momentan nicht. 3. Liga, das neue Stadion im Sportpark, all die großen Pläne von einst sind erst mal kein Thema mehr. Man ist bescheidener geworden in Ismaning, geduldiger, auch gelassener und bodenständiger. Die Scherben sind zusammengekehrt, behutsam fügt man sie wieder aneinander. Ludwig und Stenner spüren, „dass hier wieder alle an einem Strang ziehen“, der FC Ismaning soll einfach wieder leben.

Ludwig war neulich auf der großen Trainertagung in Wolfsburg, von vielen Leuten sei er dort angesprochen worden auf den FC Ismaning. „Die meisten sagten, sie sind immer nur mit dem Ziel nach Ismaning gefahren, dort bloß nicht zu verlieren“. Das, sagt Ludwig, „wollen wir wieder erreichen. Wir wollen den Verein wieder zu einer Marke machen.“

Die Amateurfußballseite erscheint jeden Mittwoch. Autor ist Reinhard Hübner, erreichbar unter komsport@t-online.de.

Quelle: fussball-vorort.de

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Haching Profis drücken die Schulbank
Haching Profis drücken die Schulbank
Pipinsried reist mit Fanbus nach Seligenporten
Pipinsried reist mit Fanbus nach Seligenporten
Rosenheim empfängt anfälliges Bayreuth
Rosenheim empfängt anfälliges Bayreuth
Bobenstetter: "Memmingen ist ein Vorzeige-Verein der Liga"
Bobenstetter: "Memmingen ist ein Vorzeige-Verein der Liga"

Kommentare