Erfolgreicher Geschäftsmann und Familienmensch

Was macht eigentlich Haching-Urgestein Ralf Bucher?

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20 Jahre lang hat Ralf Bucher (l.) für Unterhaching gespielt, sich danach aber vom Fußball gelöst. Naja, fast zumindest – heute trainiert der 43-Jährige nebenbei die D-Junioren des SV Waldperlach.

SpVgg Unterhaching - Wenn in Zusammenhang mit der SpVgg der Begriff „Urgestein“ fällt, denken viele sofort an Ralf Bucher. Zwei Jahrzehnte lang streifte der Neubiberger das Hachinger Trikot über – und legte zudem eine berufliche Karriere abseits des Rasens hin. Ganz ohne Fußball geht es aber nicht.

Ralf Bucher ist erfolgreich. Früher war er es als Bundesligaspieler der SpVgg Unterhaching. Heute ist er es als Geschäftsmann in der freien Wirtschaft.

Dass der einstige Verteidiger sowohl auf dem Rasen als auch am Bürotisch erfolgreich ist, hängt wohl auch mit seiner bodenständigen Art zusammen. „Wenn man mit deutschen Tugenden gut rangeht, kommt am Ende des Tages was rüber. Ich bin mir selbst immer treu geblieben“, formuliert der 43-Jährige eine Art Lebensmotto.

Am 15. Dezember 2015 hatte Bucher mit dem Besuch des DFB-Pokal-Achtelfinales zwischen der SpVgg Unterhaching und Bayer Leverkusen noch einmal Kontakt mit seiner persönlichen Vergangenheit. Abgesehen vom Kurzaufritt im Unterhachinger Sportpark ist der gebürtige Münchner kaum mehr bei der SpVgg zu Gast. Der Grund: Der zwischen 1989 und 2009 aktive Bucher hat mit dem Profifußball abgeschlossen. Bucher arbeitet seit mittlerweile knapp fünf Jahren als Vertriebs-Ingenieur für einen großen japanischen Automobil-Zulieferer.

Abseits des Rasens ist der Inhaber einer der A-Lizenz-Inhaber glücklich geworden – und zwar nicht, wie so viele ehemalige Fußballer, als Profi-Trainer. Eine Karriere im Fußball war für den Familienpapa von drei Kindern nach den jahrzehntelangen Erfahrungen kein ernsthaftes Thema gewesen. Seine Erlebnisse als Spieler sowie nach der aktiven Karriere für ein Jahr als Marketingleiter und Manager der SpVgg konnten Bucher nicht wirklich davon überzeugen, im Profi-Fußball zu bleiben.

„Meine Zeit als Spieler sehe ich rückblickend sehr positiv –  ich konnte über die ganze Zeit bei einem Verein unter professionellen Bedingungen arbeiten und habe viele schöne Erinnerungen und Erfahrungen gemacht. Dafür bin ich sehr dankbar. Ein Trainerjob wäre eine Option gewesen. Aber es ist ein Wagnis. Ich wollte nie von meiner Familie länger getrennt sein. Das ist etwas, was mich am Trainerberuf gestört hätte. Es ist eine Sache, die nicht genau planbar ist“, sagt Bucher.

Das „Hachinger Urgestein“ freut sich mit seinen ehemaligen Weggefährten Ralph Hasenhüttl (FC Ingolstadt), André Breitenreiter (FC Schalke 04) oder Markus Weinzierl (FC Augsburg) über deren erfolgreiche Trainer-Karrieren. Der Geschäftsmann Bucher verspürte jedoch „keine Lust“, das Wagnis einzugehen und den gleichen Weg der drei aktuellen Bundesliga-Trainer einzuschlagen. Die Schnelllebigkeit des Geschäfts mit oft wenig nachvollziehbaren Trainerwechseln, das Überangebot an Trainern für wenige Posten sowie der daraus resultierenden harten Gehaltsstruktur ließen ihn vom Beruf Bundesliga-Trainer Abstand gewinnen.

Nach der Manager-Tätigkeit fasste Bucher deswegen nach einer einjährigen Auszeit, in der er „mal zur Ruhe kommen konnte“, einen rationalen Entschluss: Er entschied sich für die Familie und für einen Job in der Wirtschaft. Und gegen den Fußball.

Bucher ist zufrieden mit der Gegenwart, mit einer geregelten Arbeitszeit. Auch wenn er angesichts der „vielen schönen Erinnerungen“ sehr positiv“ auf seine Zeit bei der SpVgg zurückblickt, wo er unter professionellen Bedingungen arbeiten durfte, sieht er heute einen Vorteil gegenüber der Vergangenheit: „Im Fußball gab es keine Wochenenden. Und Urlaub war dann, wenn keine Saison war.“

In der Arbeit kann Teamplayer Bucher auch den Teamgedanken „sehr direkt“ vermitteln. „Früher habe ich das jeden Tag ausgelebt.“ Buchers Erfolgsformel beim Werdegang vom Regionalliga- bis hin zum Bundesligaspieler war die Rolle als Teamplayer. Dieser bodenständigen Linie blieb er in 364 Pflichtspielen für die Rot-Blauen treu. Auch wenn er zeitweise den internationalen Stars nicht immer das Wasser reichen konnte, wurde er mit seiner geradlinigen Art zu einer unverzichtbaren Größe für Mannschaft, Trainer und viele Fans.

„Ich war nie der herausragende Spieler. Aber ich war immer so wichtig, dass mich der Verein immer wieder verpflichtet hat“, blickt Bucher zurück.

Der in seinem Heimatort Neubiberg lebende Bucher kann dennoch nicht ganz vom Fußball ablassen. Er gibt heute seine Erfahrungen als Jugendtrainer beim SV Waldperlach weiter. „Fußball ist für mich das Ventil. Meine Liebe zum Sport wird nie komplett verschwinden.“

Aktuell trainiert Bucher in Waldperlach eine D-Jugend-Mannschaft, in der sein elf Jahre alter Sohn Leon mitspielt. Druck auf seinen Filius, wie manch überehrgeizige Eltern, will Bucher nicht ausüben. Er hält einen zu frühen Wechsel für Jugendliche zu einem Profiverein ohnehin nicht immer für vorteilhaft für ein Kind. „Der Druck ist schon in jungen Jahren sehr groß. Im Bereich U17 und U19 können sich die Spieler auch noch entwickeln. Bis dahin sind die meisten geistig aber schon aufgebraucht, weil sie schon eine gefühlte Ewigkeit den Profi-Traum leben.“

Viel wichtiger als die Fußball-Karriere ist dem Geschäftsmann, der schon während seiner Spielerzeit ein Wirtschaftsingenieur-Studium an der FH München absolvierte, die berufliche Perspektive. Bucher kann aus eigener Erfahrung sprechen: „Ich habe immer über den Tellerrand hinaus geschaut. Die Schule ist immer Grundvoraussetzung, und es war immer klar, dass ich meinen Abschluss haben wollte.“ Auf die Karte Profi-Fußball zu setzen sei laut Bucher oft nicht der Königsweg. „Wenn man den Sprung über die 3. Liga hinaus dauerhaft nicht schafft, macht es keinen Sinn.“

Das Abschließen mit dem Profi-Fußball kann ja schließlich auch etwas Vorteilhaftes bieten. Zumal man auch wichtige Teamplayer-Kompetenzen ins Berufsleben mitnehmen kann. „Früher, auf dem Platz, habe ich meine Erfahrung an junge Mitspieler weitergegeben. Das mache ich heute mit jungen Kollegen in der Arbeit auch. Wenn das Team gut ist, komme ich auch nicht zu kurz.“

Quelle: fussball-vorort.de

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