Die Lösung der Stunde: Solidarität üben und die Schwachen schützen

Manfred Schwabl: Es geht vor allem darum, die älteren Leute zu schützen

Manni Schwabl sorgt sich um die älteren Leute unserer Gesellschaft.
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Manni Schwabl sorgt sich um die älteren Leute unserer Gesellschaft.

SpVgg Unterhaching-Boss Schwabl geht es vor allem darum, die Älteren zu schützen. Die Lösung der Stunde aus seiner Sicht: Solidarität üben und die Schwachen schützen.

Unterhaching – Am Fenster sitzt ein Rentner vor einem Schoppen Weißwein. Später kommen noch ein, zwei andere einsame Gäste. All der gut gemeinten Hinweisschilder am Eingang hätte es gar nicht bedurft, denn im Sportpark Unterhaching werden an diesem Dienstag keine Hände geschüttelt. Mit wem auch? Es gibt keine Mannschaft, die trainiert, keine Ausflügler, die sich an der feinen Küche erfreuen. Was es gibt, sind die üblichen Fragezeichen in diesen Tagen: Wie lange dauert der Ausnahmezustand? Und auf den Kosmos Unterhaching bezogen: Wie hart trifft die Coronakrise die Spielvereinigung, die sich ja nicht nur an der Börse, sondern auch in der Drittligatabelle eine vielversprechende Position erarbeitet hat?

Die Stellung, bevor auch der Sportpark dichtmacht, hält Manni Schwabl. Der Präsident traut sich sogar noch, ein Interview von Mann zu Mann zu geben – weil es ihm wichtig ist, eine Botschaft loszuwerden. Sie lautet: „Fußball ist zwar nett und süß, aber ich glaube, es gibt größere Probleme in diesem Land und überhaupt auf diesem Planeten.“ Um seine Message zu unterstreichen, zitiert Hachings Macher Jürgen Klopp, der jüngst sagte: „Fußball ist das Wichtigste vom Unwichtigen.“ Zunächst einmal gelte es nämlich „das ganze Ding einzudämmen“, wie Schwabl salopp den Umgang mit der Pandemie bezeichnet.

Schwabl ist vor allem wichtig, die älteren Leute zu schützen

Schon bei der Videokonferenz der Drittligisten tags zuvor hatte er seinen Funktionärskollegen ans Herz gelegt, in diesen Zeiten doch bitte die jeweilige Vereinsbrille abzunehmen. „Man erwischt sich ja selber dabei, dass man vordergründig seinen Verein im Kopf hat, aber in so einer Situation muss man auch mal über den Tellerrand schauen“, predigt er. Im Übrigen auch bei der Frage, was jeder selbst unternehmen kann, um die Risikogeneration der Über-80-Jährigen zu schützen. „Warum steht unser Land denn so gut da?“, stellt Schwabl eine rhetorische Frage, die er selbst beantwortet: „Weil es die älteren Leute aufgebaut haben. Das darf man nicht unter den Tisch kehren. Es geht mir schon lange auf den Senkel, dass die älteren Leute in unserer Gesellschaft immer ein bisschen in die Ecke gestellt werden.“

Die Lösung der Stunde aus seiner Sicht: Solidarität üben, die Schwachen schützen; und auf den Sport bezogen: nicht lamentieren. „Es wird Gewinner und Verlierer geben“, sagt Schwabl, „aber jetzt über wirtschaftliche Themen jammern – da bin ich nicht dabei. Obwohl wir schon auch mit Themen zu kämpfen haben.“ Er weiß: Wird die Saison abgebrochen, ist Hachings dritter Platz womöglich wertlos. Wird sie ab Mai mit Geisterspielen fortgesetzt, könnten andere Vereine mehr leiden: „Bei uns ist ein Spiel ohne Zuschauer weniger schmerzhaft als bei 1860 und Kaiserslautern“, sagt Schwabl. Wichtig für ihn ist, dass es kein Hauen und Stechen gibt, wenn eines Tages feststeht, wie es weitergehen soll. „Klare Aussage dazu: Eine demokratische Entscheidung oder eine Entscheidung des Verbands sollten dann alle mittragen. Es bringt ja nichts, wenn dann jede Menge Klagen kommen. Es wird sich dann auch zeigen, ob es Solidarität wirklich gibt – oder nur auf dem Papier.“

„Insgesamt schadet es nicht, wenn der ganze Planet mal ein bisschen runterkocht“

Hachings Motto in diesen Tagen: Abwarten, Ruhe bewahren – und das eigene Schicksal dem großen Ganzen unterordnen. Immerhin: Allzu tief kann die SpVgg nicht fallen, denn der Börsenkurs ist stabil, in Kürze soll das nächste große Aktienpaket abgesetzt werden – und der Verein hat auch frühzeitig seine sportlichen Hausaufgaben gemacht. „Wir sind für die neue Saison seit Januar, Februar durch. Die Spieler haben Verträge für die zweite und dritte Liga. Das Grundgerüst steht.“ Neuigkeit nebenbei: Als letzter wichtiger Eckpfeiler soll Kapitän Dominik Stahl, 31, in Kürze einen neuen Vertrag unterschreiben.

Entspannt wie möglich und schicksalsergeben wie nötig harrt Schwabl der Dinge, die da kommen. „Insgesamt schadet es nicht, wenn der ganze Planet mal ein bisschen runterkocht“, findet er, „insbesondere die Branche Fußball.“ So wie aktuell auch der Sportpark runterkocht. Hachings Spieler halten sich zu Hause fit, auch der Nachwuchs ruht, die Mitgliederversammlung zum Thema Stadionkauf wurde abgesagt.

Auch Cheftrainer Claus Schromm, der sich auf einen Teller Nudeln dazusetzt, blickt der Entwicklung halbwegs gelassen entgegen. Aus sportlicher Sicht gibt es für ihn nur eine Gewissheit: „Wenn die Saison irgendwann mal weitergeht, dann werden allen Spielern die 90 Minuten verdammt lang vorkommen.“ So lang wie den Fußballfans die momentane Zwangspause. 

Quelle: Merkur.de

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