Duhnke blickt im Interview auf seine Karriere zurück

Manuel Duhnke: Hätte 2008 beim TSV 1860 München bleiben sollen

Nach der Karrierepause 2018 folgt das Karriereende 2020: Manuel Duhnke (l.) vom SV Heimstetten legt seinen Fokus fortan auf Familie und Beruf.
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Nach der Karrierepause 2018 folgt das Karriereende 2020: Manuel Duhnke (l.) vom SV Heimstetten legt seinen Fokus fortan auf Familie und Beruf.

Manuel Duhnke, zuletzt SV Heimstetten, spricht im Interview über seine vor kurzem beendete Karriere. Er will sich ab jetzt mehr auf Familie und Beruf konzentrieren.

Heimstetten – Er ist Europameister mit dem Bundeswehr-Nationalteam geworden, hat bei den Militär-Weltspielen in Indien gegen Nordkorea gespielt, ist mit dem SV Heimstetten in die Regionalliga aufgestiegen und hat Oliver Kahn per Flugkopfball bezwungen: Hinter Manuel Duhnke liegt ein bewegtes Fußballerleben, unter das er jetzt einen Schlussstrich zieht. Im Interview erklärt der 32-Jährige die Gründe – und wieso man ihn im Sportpark trotzdem noch oft antreffen wird.

Herr Duhnke, als Sie 2018 die Fußballschuhe schon mal in die Ecke gestellt haben, sprachen Sie ausdrücklich nicht vom Karriereende, sondern von einer Pause – und tatsächlich kehrten Sie ein Dreivierteljahr später zurück. Doch jetzt soll endgültig Schluss sein?

Ja, ich habe die finale Entscheidung getroffen, dass ich zumindest mit dem ambitionierten Amateurfußball aufhöre. Ich weiß natürlich, dass es ein ziemlich blöder Zeitpunkt ist...

… mitten in der Corona-Pause, wegen der die Regionalligasaison unterbrochen ist.

Aber für mich ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um einen Schlussstrich zu ziehen. Meine Frau und ich haben Nachwuchs bekommen, ein Töchterchen, und ich will einfach mehr Zeit mit der Familie verbringen. Es ist eben sehr anspruchsvoll, wenn man drei bis vier Mal die Woche trainiert, dazu an jedem Wochenende spielt, und dann auch noch voll arbeitet.

Der Fußball hat Ihr Leben in den vergangenen 20 Jahren geprägt. Wie schwer ist Ihnen der Rücktritt gefallen?

Natürlich war es nicht leicht. Aber ich denke, dass so eine Entscheidung schwieriger ist, wenn du 20 Jahre in der Bundesliga gespielt hast. Bei mir war es ja so, dass ich schon vor längerer Zeit entschieden habe, dass mein Fokus nicht mehr auf Fußball liegt, sondern auf meinem Studium und später dann auf der Arbeit. Diese Abkehr vom Profi-Fußball, die ein längerer Prozess war, ist für mich sicher die schwierigere Entscheidung gewesen.

Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken – was waren die Höhepunkte?

Mein persönliches Highlight war natürlich das Derby mit den Löwen gegen den FC Bayern.

Ein Freundschaftsspiel im Januar 2008, in dem Sie als 20-Jähriger für den damaligen Zweitligisten TSV 1860 München auflaufen durften. Und dann haben Sie sogar den 1:1-Endstand erzielt – per Flugkopfball gegen Oliver Kahn im Tor des FC Bayern.

Das Spiel wurde live im Fernsehen übertragen, die Allianz Arena war ausverkauft, und dann mache ich auch noch ein Tor – das war vom Emotionalen her ein unvergessliches Erlebnis. Rein sportlich war wohl mein Zweitligaeinsatz für die Löwen der Höhepunkt. Und natürlich der DFB-Pokal mit den Würzburger Kickers, als wir in der ersten Runde Düsseldorf rausgeworfen haben. Aber auch der Aufstieg mit Heimstetten 2018 in die Regionalliga war eine super Sache. Ich habe ja davor mit meinen Klubs meistens gegen den Abstieg gespielt. Für mich war es der erste Aufstieg in meiner Karriere.

Wobei Sie auch international im Einsatz waren – während Ihrer Wehrdienstzeit mit der Bundeswehr-Nationalmannschaft.

Ja, wir sind sogar Europameister geworden. Allerdings muss man dazu sagen, dass da wirklich nur Soldaten gespielt haben – das war vielleicht Bayernliga- oder Regionalliganiveau. Bei den Militär-Weltspielen in Indien 2007 sah es dann anders aus. Da haben viele Länder richtig starke Mannschaften hingeschickt.

Zum Beispiel Nordkorea. Da setzte es für Sie und das deutsche Team in der Vorrunde eine 1:3-Niederlage.

Ja, Nordkorea hatte viele Spieler aus der A-Nationalmannschaft oder zumindest aus dem U 21-Team dabei. Dort ist ja fast jeder beim Militär, weshalb alle mitspielen durften.

Bei all den Höhepunkten – gab es auch Tiefschläge?

Natürlich gab es Niederlagen, die weh getan haben. Und bei mir persönlich könnte man rückblickend sagen, dass ich 2008 vielleicht bei den Löwen hätte bleiben sollen statt zum FC Bayern zu wechseln. Denn kurz nachdem ich weg war, haben Timo Gebhart und Berkant Göktan den TSV 1860 München verlassen – die beide auf meiner Position gespielt haben. Und dann ist auch noch Uwe Wolf Cheftrainer der Profis geworden, der mich davor zum Kapitän der zweiten Mannschaft gemacht hatte.

Das heißt, Ihre Chancen auf Einsätze bei den Profis wären gut gewesen?

Ja, ich glaube schon. Allerdings weiß ich nicht, ob es mich viel glücklicher gemacht hätte, wenn ich damals den Sprung zu den Profis geschafft hätte. Nein, so wie‘s gelaufen ist, war es super. Ich bin rundum zufrieden, und der Fußball hat mir nicht nur tolle Erlebnisse beschert, sondern auch viele Türen geöffnet.

Einziger Wermutstropfen wird sein, dass Sie sich wegen der Corona-Pandemie nicht wirklich von Ihrem Teamkollegen in Heimstetten verabschieden konnten?

Das stimmt, aber das werden wir nachholen. Ich bin ja nicht aus der Welt, meine Frau und ich wohnen nur einen Spaziergang vom Heimstettner Sportpark entfernt. Ich werde also auf jeden Fall dort noch regelmäßig vorbeischauen. (Patrick Stäbler)

Zur Person:

Manuel Duhnke ist in Karlstadt bei Würzburg aufgewachsen, wo er schon als Dreijähriger mit dem Fußball begann. Nach einer Saison in der U14 des FC Schweinfurt wechselte er 2002 zum TSV 1860 München, spielte dort die restliche Jugend und später auch in der zweiten Mannschaft.Obschon er Kapitän des Teams war und immer wieder bei den Profis reinschnuppern durfte, blieb ihm der Sprung ins Zweitligateam verwehrt, weshalb er 2008 zum FC Bayern München II wechselte, wo er zwei Jahre in der 3. Liga kickte. Danach war Duhnke ein halbes Jahr vereinslos und legte fortan seinen Fokus zunehmend auf sein Studium – erst einen Bachelor in Sportwissenschaften, danach einen Master in BWL. Parallel dazu spielte er beim USK Anif in Österreich und bei den Würzburger Kickers, ehe er 2015 nach München zog und sich dem SV Heimstetten anschloss – im Heimatort seiner langjährigen Freundin, die er inzwischen geheiratet hat. Mit dem SVH stieg Duhnke zunächst in die Bayernliga ab,schaffte 2015 aber die Rückkehr in die Regionalliga. Insgesamt hat der heute 32-Jährige mehr als 150 Regionalliga- und mehr als 30 Drittligaspiele bestritten; dazu kommen je ein Einsatz in der 2. Bundesliga und im DFB-Pokal. Sein jüngerer Bruder Marius Duhnke ist ebenfalls Fußballer, hat in der 3. Liga bei der SpVgg Unterhaching gekickt und spielt aktuell beim Regionalligisten Wacker Burghausen.

Quelle: Merkur.de

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