Die ehemalige Torjägerin im Porträt 

Melanie Wegmann: „Ein eingespieltes Team ist Voraussetzung“

Stets auf Torejagd: Melanie Wegmann (l.) konnte sich als Spielerin des FC Moosburg und bei der Polizei-Nationalmannschaft auf ihren Abschluss verlassen. 
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Stets auf Torejagd: Melanie Wegmann (l.) konnte sich als Spielerin des FC Moosburg und bei der Polizei-Nationalmannschaft auf ihren Abschluss verlassen.  

Melanie Wegmann profitierte in ihrer aktiven Karriere von Körpergröße und Ehrgeiz. Im Interview spricht sie auch über Lewandowski und seinen Torrekord. 

Moosburg Am vergangenen Wochenende musste der „Bomber der Nation“ seinen Rekord an Robert Lewandowski abtreten. Die ehemalige Moosburger Torjägerin Melanie Wegmann sieht diesen Erfolg nicht allein beim Polen selbst, sondern als Rekord für das ganze Team. „Klar ist er der beste Stürmer der Welt, aber ohne seine Mannschaft und vor allem die Unterstützung seiner Frau, die sportlich eine starke Stütze für ihn ist, wäre das alles nicht möglich gewesen“, so die ehemalige Stürmerin, die vor allem die Disziplin und den Ehrgeiz Lewandowskis lobt. Auch die Tatsache, dass er trotz des hohen Alters kaum mit Verletzungen zu kämpfen hat, ist für sie mitausschlaggebend für seine Erfolgsbilanz.

Trotzdem glaubt sie nicht, dass so ein Rekord in den nächsten Jahren gebrochen werden kann. „Denn dafür braucht man ein absolut eingespieltes Top-Team über mehrere Jahre hinweg.“ Auch sind der mit 41 Treffern nun alleinige Rekordhalter und Gerd Müller kaum miteinander zu vergleichen, was an den Veränderungen des Spielstils in den letzten Jahren liegt. „Müller war ein echter Strafraumstürmer. Den hat man angespielt und es hat gescheppert. Lewandowski hingegen ist auf dem Platz ein Allrounder und hilft auch mal hinten aus“, stellt Wegmann fest, die selbst über 25 Jahre aktiv Fußball gespielt hat.

Letztes Tor in der Karriere verhalf dem FC Moosburg zum Aufstieg in die Bayernliga 

Dabei begann ihre Karriere bereits mit vier Jahren beim SV Langenbach, ehe sie aufgrund ihres Alters und eines fehlenden Damenteams vor allem Leichtathletik und Tennis betrieben hat. Nach dem Beginn ihrer Ausbildung bei der Polizei kickte sie erneut im Freizeit-Damenteam ihres Heimatvereins, bevor sie für die damalige Ablösesumme von „ein paar Cubamaß“ nach Moosburg wechselte. „Wir sind damals noch mit der SpVgg Moosburg die ersten Jahre durchgehend von der Kreisklasse in die Landesliga aufgestiegen, in der ich die meiste Zeit meiner Karriere gespielt habe.“ Dabei schoss die Torjägerin gerne mal bis zu 30 Kisten pro Saison. „Das wichtigste und emotionalste Tor meiner Karriere war aber der Treffer zum 1:0-Sieg in meinem aller- letzten Spiel. Durch dieses Tor sind die Mädels damals in die Bayernliga aufgestiegen“, erinnert sich die 40-jährige Sportlerin, die nach zwölf Jahren im Trikot der Moosburger 2014 ihre Fußballschuhe an den Nagel hängte.

An ihren Abschied erinnert sie sich auch heute noch gerne zurück. „Nach dem Treffer war das um mich rum eine riesige Menschentraube, und durch Glück hatte jemand mein letztes Tor mit einem uralten Nokia aufgezeichnet. So kann ich mich heute noch daran erfreuen.“

Besondere Gefahr strahlte sie damals durch ihre Körpergröße und der damit verbundenen Kopfballstärke aus. Aber auch ihre Athletik, die sie sich durch das Leichtathletiktraining angeeignet hatte, war ausschlaggebend für ihr Torjäger-Dasein. Dabei war es eher Zufall, dass sie selbst Stürmerin geworden ist. „Ich laufe einfach lieber voraus wie hinterher.“ Ähnlich wie beim polnischen Nationalspieler spielte auch der persönliche Ehrgeiz während ihrer Karriere immer eine große Rolle, was vor allem die Schiedsrichter des Öfteren zu spüren bekommen haben. „Im Nachhinein habe ich mich zu oft auf Diskussionen eingelassen und bin deshalb auch zwei Mal vom Platz geflogen.“

Nominierung für die deutsche Polizeinationalmannschaft, doch Kreuzbandriss vereitelt Pläne 

Außerhalb ihrer Laufbahn beim (mittlerweile)FC Moosburg war Wegmann zusätzlich in Auswahlteams aktiv und wurde 2010 unter anderem für die deutsche PolizeiNationalmannschaft nominiert, um bei der Europameisterschaft anzutreten. „Leider habe ich mir dann kurz vor der EM das Kreuzband gerissen.“ Doch das tat ihrer Kariere auch in Polizeikreisen keinen Abbruch. Sowohl 2013 als auch 2016 holte sie mit der Bayernauswahl die deutsche Meisterschaft. „Das war vor allem 2013 ein unglaublicher Erfolg. Damals spielten in der Auswahl Hessens viele aktive Bundesligaspielerinnen vom FSV Frankfurt, und wir haben sie im Finale mit einem knappen 1:0 niedergekämpft.“

Jetzt, mehrere Jahre nach ihrem Karriereende, ist es ihr ein besonderes Anliegen, dass auch beim Nachwuchs frühzeitig auf Gesundheit geachtet wird. „Man muss einfach mit Vernunft Sport betreiben, denn im Alter fordert der Körper seinen Tribut.“ Auch deshalb soll man aus Sicht der beidfüßigen Moosburger Stürmerin die Zeit als Aktive(r) genießen und Spaß mit der Mannschaft auf- und abseits des Platzes haben – denn die Zeit ist endlich. „Auch heute blicke ich immer noch mit einem lachenden und weinenden Auge zurück auf meine Karriere“, so Wegmann, die weiterhin die Partien ihrer ehemaligen Teamkolleginnen nach dem Aufstieg vom Spielfeldrand begleiten wird.

(Franzi Kugler) 

Quelle: Merkur.de

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