Trainer hält sich selbst für zu alt

Nach mehr als sechs Jahren: Kaiser gibt das Zepter beim Gautinger SC ab

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Das Ende einer Ära: „Danke Michi!“ stand auf dem einen Spruchband, das die Gautinger Spieler für ihren scheidenden Trainer gefertigt hatten. „Unabsteigbar“ auf dem anderen – soeben hatte der GSC über die Relegation den Klassenerhalt in der Kreisklasse sichergestellt. Kapitän Julian Feser verabschiedete sich als erstes mit einer Umarmung von Coach Michael Kaiser.

Inzwischen hat Michael Kaiser festgestellt, dass er in seiner Zunft zum alten Eisen gehört. Der Trainer des Gautinger SC zählt zwar gerade einmal 56 Lenze, aber diese Zahl hält er für entschieden zu alt, um weiter mit seiner Mannschaft auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Gauting – „Der Coach sollte versuchen, die Sprache der Jungs zu sprechen“, sagt Kaiser. Weil er glaubt, dass die Verständigung zwischen ihm und seinem Team immer komplizierter wird, legte er seinen Job beim Kreisklassisten jetzt nach sechseinhalb Jahren nieder. Nicht ohne zuvor den richtigen Ton gefunden zu haben. Mit zwei Siegen in der Relegation gegen die Reserve des SC Unterpfaffenhofen-Germering bescherte er den Würmtalern den Klassenerhalt in allerletzter Minute.

Letzter Auftritt: Zum Abschied führte Kaiser den GSC zu zwei Siegen in der Relegation.

Nun ist Kaiser ohnehin nicht als Quasselstrippe bekannt. Drei Minuten genügen dem Übungsleiter in der Regel, um alles Wesentliche über ein Spiel loszuwerden. Das mag auch damit zusammenhängen, dass er seinen Job als Trainer mittlerweile seit 16 Jahren ausübt. Da fühlt sich mit der Zeit jede Partie sehr ähnlich an. Sich selbst sieht Kaiser als ein Modell, das schon seit geraumer Zeit auf sein nächstes Update wartet, das einfach nicht geliefert wird. „Es ist seit drei, vier Jahren alles eingefahren“, räumt er ein. Kaiser betreute den GSC lange in der A-Klasse. Er führte ihn in die Kreisklasse, stieg von dort gleich wieder ab und kehrte im nächsten Jahr prompt zurück. Nun der Klassenerhalt.

Auch wenn das Leben eines Trainers in Gauting sicherlich sehr abwechslungsreich ist, weil allein die Spieler mit ihren Marotten ständig für gute Unterhaltung sorgen, fehlt Kaiser ganz einfach die Lust, sich noch länger dafür zu begeistern. „Ich will nicht mehr bei Wind und Wetter auf dem Platz stehen“, teilt er mit. Der Witterung wird in Zukunft Uwe Lehner trotzen, der schon seit einem guten halben Jahr mit Kaiser zusammen das Team betreut.

Ganz vom Fußball wird der langjährige GSC-Coach nicht wegkommen. Andere Vereine hatten ihn auf dem Zettel, aber Kaiser verspürte in sich nicht das Feuer, noch einmal etwas Neues zu versuchen. Stattdessen will er sich weiter für den Sportclub engagieren, dem er sich sehr verbunden fühlt. „Zwischen mich und den Verein geht kein Blatt“, stellt er klar. Er sei ein Gautinger mit Herz und Seele. Deshalb fällt ihm sein vorläufiges Karriereende als Trainer auch nicht ganz leicht. „Ich werde die ganze Mannschaft vermissen, weil es tolle Jungs sind“, gibt Kaiser zu.

Ganz und gar aus der Welt sind sie jedoch nicht für ihn. Kaiser wird seine Kicker wieder dort treffen, wo er ihnen in den vergangenen sechs Jahren eigentlich nicht gerne begegnete. „Ich werde sie jedes Wochenende in der Kneipe sehen“, meint der Trainer. Vielleicht schafft es Kaiser dort, die gleiche Sprache wie seine Jungs zu sprechen.

Quelle: Merkur.de

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