Als Spieler winkte eine Profikarriere

Krooß verlässt TSV Gräfelfing: „Fußball ist jetzt Nebensache“

Abschied nach sechseinhalb Jahren: Für Michael Krooß rückt der Fußball künftig ein wenig in den Hintergrund.
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Abschied nach sechseinhalb Jahren: Für Michael Krooß rückt der Fußball künftig ein wenig in den Hintergrund.

Als Spieler trainierte Michael Krooß unter anderem beim HSV. Jetzt tritt der langjährige Funktionär des TSV Gräfelfing aus persönlichen Gründen ab.

Gräfelfing – Michael Krooß hatte keine Möglichkeit, sich gebührend zu verabschieden. „Der Ausstand steht noch an“, sagt der ehemalige Technische Leiter des TSV Gräfelfing, der den Verein jetzt verlassen hat. Wegen des Teil-Lockdowns angesichts der Corona-Pandemie ist die Fete mit den Wölfen erst einmal auf unbestimmte Zeit vertagt. Zu feiern gibt es viel. 

In den sechseinhalb Jahren, in denen sich Krooß im Wolfsbau engagierte, durchlief er fast den gesamten Karriereplan für einen Fußballer. Der inzwischen 35-Jährige kickte erst selbst für die Reserve des TSV, bevor er zum Co-Trainer aufstieg. Im vergangenen Jahr fungierte er dann als Technischer Leiter des gesamten Herrenbereichs.

Michael Krooß: „Es hängt viel dran“

In der Bürokratie zu landen, ist nicht unbedingt der Traum jedes Spielers. Die meisten laufen eher ihrer Jugend hinterher und versuchen mit mehr oder minder großem Erfolg, das Alter in der AH aufzuhalten. Manche satteln in den Trainerbereich um, aber sich mit Formularen und Anträgen auseinanderzusetzen, widerstrebt auch ihnen. Krooß verrichtete diesen Job gewissenhaft. „Es hängt viel dran“, konstatiert er. Ein geregelter Spielbetrieb sei ohne funktionierende Administration gar nicht mehr denkbar.

Krooß kümmerte sich beim TSV um alle Angelegenheiten, die mit dem Thema Spielerpässe verbunden waren. Er bewahrte den Durchblick, was Vergütungen und Aufwandsentschädigungen betraf. Im Dialog mit dem Spielgruppenleiter koordinierte er die Neuansetzung von Begegnungen. Nebenbei betreute er bei den Heimspielen an der Hubert-Reißner-Straße die Schiedsrichter und koordinierte den Ordnungsdienst. 

Was in Zeiten von Corona mit mehr Aufwand als gewöhnlich verbunden war. Aber: „Es war nie überfordernd.“ Was auch ein bisschen daran lag, dass Krooß mit Christian „Jimmy“ Kaminski einen zuverlässigen Mitarbeiter hatte, der ein Auge darauf warf, dass mit den Spielerpässen alles in Ordnung ging.

Probetraining in Wolfsburg und beim HSV 

Die Zeit, als Krooß noch nicht über Spielverlegungen und Passanträge nachdenken musste, weil es nur um das Fußballspielen ging, liegt schon ein Weilchen zurück. Als er noch in der Jugend des FSV Budissa Bautzen kickte, hatte Krooß große Jahre. Sowohl der VfL Wolfsburg als auch der Hamburger SV luden den damals 15-jährigen Sachsen zum Probetraining ein. So erlebte Krooß beim HSV noch den legendären Karsten Bäron, der damals als Trainer für die U17 verantwortlich war. Außerdem begegnete er bei seiner Kurzvisite im Jugendinternat des HSV Starspieler Anthony Yeboah. „Seine Oberschenkel waren erschreckend“, erinnert sich Krooß an den Stürmer, der in der Bundesliga groß durchgestartet war.

So weit hat es Michael Krooß nicht gebracht. Um die Chance auf eine Profilaufbahn zu wahren, hätte er beim Probetraining in Hamburg und Wolfsburg fit sein müssen. Doch er kam aus einer Verletzung, die ihn zuvor ein halbes Jahr lahmgelegt hatte. Sein Weg führte zurück nach Bautzen, wo er noch für die A-Junioren auflief. Danach heuerte er beim SV Großpostwitz als Libero an. Aber schon nach einem Jahr siedelte der feine Linksfuß nach München um, wo er seine Ausbildung zum Hörakustikmeister abschloss. „Das ist wie ein Optiker – nur für die Ohren“, umschreibt Krooß seinen Beruf.

Krooß kümmert sich um Tochter

Für knapp zehn Jahre hatte er seine Fußballschuhe anschließend an den Nagel gehängt, bis ihn Adis Letica, damaliger Trainer der Gräfelfinger Reserve, 2014 zum TSV lockte. „Ich habe viele tolle Menschen kennengelernt“, erzählt Krooß, der dankbar auf seine Zeit im Würmtal zurückblickt. Dass er nun aus dem Wolfsbau auszieht, hat auch etwas mit dem Privatleben zu tun. Seine dreieinhalb Jahre alte Tochter leidet an einer neuromuskulären Erkrankung und braucht ihren Vater mehr denn je. Krooß: „Fußball ist jetzt ein bisschen Nebensache.“ 

(Christian Heinrich)

Quelle: Merkur.de

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