Zimbabwe: Partei setzt Präsident Robert Mugabe ab

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Irgendwie ist die Politik wie der Fußball

Michael Schrodi: Vom grünen Rasen in den Bundestag

Zurück an alter Wirkungsstätte: Ehrengast Schrodi führt den Anstoss aus. Foto: Privat

Michael Schrodi hat mit dem SC Fürstenfeldbruck lange Jahre in der Bayernliga gespielt, sich daneben aber schon intensiv mit Politik beschäftigt. Bereits mit 23 saß der Fußballer im Gemeinderat von Gröbenzell. Nun, inzwischen 40, wurde er für die SPD in den Deutschen Bundestag gewählt.

Als Michael Schrodi von den vielen Zufällen erzählt, die ihn schließlich vor zweieinhalb Wochen zu einem von 709 Abgeordneten im neuen Deutschen Bundestag gemacht haben, als er sagt, dass eine solche Karriere eigentlich „gar nicht planbar“ sei, stockt er plötzlich, denkt kurz nach und meint dann: „Irgendwie wie im Fußball.“

Sein Talent hätte wohl gereicht, den Fußball zum Beruf zu machen, Schrodi erinnert sich an ein Spiel mit dem SC Fürstenfeldbruck gegen die zweite Mannschaft des TSV 1860 München, als sein Gegenspieler Marcel Schäfer hieß und „kein Land gegen mich sah“. Schäfer wurde später sogar zum Nationalspieler, auch Schrodi hätte es höherklassig versuchen können, hatte Angebote von damaligen Drittligisten aus Burghausen, Pfullendorf und Feucht, „aber ich war hier in der Region verwurzelt, hier hatte ich meine Freunde. Und vor allem Spaß.“

Fußball war für Schrodi immer mit Spaß verbunden, deshalb hat er als D-Jugendlicher den FC Bayern schon nach einem Jahr wieder verlassen, trotz seiner 80 Saisontore: „Für mich aber war dort der Leistungsgedanke schon viel zu ausgeprägt.“ Nicht, dass er keinen Ehrgeiz gehabt hätte, den hatte er sehr wohl. Für ihn aber gehörte immer mehr dazu, ein Umfeld, in dem er sich wohlfühlen, eine Mannschaft, in der er Spaß haben konnte. „In dieser Hinsicht war ich eher konservativ“, eine Einstellung, die sich allerdings nicht auf seine politische Karriere übertragen lässt. Löwen-Fan Schrodi ist überzeugter „Roter“, sitzt künftig für die SPD in Berlin.

„Ich war immer ein politischer Mensch“, erzählt er, „wer etwas verändern will, muss sich engagieren.“ Schon mit 23 wurde er in den Gemeinderat von Gröbenzell gewählt, was insofern ein bisschen problematisch war, weil die Sitzungen meist am Donnerstag stattfanden, parallel zum Abschlusstraining mit dem SC Fürstenfeldbruck. „Mein Fehlen wurde aber akzeptiert“, Verein und Mitspieler fanden es „spannend“, einen Politiker in ihren Reihen zu haben. „Natürlich wurde schon mal gefrotzelt wegen meiner Ambitionen“. Teammanager Gerhard Knöchel hat dann auch mal Presseberichte über den Gemeinderat ans Schwarze Brett geheftet, „war aber alles nett gemeint“.

Schrodi war ein Vollblutfußballer, geprägt von der Familie. Der Vater hat ihn in der Olchinger Jugend trainiert, die Mutter hat die Trikots gewaschen, auch Bruder Thomas hat gespielt, der Onkel ist kein Geringerer als Schorsch Metzger, eine Löwen-Legende. „Unser Familienleben hat sich am Fußball orientiert.“

"Ich hatte keine Doppel- sondern Dreifachbelastung"

Michael war aber nicht darauf fixiert, die Schule hat er zunächst nach der zehnten Klasse mit der Mittleren Reife verlassen („ich war ein fauler Kerl“), eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann abgeschlossen, nach dem Zivildienst erst die Fachhochschul- und dann noch die allgemeine Hochschulreife nachgeholt, „ich hatte plötzlich Ehrgeiz“. Und dann Lehramt für Gymnasien studiert. Dazu die politische Arbeit, der Fußball, Gründung einer Familie, Hausbau, „ich hatte keine Doppel-, sondern eine Dreifachbelastung. Das funktioniert, wenn man ein gutes Zeitmanagement entwickelt.“

Erste Station nach einer sehr erfolgreichen Jugendzeit in Olching war im Herrenfußball der FC Pipinsried. „Ich war jung, kostete nix, passte also ins Anforderungsprofil von Konrad Höß.“ Als Ergänzungsspieler „ohne Chance auf einen Stammplatz“ habe ihn der Vereinspatron geholt, „am dritten Spieltag aber stand ich in der Startelf.“ Zwei schöne Jahre habe er in Pipinsried verbracht, getrübt allerdings von Pfeifferschem Drüsenfieber, das ihn „drei Monate flachlegte.“ Trotzdem hatte er Begehrlichkeiten geweckt beim SC Fürstenfeldbruck, für den er dann acht erfolgreiche Jahre spielte, unterbrochen von einem halbjährlichen Intermezzo beim FC Ismaning, wo Schrodi unter Trainer Willi Bierofka aber nicht glücklich wurde, trotz eines Einsatzes im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund.

2014 erster Anlauf auf den Bundestag

Nach überstandenem Rippenbruch musste Schrodi zweimal in der Reserve ran, als er ein drittes Mal dort spielen sollte, sagte er: „Nicht mit mir“, packte seine Sachen und „kam nie mehr zurück nach Ismaning“. In Bruck wurde er gerne wieder aufgenommen, als man dann nach dem Bayernliga-Aufstieg auf Ismaning traf, konnte Schrodi zeigen, dass er mehr kann, als ihm dort zugetraut worden war. 6:1 gewann Bruck, einer der Torschützen: Schrodi.

Konsequenz und Zielstrebigkeit haben ihn schon damals ausgezeichnet. Gleichzeitig profilierte er sich in der SPD, schloss sein Studium mit dem Staatsexamen ab, kickte noch in Oberweikertshofen und wurde 2009 als Lehrkraft für Deutsch, Geschichte und Sozialkunde ans Viscardi-Gymnasium in Fürstenfeldbruck berufen. 2011 kam Oskar, das erste Kind, 2014 Tochter Emma. Ein Jahr zuvor hatte Schrodi zum ersten Mal für den Bundestag kandidiert, am Wahlsonntag hat er abends zwei Taschen gepackt, eine für die Schule, eine für den Fall, dass er am nächsten Morgen nach Berlin gemusst hätte. Nur knapp hat er damals den Parlamentssitz verpasst.

"Der Fußball hat mir bei der Wahl geholfen"

Diesmal musste er keine zwei Taschen packen, sein Chef hatte ihm den Montag nach der Wahl auf alle Fälle freigegeben. Bis Freitag hatte Schrodi noch unterrichtet, nun aber muss das Viscardi-Gymnasium zumindest die nächsten vier Jahre auf ihn verzichten. „Der Fußball“, sagt Schrodi, „hat mir bei der Wahl schon geholfen, bei meinen Wahlveranstaltungen kannten mich viele aus meiner aktiven Zeit.“ Der Fußball hat ihm aber auch viel mitgegeben, was er in seiner politischen Karriere gut gebrauchen kann, Schrodi nennt in erster Linie Disziplin, Teamfähigkeit. „Man lernt, sich in ein Gesamtgefüge einzubringen.“ Und sich durchzusetzen, zu behaupten, auch mal schlechtere Phasen zu überstehen.

Natürlich sei seine Partei angetreten, um zu regieren, „das Ergebnis aber hat uns eindeutig die Opposition zugewiesen, diese Rolle nehmen wir an“. Schrodi will sich vor allem um bezahlbaren Wohnraum kümmern, um regionale Verkehrsprojekte, um Bildung, Energie und Rente. Mit 40 hat er seine politische Zukunft noch vor sich, wer weiß, was aus ihm noch wird. Ziele nennt Schrodi nicht, der Fußball hat ihn gelehrt, dass eine Karriere nicht planbar ist. In der Politik ist das nicht anders.

Die Amateurfußballseite erscheint jeden Mittwoch. Autor der heutigen Ausgabe ist Reinhard Hübner, erreichbar unter komsport@t-online.de

Quelle: fussball-vorort.de

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