3.Liga-Aufstieg: Die schwierige Suche nach Lösungen

Aufstieg oder Relegation? Verband und Verantwortliche uneinig

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Hat am Ende noch eine harte Nuss zu knacken: Claus Schromm muss mit Unterhaching in die Relegation.

SpVgg Unterhaching - Natürlich weiß auch Rainer Koch, dass es gewichtige Argumente gibt gegen das Procedere des Aufstiegs in die 3. Liga.

Zum Beispiel jene Szene im Sommer 2014, als Lukas Raeder unmittelbar vor dem Schlusspfiff nur noch diese eine, völlig harmlose Flanke locker hätte runterpflücken müssen. Der Aufstieg der Bayern-Amateure wäre perfekt gewesen. Raeder aber ließ den Ball noch mal fallen, vor die Füße eines Kölners, der die unverhoffte Möglichkeit nutzte. Und plötzlich feierte die Fortuna. Nicht der FC Bayern. In letzter Sekunde hatte sich das Blatt gewendet.

Dass am Ende ein einziger Fehlgriff, ein schlecht geschossener Elfmeter, eine unglückliche Schiedsrichterentscheidung, Glück und Pech über Erfolg oder Misserfolg einer langen Saison entscheiden, kann selbstverständlich auch Koch nicht optimal finden. „Doch wer kritisiert, muss Lösungen aufzeigen“, hält der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) jenen entgegen, die, wie der Cottbusser Trainer „Pele“ Wollitz („diese Regelung hat mit Werten, Anstand und Respekt nichts zu tun“), eine bundesweite Debatte losgetreten haben. Oder mit einer Petition bei „openpetition.de“ die Regelung zu Fall bringen wollen. „Ein Meister muss aufsteigen können“, fordern rund 17 000 Unterstützer des Aufrufs von Martin Mielchen. 

Relegation gleich Glücksspiel?

Wenn das nur so einfach wäre. Koch spricht von einer „Quadratur des Kreises“, und überraschend ist nicht, dass die „Lausitzer Rundschau“ bei ihrer Umfrage unter den 91 Regionalligisten eine 85-prozentige Ablehnung der derzeitigen Lösung ausgemacht hat, allerdings hatten gerade mal 40 Vereine geantwortet. Es ist und bleibt ein Glücksspiel, wenn etwa die SpVgg Unterhaching nach ziemlich souveränem Marsch durch die Regionalliga Bayern am Ende vom Los und zwei alles entscheidenden Spielen abhängig ist. 

Weil es nämlich seit 2012 fünf Regionalligen in Deutschland gibt, hat man am Ende halt fünf Meister; um die drei Aufsteiger zu ermitteln, nimmt man noch den Zweiten der Gruppe Südwest dazu und sucht in drei Paarungen die drei künftigen Drittligisten. Zwei oder sogar drei Meister werden um den Lohn harter Arbeit gebracht, müssen es noch einmal versuchen. Und wer wissen will, wie schwer das ist, muss nur bei den Bayern nachfragen. Seit Raeders Fehlgriff scheiterte man nun schon zu dritten Mal am Versuch, überhaupt wieder die Aufstiegsspiele zu erreichen.

Zurück zu alten Ufern?

Natürlich könnte man zurück zum alten System mit nur drei Regionalligen. Das aber würde vielen kleineren und mittleren Vereinen die Chance nehmen, in diesen Sphären mitzuspielen. „Amateur-Spitzenfußball muss bezahlbar und für Vereinsführungen verantwortbar sein“, fordert Thomas Müther, der BFV-Pressesprecher. „Das war vorher in einer dreigleisigen Regionalliga nicht möglich, wo reihenweise Klubs in die Insolvenz gegangen sind.“ Für Vereine wie den TSV Buchbach sei „die Regionalliga die Champions League“, diesen gewissen Charme will Rainer Koch der höchsten Amateurspielklasse erhalten. Eine dreigleisige Liga wäre für Vereine ohne professionelle Strukturen kaum zu stemmen. Eher noch eine viergleisige, wie aber würde man die Regionen aufteilen? 

Die Regionalverbände Süd und Südwest stellen, so rechnet Müther vor, zusammen etwa 50 Prozent aller deutschen Vereine. Also müssten die Regionalligen Bayern und Südwest auf alle Fälle erhalten bleiben, West, Nord und Nordost zwei Ligen bilden: „Das will, soweit wir das sehen, keiner“, sagt Müther und nennt „unter den gegebenen Rahmenbedingungen die Regionalliga in ihrer aktuellen Form die bestmögliche Lösung“, was nicht nur die süddeutschen Vereine nahezu geschlossen so sehen würden. „150 000 Euro mehr“, rechnet auch Reenald Koch vor, der Vorsitzende des Nord-Regionalligisten Norderstedt, würde eine Zusammenlegung seinen Verein kosten. „Das wäre für uns nicht mehr finanzierbar.“

Also bleibt nur, an der Aufstiegsregelung zu feilen. Fußball-Fans im gehobeneren Alter erinnern sich gerne an die spannenden Aufstiegsrunden nach Einführung der Bundesliga, bis 1975 wurden am Saisonende jeweils in zwei Vierergruppen die beiden neuen Erstligisten ermittelt. Wäre zumindest gerechter als wenn vielleicht ausgerechnet die zwei stärksten Regionalliga-Meister gegeneinander gelost werden. Diese Lösung favorisiert auch Koch, fürchtet aber, dass der enge Zeitplan eine mehrere Wochen dauernde Runde am Saisonende nicht mehr vertragen könnte: „Dazu wäre eine Reduzierung der Mannschaftszahl pro Liga notwendig“, sagt Müther. Das aber wolle die Mehrzahl der Klubs auch nicht. 

Eine eigene Amateurmeisterschaft

Es gibt viele interessante Ideen, so zum Beispiel, die Zweitvertretungen der Bundesligisten ihre eigene Runde spielen zu lassen, die fünf Regionalligen auf jeweils 16 Mannschaften herunterzufahren und am Ende eine deutsche Amateurmeisterschaft auszuspielen, die beiden Finalisten neben dem Meister der U23-Teams aufsteigen zu lassen. Oder eine Relegation mit den 16. und 17. der 3. Liga, denkbar wären viele Modelle, wäre der Spielplan nicht ohnehin schon so eng. 

Derzeit einzig denkbarer Weg, um alle Regionalligameister aufsteigen zu lassen, sei eine zweigeteilte 3. Liga, erklärte Rainer Koch kürzlich bei kicker.tv, „dann aber müssten die Fernsehgelder unter doppelt so vielen Vereinen aufgeteilt werden. Und das will auch keiner.“ So also landet man schließlich doch wieder beim Thema Solidarität der Profis mit dem Amateurfußball. Denn angesichts der ins Unermessliche steigenden TV-Gelder lässt sich schon mal die Frage aufwerfen, ob nicht doch ein deutlich höherer Anteil davon in die 3. Liga und Regionalliga fließen könnte. Da aber scheint man, Hachings Ex-Präsident Engelbert Kupka muss das gerade erfahren, rechts schnell auf Granit zu beißen. 

Bei der SpVgg Unterhaching, die mit großem, auch finanziellen Engagement gerade die Rückkehr in die 3. Liga anstrebt, will man sich im Moment zumindest nicht allzu intensiv mit der Kritik an der Regelung befassen. Trainer Claus Schromm ist dabei, die Mannschaft auf die Aufstiegsspiele zu fokussieren, „jammern“, weiß er, „bringt jetzt sowieso nichts“. Man glaubt einfach fest an sich. Und hofft, nach einer insgesamt großartigen Saison nicht ein ähnlich bitteres Schicksal erleiden zu müssen wie damals die Bayern.

FUSSBALL-AMATEURE

Die Amateurfußballseite erscheint jeden Mittwoch. Autor ist Reinhard Hübner, erreichbar unter komsport@t-online.de

Quelle: fussball-vorort.de

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