Abteilung Frauenfußball im Fokus 

Maria Steinle und der MTV: Die Mutter des Dießener Frauenfußballs

Die Mannschaft wurde 1971 gegründet. Maria Steinle (vorne r.) war von der ersten Stunde an dabei und Kapitänin, später auch Trainerin und Betreuerin.
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Die Mannschaft wurde 1971 gegründet. Maria Steinle (vorne r.) war von der ersten Stunde an dabei und Kapitänin, später auch Trainerin und Betreuerin.

Maria Steinle war vor fast fünfzig Jahren Gründungsmitglied der Frauen-Abteilung des MTV Dießen. In diesem Artikel erinnert sie sich an die Anfänge und Erfolge der Mannschaft. 

Dießen – Die Abteilung Frauenfußball im MTV Dießen feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag. Maria Steinle (67) war vom ersten Tag an dabei, war die treibende Kraft bei der Gründung 1971 und von Beginn an Kapitänin sowie Herz und Seele des Teams. „Am Anfang haben uns die Fußball-Experten höchstens ein Jahr gegeben“, blickt sie zurück. Aus diesem Jahr sind fünf Jahrzehnte geworden. „Schade nur, dass wir wegen Corona nicht wissen, ob wir unser Jubiläum auch feiern können“, bedauert die gebürtige Dießenerin.

Die Anfänge: 15 junge Damen um Maria Steinle waren es, die sich damals in den Kopf gesetzt hatten, Fußball zu spielen. „Fußball war zu dieser Zeit eine ausgesprochene Männer-Domäne, da wurde unsere Idee mit viel Skepsis betrachtet. Wir ließen uns aber nicht abwimmeln, waren hartnäckig und fanden in Johann Lindner einen Mann, der uns half, eine Damenmannschaft zu gründen. Er war auch unser erster Trainer“, erzählt Steinle.

„Wir wurden anfangs nur belächelt“ 

„Es war zunächst eine holprige Angelegenheit“, gibt sie zu – „sowohl fußballerisch als auch im Kampf um die Anerkennung im eigenen Verein. Wir wurden belächelt, und der allgemeine Spruch war: Die Weiber gehören hinter den Herd und nicht auf den Fußballplatz.“ Doch die Dießener „Weiber“ setzten sich durch. Steinle: „Wir haben bewiesen, dass man kochen, Wäsche waschen, bügeln, Kinder kriegen und Fußballspielen unter einen Hut bringen kann.“

Bis zum ersten Punktspiel trugen Steinle und Co. einige Freundschaftsspiele aus. Das erste ging gleich ordentlich in die Hosen: Gegen Kaufering setzte es eine 1:7-Klatsche. „Spielmacherin und beste Dießenerin war Maria Steinle. Sie braucht aber noch einige gute Nebenleute“, war danach zu lesen. Das Interesse (und die Neugier) waren groß, die Zuschauer kamen zahlreich – was nicht zuletzt am damaligen Outfit der Damen lag: „Wir trugen ein eng geschnittenes Trikot und kurze, knackige Hosen. Die Augen der Männer wurden immer größer, die Blicke streiften unsere Beine, und sie wollten unsere Busen hüpfen sehen. Das war wichtig. Es wurde getuschelt und gelacht, aber mit der Zeit wurden die Gaffer weniger und die Zuschauer, die sich für den Damen-Fußball interessierten, immer mehr.“

Die Mannschaft hat nie unterhalb der Bezirksliga gespielt 

Im April 1972 starteten die MTV-Damen in ihre erste Punktrunde. Die Gegner in der Kreisklasse Gruppe 3 hießen FV Walleshausen,VfL Kaufering, SV Kottgeisering, FT Starnberg 09 und SV Söcking. Anfang der 1970er-Jahre boomte der Frauenfußball. „In den drei Kreisklassen im Kreis Zugspitze spielten immerhin 19 Mannschaften“, erinnert sich Steinle, die sich selbst als „einfach fußballverrückt“ bezeichnet. Die Fußballerinnen vom Ammersee beendeten die erste Saison auf dem respektablen dritten Tabellenplatz mit 13:7 Punkten und 28:11 Toren. Es folgten Aufstiege in die Bezirksliga (1975) und die Verbandsliga, damals die höchste Klasse bei den Damen (1980). Nach drei Jahren ging’s wieder runter in die Bezirksliga. Steinle: „Wir haben nie niedriger gespielt. Das ist ein toller Erfolg, das macht mich genauso stolz wie meine zahlreichen Spiele für die Oberbayerische und Bayerische Auswahl.“

Steinle beendete 2000 ihre aktive Laufbahn – mit 46 Jahren und nach rund 1000 Spielen für den MTV. Sie war später Trainerin und Betreuerin und schaut der aktuellen Landesliga-Mannschaft bei jedem Spiel und so manchem Training zu. Sie kommt ins Trainingslager, macht Linienrichterin, sammelt Spenden ein – und fiebert mit ihren Nachfolgerinnen. „Im Hintergrund zittere ich immer noch mit“, gibt sie zu. 

Wegen Corona ist die Jubiläumsfeier noch in Gefahr 

Auch wenn Corona das zurzeit natürlich unmöglich macht. „Da fehlt einfach was, ich vermisse diese sozialen Kontakte“, sagt sie. Denn: „Der Damen-Fußball ist halt immer noch mein Baby. Ich finde es sensationell und bin sehr glücklich darüber, dass es ihn in Dießen schon so lange gibt“, freut sie sich im Jubiläumsjahr. Ob beziehungsweise wie der 50. Geburtstag ihres längst erwachsenen „Babys“ gefeiert werden kann, ist derzeit aber noch völlig unklar. Trainer Nico Weis: „Es macht im Moment leider keinen Sinn, irgendetwas zu planen.“

Die „Mutter“ des Dießener Frauenfußballs war Kassenverwalterin in der Gemeinde. Seit 2017 genießt sie an der Seite ihrer Lebenspartnerin Elke (spielte von 1975 bis 2001 an Marias Seite für den MTV) ihren Ruhestand. Mit dem neuen Wohnmobil geht’s auf Reisen, die E-Bikes sind immer mit an Bord. „Ich freue mich sehr, dass die Mädels den Klassenerhalt geschafft haben. Das war eine tolle Nachricht, das hat sich die Truppe redlich verdient“, sagt sie. „Jetzt hoffe ich, dass die Damen bald wieder spielen dürfen. Dann werden wir mit dem Wohnmobil zu den Auswärtsspielen fahren – und vor Ort nächtigen.“

(THOMAS ERNSTBERGER)

Quelle: Merkur.de

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